Das Vorbild: Die Fieseler Fi-103 war der erste militärisch eingesetzte Marschflugkörper. Sie wurde als eine der „Wunderwaffen“ in der NS-Propaganda des Zweiten Weltkriegs auch Vergeltungswaffe 1 bzw. nur kurz V1 genannt. Die Entwicklung der Gerhard-Fieseler-Werke in Kassel trug den Tarnnamen FZH 76 für Flakzielgerät 76 und war im Frühjahr 1944 einsatzbereit. Von Juni 1944 bis März 1945 wurden ca. 12.000 Fi 103 von der Wehrmacht hauptsächlich gegen Ziele in England (London) und Belgien (Hafen von Antwerpen) eingesetzt.
(Auszug aus Wikipedia)

Technische Daten

Länge7,7 – 7,9 m
Spannweite5,3 – 5,5 m
Gewicht (vollgetankt)2160 kg
Geschwindigkeit576 – 600 km/h
Reichweite250 – 370 km
Sprengkopf850 kg Amatol
AntriebArgus As 014 Pulsstrahltriebwerk
StartmethodeStartrampe (Walterschleuder) und Dampferzeuger
SteuerungAutomatisch mittels Kreiselkompass
Dienstgipfelhöhe3000 m

Seit etlichen Jahren stehe ich in engem Kontakt mit einem österreichischen Modellbaukollegen, der sich unter dem Firmenlabel „Fertigungswerk16“ auf den Modellbau und die Erstellung von Bausätzen im Maßstab 1:16 spezialisiert hat. Neben reinen Standmodellen finden sich auch etliche Modelle darunter, die auch für RC-Betrieb entworfen und geeignet sind. Ende letzten Jahres erhielt ich eine Anfrage von ihm, in der er vorsichtig andeutete, dass er seine Modellpalette zum Thema Fi-103 V1 ausbauen will und es toll wäre, wenn ich für ihn auch diese Modelle bauen und bemalen könnte. Meine erste Reaktion darauf war eher zurückhaltend, denn auf Basis meiner Erfahrungen, die ich über die letzten Jahre zum Thema 1:16 sammeln konnte, war mir sofort klar, dass es sich in diesem Fall wieder einmal um ein „Monster-Modell“ mit einer Länge von ca 45 cm handelt. Letzten Endes habe ich dann doch zugesagt und erhielt nur wenige Tage später ein riesiges Paket mit den Teilen zum Bau der V1 mit dem Transportkarren und noch einiges mehr …

Das Bauprojekt:

Die V1:

Der Bausatz für die V1 besteht aus lediglich fünf Teilen, die im 3D Druckverfahren hergestellt wurden. Besonders schön dabei finde ich, dass Lukas den kleinen Spinner für die Stromerzeugung der Bordelektronik an der Raketennase als separates Teil vorgesehen hat, wodurch Bruchgefahr bei den Vorarbeiten vermieden werden kann. Das Design entspricht im Wesentlichen dem 1:32 Modell von Special Hobby, das als Vorlage genutzt wurde. Allerdings wurden noch einige zusätzlichen Aspekte und Details wie Nieten und die Befestigung des Höhenruders auf Basis von Vorbildfotos weiter verfeinert.


Der Druck ist als gut zu bezeichnen, allerdings sind die Oberflächen nicht perfekt glatt und weisen leichte Druckriefen auf. Bei einfachen Flächen wie den Flügeln und dem Raketenhauptkörper ist das schnell mit einer entsprechenden Schleifaktion behoben. Sobald aber kleine Nieten oder andere Details vorhanden sind, wird es schwierig und dies war unter anderem beim Seitenleitwerk der Fall. Hier musste ich mich dann entscheiden, ob ich die Riefen in Kauf nehmen oder die kleinen durch den Schleifprozess verschwundenen Nieten auf einem perfekt glatten Seitenleitwerk wieder Stück für Stück anbringen wollte. Der Bauch hat den Kopf besiegt und eine Stunde später sah das Ergebnis zufriedenstellend aus.


Nach dem Auftrag einer Grundierung mit „Mr Hobby Surfacer Grey“ (bei der Größe des Modells war das eine ziemliche Menge) wurde alles noch auf Fehlstellen überprüft und dann die beiden Hauptflügel mit zwei passenden Rohrprofilen aus Plastik am Raketengrundkörper lose befestigt.


Fugen und kleine Details habe ich danach mit Mr Surfacer Braun noch etwas betont und konnte dann zur eigentlichen Lackierung des Modells übergehen.


Beim Farbschema habe ich mich an einem Vorschlag vom entsprechenden Revellbausatz in 1:35 orientiert und das Schema mit den Farben RLM 76, RLM 70, RLM 81 und RLM 82 aus dem Farbsortiment von Vallejo mittels Airbrush realisiert. Für den wellenförmigen Übergang nutze ich selbst erstellte Abdeckmasken aus Karton, die im „schwebenden“ Verfahren mit Blue-Tack mit ca. 1mm Abstand von der Oberfläche befestigt wurden.


Nach Versiegelung mit glänzendem Klarlack ergänzte ich die Decals, die ich noch für das Modell von Lukas erhalten habe. Da es sich bei der V1 um einen „Einmal-Artikel“ handelte, hielt ich mich bei der Alterung sehr zurück und habe lediglich Kratzer und Abnutzungsspuren dargestellt, die bei der Lagerung und dem Transport des Flugkörpers hätten entstehen können.

Der Transportkarren

Für den Transport der V1 existierte neben dem sogenannten Zubringerwagen, mit dessen Hilfe die Rakete zur Abschussrampe verbracht wurde, noch ein einfacher Transportkarren mit der Bezeichnung TK 76a. Von diesem habe ich inzwischen einige gute Aufnahmen des Originals finden können auf dessen Basis noch Optimierungen am Bausatz vom Fertigungswerk realisiert werden konnte. Der Bausatz besteht auch hier aus wenigen im 3D Druck gefertigten Teilen.


Nach dem Entfernen der Druckstreben fand auch in diesem Fall eine kleine Schleiforgie statt, um perfekte Oberflächen zu erhalten. Danach habe ich noch die folgenden Details verfeinert bzw. ergänzt:

1. Überarbeitung des Arretierungsmechanismus für die Lenkachse
2. Verfeinerung des Übergangs der beiden ineinander gesteckten Längsholme mit Befestigungssplint
3. Überarbeitung des Lenkgestänges mit Halterung am Rahmen
4. Ergänzung von Schweissnähten am Rahmen mittels Magic Sculp

Als solider Untergrund für die Bemalung kam auch hier Mr Hobby Surface Grey zum Einsatz. Im Anschluss daran grundierte ich alle „Metallteile“ mit Mr Hobby Braun und die „Holzlagerplatten“ am Karren mit einem Holz-Farbton. Mit einem Schwämmchen habe ich dann sowohl auf den Holz- wie auch auf den anderen Flächen Abnutzungsspuren aufgetragen und danach das ganze Modell mit Haarspray übernebelt.


Schließlich wurden nach dem Auftrag von Dark Yellow einige Stellen mit Hilfe von Wasser und Pinseln wieder freigelegt, was zu sehr natürlich wirkenden Abnutzungsspuren führte, die wie Farbabplatzer aussehen.


Wegen der regelmäßigen Nutzung des Transportkarrens, habe ich mich in diesem Fall beim Altern nicht sehr zurückgehalten und auch noch einige Rostspuren und Kratzer ergänzt.

Schließlich konnte die V1 auf den Transportkarren aufgesetzt werden.


Fazit: Obwohl der Bau und die Bemalung dies Modells einiges an Zeit und Schweiss gekostet hat, bin ich doch sehr froh, dass ich mich für das Bauprojekt überreden lassen konnte.

Wie bereits erwähnt, war das Paket vom Fertigungswerk16 sehr groß, denn es befanden sich noch Teile für eine zweite V1, vom Zubringerwagen sowie der Abschussrampe und für den Dampferzeuger darin …

Gert Brandl, Berlin (Februar 2026)

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