Vorbild: Wie sagt man so schön: Was lange währt, wird gut. So ähnlich kann man es wohl auch bei der Panzerhaubitze 2000 sehen. Die gepanzerte Selbstfahrlafette hat ihre Ursprünge schon in den 1960er Jahren. Aufgrund neuer Anforderungen auf dem Gefechtsfeld wollten Großbritannien, Italien und Deutschland gemeinsam eine neue Feldhaubitze entwickeln. Immer neue Probleme sorgten jedoch dafür, dass sich das Projekt verzögerte und man die Arbeiten 1986 schließlich einstellte.
1987 begann Deutschland mit einer Eigenentwicklung, die ab 1993 in die Erprobung ging. Zunächst für Fahrtests und später auch, um die Kriterien für das Schießen zu überprüfen, mit weiteren Schusstests. 1996 folgte dann der Auftrag zur Serienfertigung und 1998 wurden die ersten Fahrzeuge ausgeliefert. Ein langer Weg.
Die Panzerhaubitze 2000 verfügt über eine 155-mm-Kanone, deren Schussreichweite sich je nach eingesetzter Munition richtet. Ein Standardschuss erreicht etwa 30 km, wohingegen mit modernen Long-Range-Guided-Geschossen Reichweiten von bis zu 70 km möglich sind.
Die Geschosse werden über eine Ladeautomatik in das Rohr geladen, während die Treibladung von einem Besatzungsmitglied zugeführt wird. So kann die Panzerhaubitze eine Feuerrate von bis zu 10 Schuss pro Minute erreichen.
Mit Hilfe des modernen Feuerleitsystems verfügt die Panzerhaubitze 2000 zudem über die Möglichkeit des MRSI-Verfahrens. Dabei werden bis zu sechs Geschosse in unterschiedlichen Winkeln abgefeuert, die dann gleichzeitig im Ziel einschlagen.
Die Panzerhaubitze 2000 ist in mehreren europäischen Ländern sowie in Katar im Einsatz. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine wurden im Jahr 2022 auch aus Deutschland Panzerhaubitzen an die Ukraine übergeben. Insgesamt soll die Ukraine über 54 Panzerhaubitzen 2000 erhalten haben.
In der Ukraine hatte die Panzerhaubitze ihre erste wirkliche Feuerprobe. Dabei kristallisierten sich einige Probleme heraus, die jedoch größtenteils auf die extrem hohe Schusskadenz zurückzuführen sind. So kam es unter anderem zu Überhitzungsproblemen in der Ladeautomatik sowie zu starken Pulverrückständen im Rohr. Auch bei der Zieljustierung soll es vereinzelt Schwierigkeiten gegeben haben.
Weit übertroffen wurde hingegen die ursprünglich angegebene Rohrlebensdauer von etwa 4.500 Schuss. In der Ukraine wurden teilweise bis zu 20.000 Schuss mit einem Rohr abgegeben.
Bausatz: Der Bausatz erschien erstmals bereits 1999, also kurz nach der Serienproduktion des Vorbildes. 2019 gab es ein Rebox, sodass man hier die klassische Revell-Schachtel bekommt. Das Coverbild ist schön getroffen und zeigt eine typische Bundeswehr-Ausführung der PzH 2000. Auch die Rückseite ist sehenswert, dort ist ein gebautes Modell abgebildet, das sich wirklich sehen lassen kann.
Das Innere ist recht übersichtlich. Man erhält drei Gussrahmen sowie drei einzelne große Bauteile und die Vinylketten. Die Teile sehen für das Alter der Formen noch recht anständig aus, jedoch merkt man im Vergleich zu neueren Bausätzen, dass die Details etwas hinterherhinken. Alles wirkt ein wenig grob dimensioniert und teilweise etwas verwaschen.
Man muss bei diesem Set aber auch den Preis im Hinterkopf behalten. Dieser ist nämlich sehr fair: Für knapp über 20 € bekommt man ein durchaus imposantes Modell für die Vitrine.

Viele Strukturen sind bereits an Ober- und Unterwanne angegossen, wer PE-Teile sucht, wird hier nicht fündig. Das Fahrwerk wird fest verbaut und ist nicht beweglich, wobei die Laufrollen nicht verklebt werden sollen.
Der Aufbau dürfte insgesamt recht zügig vorangehen, da selbst die noch anzubringenden Teile größtenteils bereits über angegossene Details verfügen. Der Turm sowie das Geschütz bleiben beweglich. Die Passform scheint zumindest für die großen Teile gut zu sein, Ober und Unterwanne passen ohne Probleme beim lockeren zusammensetzen gut.
Ein kleiner Kritikpunkt an dieser Stelle, die Rohrabstützung ist nur in Fahrtposition im Bausatz vorhanden und kann nicht in abgeklappter Position verbaut werden. Das hätte man in über 20 Jahren durchaus mal nachreichen können.



Bei der Kanonenblende hat man zwei Optionen zur Wahl, eine „steife“ Ummantelung oder eine Variante, die man sich selbst aus Aluminiumfolie anfertigen muss. Die Maße dafür gibt Revell in der Anleitung vor. Ich habe an echten Fahrzeugen jedoch meist nur die „Alu-“ bzw. Stoffvariante gesehen.
Das Rohr sowie der Mündungsdämpfer sind jeweils zweiteilig aufgebaut. Hier muss man sehr genau arbeiten und beim Montieren darauf achten, dass das Rohr nicht verdreht angebaut wird.

Weil der Bausatz aus dem Jahr 1999 stammt, bekommt man auch nicht die 2022 eingeführten Splitterschutzmatten, wie sie zum Beispiel bei Meng beiliegen. Wer die PzH gerne damit darstellen möchte, muss hier auf den Zubehörmarkt zurückgreifen oder direkt zum Meng-Bausatz greifen.
Man erhält einen kleinen Decalbogen mit verschiedenen Kennzeichen für die jeweiligen Fahrzeuge, die man darstellen möchte. Leider ist die Druckqualität nicht perfekt. Die Deutschlandflagge ist etwas dezentriert, und auch die „60“ sitzt nicht ganz im Zentrum.



Bemalung: Man hat vier „verschiedene“ Varianten zur Verfügung, wobei Revell es sich nicht hat nehmen lassen, für jede eine eigene Seite zu drucken. Soweit ich es beurteilen kann, ändert sich jedoch lediglich das jeweilige Nummernschild.
Ich würde daher sagen, dass man im Grunde nur eine Variante zur Bemalung hat. Diese ist allerdings sehr schön in Farbe dargestellt.



Anleitung: Die Anleitung liegt bereits als farbig gedrucktes Heftchen vor, das einem klar und mit vielen Bildern in 38 Bauschritten zeigt, welches Teil wo hinkommt. Besonderheiten gibt es eigentlich nicht – eine klassische, übersichtliche Revell-Anleitung ohne Verwirrung.




Fazit: Ich würde die Revell PzH 2000 als absoluten Beginner-Bausatz empfehlen. Sie ist zwar nicht das beste Modell auf dem Markt, aber bei dem Preis spielt sie ganz oben mit. Für knapp über 20 € gibt es nur wenige Bausätze, die in der Vitrine so eindrucksvoll wirken.
Wer sich an den Modellbau herantasten möchte, ist hier genau richtig. Für Profis würde ich hingegen eher die PzH 2000 von Meng empfehlen.

Florian Schuster, Berlin (März 2026)

