Das Vorbild: Die Stipa-Caproni war ein experimentelles italienisches Flugzeug, das 1932 von Luigi Stipa (1900–1992) entworfen und von Caproni gebaut wurde. Er verfügte über einen hohlen, laufförmigen Rumpf, bei dem Motor und Propeller vollständig vom Rumpf umschlossen waren – im Wesentlichen war der gesamte Rumpf ein einzelner Lüfter. Stipas Grundidee, die er den „Intubed-Propeller“ nannte, war es, Triebwerk und Propeller in einem Rumpf zu montieren, der den Luftstrom des Propellers sowie den Triebwerksauslass komprimiert, bevor dieser am hinteren Rand des Flugzeugs den Kanal verlässt. Dies ist ein ähnliches Prinzip wie bei Turbofan-Triebwerken, jedoch mit einem Kolbenmotor zum Antrieb des Verdichters/Propellers anstelle einer Turbine.
Die italienische Regierung beauftragte 1932 die Firma Caproni mit dem Bau des Flugzeugs. Das daraus resultierende Flugzeug war ein Mittelflügel-Eindecker in überwiegend Holzbau, der als Stipa-Caproni oder Caproni Stipa bezeichnet wurde. Der Propeller war im Inneren des Rumpfrohrs montiert, fast bündig mit der Vorderkante des Rumpfes, und der 120-PS-(89 kW) starke de Havilland Gipsy III-Motor, der ihn antrieb, war im dahinterliegenden Kanal in der Mitte des Rumpfes montiert. Das Flugzeug war in einem blau-cremefarbenen Farbschema lackiert, wie es damals auf Rennflugzeugen verwendet wurde, und sein Ruder trug die Farben der italienischen Flagge. Die Stipa-Caproni flog erstmals am 7. Oktober 1932. Erste Tests zeigten, dass das Intubationspropellerdesign die Effizienz des Triebwerks erhöhte, wie Stipa berechnet hatte, und der zusätzliche Auftrieb durch die Profilform des Innenraums des Kanals ermöglichte eine sehr niedrige Landegeschwindigkeit von nur 68 km/h. Die Stipa-Caproni hatte eine höhere Steigrate als andere Flugzeuge mit ähnlicher Leistung und Flächenbelastung. Sie erwies sich als deutlich leiser als konventionelle Flugzeuge jener Zeit. Leider verursachte das intubierte Propellerdesign zudem so viel aerodynamischen Luftwiderstand, dass die Vorteile der Motoreffizienz aufgehoben wurden und die Höchstgeschwindigkeit des Flugzeugs nur bei 131 km/h lag. Da das Flugzeug nicht deutlich besser abschnitt als konventionelle Flugzeugdesigns, wurde die weitere Entwicklung eingestellt. Weitere Prototypen wurden nicht gebaut. Der moderne Turbofan-Motor wird von einigen Luftfahrthistorikern als Nachfahre des intubierten Propellers angesehen. Quelle: Wikipedia.

Der Bausatz: Es handelt sich um ein Kleinserienmodell aus dem Jahr 2025, das aus Resin gefertigt ist. Die Teile sind ordentlich gearbeitet. Die zwei Rumpfteile müssen vom Anguss befreit werden, was üblicherweise mit einer kleinen Säge oder – wie mir berichtet wird – mit einem elektrischen Bastelmesser geschieht. Leider befindet sich auf beiden Innenseiten ein mehrere Millimeter vorstehendes rechteckiges Teil, das den Herstellernamen zeigt.


Die Flügelteile sind mit sichtbaren Spanten gegossen. Das Innere des Rumpfes ist im Bereich zwischen Propeller und Motor auch profiliert. Im weiteren Bereich gibt es keine Details. Der Motor ist ebenfalls einigermaßen detailliert. Es werden noch ein paar Plastikstreben (3 mm) und feiner Draht (0,3 mm), benötigt.




Die Klarsichtteile sind nur die Cockpitscheiben.

Die farbigen fotogeätzten Teile für Anzeigentafel und Sitzgurte stammen von Eduard und hübschen das karge Cockpit auf.

Der kleine Decalbogen enthält nur die Außenmarkierungen. Die Decals selbst sind fehlerfrei.

Die Bauanleitung ist schwarz-weiß und spartanisch. Mehr wäre aber auch nicht nötig. Es liegt auch eine kleine farbige Bemalungsanleitung bei. Farbangaben bezugnehmend auf die Farbskala eines bestimmten Herstellers sind nicht dabei.






Christian Breuning hat ein anderes Modell der Stipa-Caproni gebaut und besprochen. Als Grundfarbe für sein Modell wählte er die Farbe braun. Master-X empfiehlt Elfenbein. Christian Breunings Besprechung findet sich hier. Es ist nicht unbedingt empfehlenswert, den anderen Links zu folgen. Mein Virenprogramm reagierte darauf hochallergisch. Der Bericht über den australischen Nachbau mit weiteren Nachweisen und Konstruktionsskizzen ist hier. Es gibt auch Videos mit Originalfilmmaterial bei Youtube.
Fazit: Ein Modell für den fortgeschrittenen Modellbauer, der etwas Außergewöhnliches und Farbenfrohes bauen möchte. Sauber gebaut und bemalt wird das kleine, fette Flugzeug ein Höhepunkt in jeder Vitrine. Es ist jedoch klar, dass hier geschliffen und gespachtelt werden muss, auch wenn es nur wenige Teile sind. Etwas Plastikstrebe kann man selbst anfertigen, und statt Draht kann man vielleicht auch elastisches Garn verwenden. Interessant wird es bei der Bemalung. Grundfarbe wäre Elfenbein. Darüber kommt Hellblau. Oder umgekehrt. Der Übergang zwischen den Farben ist jedoch nicht einfach zu maskieren. Es böte sich an, das Titelbild zu kopieren und daraus eine Maske zu schneiden. Leider ist das Titelbild dafür etwas zu groß. Aber wenn man die Kopie etwas verkleinert, dann … Nun, das alles wird jeder selbst herausfinden wollen. Ein aufregendes Modell von Master-X für den erfahrenen Modellbauer!
BK, Januar 2026

