Der Revell-Bausatz ist eine modellbauerische Zeitreise durch 70 Jahre deutscher U-Boot-Entwicklung. Er enthält drei Boote (!) im gleichen Maßstab und erlaubt dadurch den direkten Vergleich von Linienführung, Turmgestaltung und hydrodynamischem Design – ein Aspekt, der gerade für Kenner der Materie besonders reizvoll ist. Das eigentliche Highlight dieses Sets ist nicht nur der Bau der ansehnlichen Modelle, sondern meiner Meinung nach insbesondere der historische Anspruch: das Set erzählt quasi mit den drei Unterseebooten die Entwicklung der deutschen U-Boot-Technologie vom Ende des 2. Weltkriegs bzw. dem Start der Bundeswehr vor nunmehr 70 Jahren, die Jahre des „Kalten Kriegs“ bis in die heutigen Tage. Das Set enthält die legendäre „Wilhelm Bauer“ (basierend auf dem U-2540 vom Typ XXI), den „kalten Krieger“ U-Boot Typ 206A und das moderne U-Boot vom Typ 212A.
Der geschichtliche Hintergrund und ausgewählte technische Informationen sind in den jeweiligen Bauanleitungen der Modelle angegeben. Ein sehr nettes Feature, das man bei den neueren Bauanleitungen leider vermisst. Natürlich stammen die Anleitungen z. T. auch noch aus einer quasi „Vor-Internet-Zeit“, aber dennoch ist der jeweilige historische Abriss zum Beginn der Bauanleitung ein schöner und, meiner Meinung nach, auch sinnvoller Einstieg in das nachfolgende Bastelvergnügen.
Für den interessierten Modellbauer sei an dieser Stelle schon einmal erwähnt, dass die Wilhelm Bauer im Original in Bremerhaven besichtigt werden kann (https://uboot-wilhelm-bauer.de) und das U-Boot Typ 206A ist in Sinsheim ausgestellt (https://u17.technik-museum.de).
Bausätze: Beim Öffnen der Schachtel – hier endlich ein ordentlicher Stülpdeckelkarton – fällt sofort auf: Die jeweiligen Bausätze sind in der für Revell-typischen Form recht ordentlich in einzelnen Plastiktüten verpackt. Alle Teile sind sauber gespritzt und auch die Materialstärke ist durchweg brauchbar. Sinkstellen fallen beim ersten Blick nicht weiter auf und auch die erforderlichen Auswerfermarken sind gut platziert, meist innen im Bauteil bzw. an später nicht sichtbaren Stellen.
Die Spritzlinge sind klar nach den einzelnen U-Booten getrennt, was den Bauablauf angenehm strukturiert hält – gerade, wenn man die Modelle nacheinander oder parallel bauen möchte, erleichtert dies das Vorgehen ungemein. Man kann schön Boot für Boot, vielleicht in der historischen Reihenfolge, bauen. Die Bausätze zeichnen sich durch eine klare, ruhige Oberflächenstruktur und keine unnötigen bzw. übertriebenen Detaillierungen aus. Damit eignet sich dieses Set hervorragend für den Anfänger im Modellbau, bietet aber auch dem versierten „Modellbauprofi“ eine hervorragende Ausgangsbasis für weiterführende Detaillierungen.



Wilhelm Bauer (U 2540)
Der Rumpf orientiert sich klar an der bekannten Linienführung der Typ-XXI-Boote: charakteristischer Bug und sauber proportionierter Turm. Es ist wichtig zu erwähnen, dass sich die Turmdarstellung an der „Wilhelm Bauer“ – dem ersten U-Boot der neu gegründeten Bundesmarine – orientiert, und nicht an U-2540. Die Flaktürme waren bei der „Wilhelm Bauer“ nicht mehr vorhanden. Die Flutschlitze und Lufteinlässe sind am Bausatz geschlossen, lassen sich aber sicherlich durch Freifräsen von der Rückseite öffnen. Das rückseitige Auffräsen der Öffnungen hat den Vorteil, dass die Einlässe der Schlitze bzw. die äußere Rumpfseite nicht beschädigt werden. Ich persönlich ziehe diese Methode dem klassischen „Aufbohren“ von vorn eindeutig vor. Die Fenster im Turm sind lediglich angedeutet. Klarsichtteile wären hier sinnvoll gewesen.
Mit 50 Teilen und einer Modelllänge von 53,3 cm ist dieser Bausatz der längste Vertreter aus dem Set.











Typ 206A
Der 206A ist ein weiterer, modellbauerisch dankbarer Kandidat im Set. Die Linien sind schlicht, aber stimmig, und die Rumpfsegmente versprechen eine geringe Nacharbeit. Die Nahtführung ist entlang logischer Trennlinien ausgeführt. Der Turmaufbau ist insgesamt solide wiedergegeben, könnte jedoch durch nachgezogene Gravuren profitieren. Sicherlich ist hier für den Profi noch Luft nach oben, aber die entscheidende Grundform stimmt soweit.
Da sich U17 als Vertreter des Typ 206A seit 2025 in Sinsheim besichtigen lässt, bietet dies dem Modellbauer die Möglichkeit, sich in der Farbgebung entweder am beigefügten Farbmuster zu orientieren oder nach einem Besuch in Sinsheim auch ein stärker verwittertes Boot zu bauen. Selbst eine Darstellung als Museumsdiorama ist hier sehr gut möglich. Ausreichend „Fußvolk“ als Figuren zum Besetzen der Aufbauten findet sich z. B. auch bei Herstellern von Modelleisenbahnzubehör.
Mit 49 Teilen und einer Gesamtlänge von 33,8 cm ist dieses U-Boot deutlich kleiner als das vorherige Modell.






Typ 212A
Das modernste Boot zeigt auch die modernste Formensprache – und hier merkt man dem Bausatz an, dass Revell bewusst Zurückhaltung bei Oberflächendetails geübt hat. Zusammen mit den beiden anderen U-Booten der Bundesmarine zeigt dieses Boot in seiner Linierführung sehr schön die technische Entwicklung im deutschen U-Bootbau. Die Oberfläche ist sauber und in ihrer Struktur recht realistisch wiedergegeben. Da rein geometrisch recht wenige Details vorhanden sind, bietet sich dieses Modell insbesondere für dezente Lackierungs- oder Weathering-Effekte an. Die Antennen, Sensoren, Periskope im Turmbereich sind vereinfacht dargestellt, hier könnte durch Dreh- oder Photoätzteile noch etwas nachgebessert werden. Insgesamt liefert aber auch dieser Bausatz eine sehr gute Grundlage für weiterführende Detaillierungsmaßnahmen.
Der Bausatz ist mit 55 Bauteilen und einer Gesamtlänge von 39,7 cm etwas größer als Typ 206A.





Präsentationspotenzial: Ein oft unterschätzter Punkt dieses Sets, den ich jedoch ausdrücklich hervorheben möchte, ist das Potential für eine sehr schöne Präsentation in der Vitrine. Die Bausätze sind alle im gleichen Maßstab 1/144 gestaltet, entstammen alle der Bundesmarine und stellen die entscheidenden Epochen im bundesdeutschen U-Bootsbau dar. Die lässt sich sehr schön in einer Entwicklungs-Timeline oder auch in einer Art musealem Aufbau darstellen. Wer möchte, könnte dann noch weitere U-Boote im gleichen Maßstab von Revell oder anderen Herstellern hinzubauen. Das Set kann einen sehr schönen Ausgangspunkt für eine Sammlung darstellen und bietet sich hier auch für Club- oder Modellbauausstellungen sehr gut an.
Fazit: Der Revell Bausatz 05186 ist sicherlich kein „Detailmonster“, mit seinen drei U-Booten jedoch ein konzeptionell sehr starkes Set mit ausreichend Raum für kreative Modellbauer. Besonders hervorzuheben sind die thematische Geschlossenheit und die sehr guten Grundformen der Bausätze, die auf Wunsch ausreichend Platz für weiterführende Detaillierungen bieten. Von meiner Seite aus erhält dieses Set eine klare Kaufempfehlung, insbesondere für Anfänger im Marinemodellbau.
RH (Januar 2026)

