Wenn ich bisher Flugzeuge gebaut habe, dann fast nur Jets. Nach dem letzten dachte ich mir, eine kleine Abwechslung wäre schön. Was Modernes, aber mit Propeller, ein Klassiker des 20. Jahrhunderts. Und da fiel mein Blick auf die OV-10A von ICM, die ich direkt vor meiner Nase im Stash liegen hatte.

Das Muster hat eine interessante Einsatzgeschichte in Vietnam. Die Bronco war wegen ihrer durchschlagskräftigen Luftnahunterstützung hochgeschätzt bei den amerikanischen Bodentruppen. Oft war sie die einzige Unterstützung, die schnell vor Ort war. Sie konnte auch auf unbefestigten Pisten und Feldflugplätzen landen. Da lässt sich doch was draus machen …

Meine Herausforderungen für dieses Modell waren die komplexe Konstruktion und Bemalung mit großen Glasflächen und gut einsehbarem Cockpit, die Bemalung von Pilotenfiguren (da drücke ich mich immer gern drum herum) und die Erstellung einer grasigen Feldflugplatz-Vignettenbasis. Auf geht’s!

Cockpit

Wenn man so viel sieht vom Cockpit, braucht es auch anständige Details. Ich habe zunächst einmal auf 3D-gedruckte Sitze von ResKit zurückgegriffen. Wunderbare Details, ein Augenschmaus! Nach der Grundbemalung habe ich die Details mit Vallejo-Farben ergänzt.

Bei den Instrumenten im Cockpit unterstützt ein Photoätzteil-Set von Eduard. Was Eduard nicht berücksichtigt, sind die Instrumentendosen und ihre Verkabelung. Diese habe ich mit PS-Rundmaterial und Bleidraht ergänzt. Die in der Bronco sehr prominenten Kabelbäume sind ebenfalls aus 0,2mm-Bleidraht.

So fügt sich das Cockpit Stück für Stück zusammen. Die OV-10 kippt gern nach hinten und braucht viel Gegengewicht im Rumpfbug. Also, wirklich viel. Ich habe Angelbleigewichte flachgeklopft und in den Seitenkonsolen versteckt, bis nichts mehr reinging. Das hat gerade so gereicht, das Bugrad auf dem Boden zu halten.

Rumpf und Konstruktion

Von CMK ist mir ein Set mit geöffneten Pylonen und den darin verbauten Maschinengewehren in die Hand gefallen. Da die Pylone deutlich einfacher zu verbauen waren als die sehr komplex zu konstruierenden aus dem Bausatz, wählte ich diese Variante. Ein schönes kleines Set, mit Zinkchromat und einem silbernen Drybrushing auf den Maschinengewehren kommt es prima zur Geltung.

Der Rumpf ist übersät mit erhabenen Nieten. Direkt neben und fast auf diesen Nieten verlaufen die Klebekanten der Rumpfbauteile. Da blieb es beim Verschleifen nicht aus, dass ich einige Niete sprichwörtlich platt gemacht habe. Zum Glück gibt es von Quinta Sets mit erhabenen Nieten als Decal, mit denen ich die weggeschliffenen Niete wieder herstellen konnte.

Die Fahrwerke des Bausatzes sind nicht zu gebrauchen. Das weiche ICM-Plastik biegt sich unter der Belastung dieses im Grunde nicht schweren Modells. Damit die Bronco am Ende gerade steht, habe ich ein Messingfahrwerk von Aerocraft verwendet.

Die Bronco ist mit ihren Heckauslegern und der Rumpfgondel eine verwinkelte Konstruktion. So verwinkelt, dass man mit der Spritzpistole nicht mehr in alle Ecken kommt, wenn man erst alles zusammenbaut und erst dann mit dem Lackieren beginnt. Die Bereiche zwischen Auslegern und Hauptrumpf musste ich als schon vor dem Zusammenbau vorlackieren.

Lackierung

Wie so oft bin ich mit einer dunklen Grundierung an die Sache herangegangen. Sie erzeugt Schatten und Tiefe und ist eine gute Ausgangsbasis für bereits in den Lack eingearbeitete Struktur und Verschmutzung. Schwarz allein würde den grünen Decklack auskühlen lassen und in Richtung Blau verschieben. Daher habe ich zusätzlich großzügig mit Braun vorgrundiert.

Auf die dunkle Grundierung habe ich mit Schablonen und freihändig eine wolkige Marmorierung aufgesprüht. Diese konnte ich dann mit dünner Zielfarbe einblenden, bis nur noch eine subtile Struktur erkennbar war.

Jetzt war auch der Zeitpunkt, an den Lufteinläufen mit dem Schwamm kleine Farbabplatzer anzubringen, die das darunter liegende Zinkchromat zum Vorschein brachten. Im vorderen Rumpfbereich habe ich mit dunklerem Grün einige nachträgliche Ausbesserungen angedeutet.

Die Kit-Decals von ICM gingen prima und ohne Schwierigkeiten aufs Modell. Dann kam die Stunde der Ölfarben für das Weathering. In verschiedenen Verdünnungen habe ich Washes, Flecken und sonstigen Dreck auf die Oberfläche gebracht. Die Alterung ist zurückhaltend, da die Originalmaschinen auch immer recht sauber aussahen.

Für die Propellerspitzen liefert der Kit eigene Decals, aber ich wolle selbst lackieren. Zunächst habe ich mit meinem Plotter passende Masken geschnitten. Das Weiß konnte ich so lackieren, das Rot habe ich mit Pink grundiert, damit es kräftig wirkt.

Details und Piloten

Als Zuladung wählte ich Raketenwerfer. Die großen verfügen über ein umlaufendes, erhabenes Band, das beim Zusammensetzen der Halbschalen verloren ging. Also habe ich es ganz entfernt, graviert, und die Rille mit gezogenem Gussast aufgefüllt.

Die Turbinenauslässe habe ich mit einer Mischung von Alclad-Metallicfarben in Bronze lackiert und dann mit Ölfarben verdreckt. Die Stabantennen sind aus gezogenem Gussast, die gespannte Antenne zum Heckleitwerk ist Rigging-Faden von Uschi van der Rosten.

Und dann kam eine besondere Herausforderung: Pilotenfiguren. Ich wählte welche von ResKit, und meine Güte, sind die gut! Sauber 3D-gedruckt, toll modelliert, mit realistischen Kleidungsfalten und feinsten Details. Die Figuren waren eine wahre Freude beim Bemalen, hier mit Vallejo-Farben.

Basis

Auf irgendwas muss das Flugzeug ja stehen, und ich wollte nicht schon wieder eine langweilige Betonpiste bauen. Darum entschied ich mich für ein grasiges Stück Feldflugplatz in Vietnam. Die Methode habe ich mir beim Youtube-Star Nightshift abgeschaut, und so mache ich das jetzt immer.

Zunächst habe ich aus Vogelsand, Korkbruch, Bröselmaterial, Wasser und Ponal einen schlammigen Untergrund angerührt und auf einer PS-Platte ausgebracht. Nach dem Trocken und einer ersten Grundierung habe ich mit einem Statik-Gras-Applikator einzelne Grasbüschel über den Untergrund verteilt. Korkbrocken dienen als größere Steine.

Und dann kam das Besondere der Nightshift-Methode: Alles, auch das Gras wurde in Braun grundiert. Warum? So entstehen von vornherein natürliche Schatten, das Gras sieht nicht nach Modelleisenbahn aus, und ich kann für den Bewuchs die Farbpalette wählen, die dem Vorbild angemessen ist.

Also habe ich im nächsten Schritt das Gras mit verschiedenen Grüntönen angesprüht, die Spitzen heller, und am Ende sogar alles mit Ölfarben trockengemalt. Die letzten Schritte waren dann gesprühte Highlights auf der Erde mit Dunkelgelb und ein Ölfarbenwashing in dem für Vietnam typischen Rotbraun.

Fazit

Und das war’s! Ich würde gern sagen, das war ein schöner kleiner Kit für zwischendurch, aber das stimmt nicht. Die Konstruktion und Bemalung dieses feingliedrigen Insekts erfordern doch einiges an Planung und Aufwand, so dass mich der Bausatz länger als gedacht in Atem gehalten hat. Und doch bin ich froh, das Abenteuer von Figuren und Vignetten-Basis eingegangen zu sein. Das macht Lust auf mehr, vielleicht schon beim nächsten Modell.

Christian Höcherl, Berlin (Februar 2026)

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