„What a piece of junk!”

Luke Skywalker

Mit diesem Ausruf fasst Luke treffend zusammen, was den Millennium Falcon ausmacht – ein abgerittener, von Spucke und Klebeband zusammengehaltener Raumtransporter, modifiziert, dreckig, und das Paradebeispiel für George Lucas‘ „Used Universe“, welches Star Wars so besonders und unverwechselbar macht.

Seit Bandai die Star Wars-Lizenz übernommen hat, gibt es auch endlich hochqualitative Bausätze zu Schiffen, Fahrzeugen und Personen des Star Wars-Universums. Einige konnte ich mir schon sichern, aber der Bandai Perfect Grade Millennium Falcon in 1/72 ist etwas Besonderes.

Schon bei seinem Erscheinen ließ dieser Bausatz dem versammelten Fachpublikum den Mund offen stehen. Ein relativ großer Falcon, bis in die letzte Schraube originalgetreu dem Filmmodell („Five Footer“) aus Episode 4 nachgebildet. Hunderte Bauteile und Gießrahmen, die man nicht mehr zählen kann. Eine massive und schwere Schachtel. Und das alles in Bandai-Qualität mit perfekter Passgenauigkeit und – wenn man will – ohne Kleber baubar.

Ab und zu hört man unter Modellbaufreunden vom Magnum-Opus-Bau – also dem Bausatz, den man unbedingt einmal im Leben gebaut haben will, und in den man einiges an Geld, Zeit und Mühe investieren möchte. Das ist für jeden etwas anderes, für mich war und ist es dieser Millennium Falcon. Mit Respekt und Freude näherte ich mich also diesem Projekt – hinein ins Vergnügen!

Bau: In Sachen Passgenauigkeit setzt Bandai Maßstäbe und bewegt sich mindestens auf dem Niveau von Tamiya. Der Bausatz fiel fast von selbst zusammen. Fast wie beim Original galt es nun, hunderte von Greeblies über die Außenhaut des Falcon zu verteilen. Die Teile sind mitunter sehr filigran. Sie alle halten durch clever positionierte Klemmverbindungen, dennoch habe ich zur Sicherheit alles sauber festgeklebt.

Der Falcon lässt sich prima in Sektionen bauen und grundieren/vorlackieren. Letzteres ist auch in Teilen nötig, da man nach dem Zusammenbau an einige Stellen wie dem Freiraum zwischen den Mandibeln nur noch schwer mit der Spritzpistole herankommt.

Figuren: Die Bandai-Figuren, die man wahlweise im Cockpit oder den Kanonenstellungen platzieren kann, sitzen in langweiligen Posen mit den Händen auf den Knien herum. Da geht mehr. So griff ich auf sehr schön und hochdetailliert 3D-gedruckte Figuren von Falcon 3D Parts zurück. Der Mehrwert ist deutlich – allein die Pose von Luke, mit der Hand zeigend: „Here they come!“ Bemalt habe ich die Figuren mit Farben von Vallejo. Der kleine R2-D2, der als Bonus im Figurensatz war, sollte seinen Platz auf der offenen Einstiegsrampe finden.

Beleuchtung und Elektrik: Auch wenn man sich diesem sagenhaften Kit mit Respekt nähern sollte, stellte ich schnell fest, dass hier Luft nach oben ist. Der mitgelieferte Beleuchtungssatz taugt nichts. Viel zu dunkel, viel zu schwach, insbesondere im Triebwerk. Hier ist Eigenleistung gefragt.

Für das Cockpit konnte ich die transparente, mitgelieferte Rückwand nutzen, schwarz lackieren, die „Lichter“ freikratzen und das Ganze von hinten beleuchten. Die Beleuchtung der Standbeine war recht einfach gegen warmweiße LEDs auszutauschen.

Die zwei Geschützstellungen für Han und Luke sind im Bausatz unbeleuchtet. Aber wenn wir schon dabei sind, kriegen sie eine eigene Beleuchtung mit je zwei SMD LEDs pro Station. Ich habe die LEDs von außen unsichtbar hinter Vorsprüngen angebracht, so dass sie noch innen in die Station leuchten.

Eine große Baustelle war das Triebwerk. Es sollte strahlend hell leuchten, ohne zu viel Abwärme zu verursachen. Dafür habe ich einen handelsüblichen weißen LED-Streifen (12 V) genommen und ihn doppelt über die gesamte Triebwerksbreite gelegt. Als Diffusor im Triebwerksauslass diente eine passend zugeschnittene milchige Folie von einer Büromappe. So sind die einzelnen Lichtpunkte im Triebwerk nicht mehr klar zu erkennen, und alles wirkt wie eine homogene weiße Wand.

Ich habe für den Falcon eine 12 V-Stromversorgung mit einem Netzteil installiert. Zur Steuerung der Elektrik läuft alles auf einer kleinen Platine zusammen, die ich mir passend zurechtgelötet habe, und die ihren Platz im nun leeren Batteriefach findet. Jede Beleuchtungskomponente hat hier ihren eigenen Dimmer, um die Helligkeit passend austarieren zu können.

Bemalung und Alterung: Der Millennium Falcon lebt von Alterung und Verschmutzung, und das muss bereits mit der Grundierung angelegt sein. Die erste Schicht war daher auch Mr. Surfacer 1500 Black als Grundlage für ein Black Basing. Da ein schwarzer Untergrund die Deckfarben auskühlt, der Falcon aber eher warmweiß ist, habe ich die schwarze Grundierung mit reichlich braunen Flecken überzogen. Dieses „Brown Basing“ ergibt einen warmen Untergrund für das Weiß und hält es im beige-gelben Farbraum.

Los ging’s mit MRP-099 US Navy White als dem Hauptfarbton für den Falcon. Als erste Schicht habe ich eine wolkige Marmorierung aufgesprüht und diese in einem zweiten Schritt transparent eingeblendet. So hat die noch nicht gealterte Lackierung bereits reichlich Struktur und Variation, auf der man aufbauen kann.

Für die farbigen Panels bietet Bandai Decals inklusive Abplatzer und Schrammen an. Die sind aber recht pixelig gedruckt, und das wirkt einfach nicht. Daher habe ich selbst Haarspray aufgesprüht, dann die verschiedenen farbigen Panels, und danach mit Borstenpinsel, Zahnstocher und Wasser Schrammen eingearbeitet.

Was nicht in der Anleitung steht, und wofür es auch keine Decals gibt: Der Falcon ist übersäht von gefühlt einer Million kleinen grauschwarzen Markierungen, Rechtecken und Streifen. Dafür habe ich mir aus Tamiya-Tape kleine Masken gebaut und bin damit über die Oberfläche des Schiffs gewandert.

Nach ebenso gefühlt einer Million Decals begann die Alterung. Sagte ich bereits, dass dies mein Lieblingsteil beim Bau ist? Nein? Also: Das mache ich am liebsten. Erster Schritt: Ein Washing mit Ölfarbe. Dann: Die Dreckstreifen/Laufspuren in Schwarz und Rostrot auf Ober- und Unterseite. Dafür habe ich unverdünnte Ölfarbe genommen und sie mit einem trockenen Pinsel von beiden Seiten nach unten „gezogen“. Ganz ähnlich ließen sich Treffer und Schmauchspuren aufbringen. Es folgte ein Oil Paint Rendering nach Mike Rinaldi („Tankart“), um zusätzliche Variation in die Oberfläche zu bringen. Der letzte Schritt war, mit aufgesprühtem Tamiya Smoke großflächigen Dreck und Schatten zu erzeugen.

Basis: Auf irgendwas muss der Millennium Falcon ja stehen. Und irgendwie musste ich die Stromversorgung ins Modell führen. Also entwarf ich eine „freischwebende“ Landeplattform auf einer Metallstelze, die das Modell dem Betrachter fast auf Augenhöhe präsentiert. Das lädt dazu ein, auch mal unter das Modell zu gucken.

Die Plattform basiert auf einer Holzplatte, aufgeschraubten Polystyrolplatten und jeder Menge Plastikprofile und Teilen aus der Restekiste, die ein bisschen Struktur erzeugen. Im mittigen Metallrohr läuft das Stromversorgungskabel nach oben. Zwei aus der Plattform ragende Nähnadeln treffen auf passende Hülsen im linken Standfuß und stellen so die elektrische Verbindung her. Und wenn wir schon bei Elektrik sind, kriegt die Plattform auch gleich noch eine Anflugbefeuerung.

Fertig! An diesem Modell habe ich dann doch ungefähr zwei Jahre gebastelt. Und es hat mir jede Minute Freude bereitet. Das liegt vor allem an der perfekten Vorlage von Bandai, die in Sachen Passgenauigkeit und Detaillierung nichts zu wünschen übrig lässt. Und wenn es bei der Konstruktion keine Baustellen gibt, und man sich auf Lackierung und Weathering konzentrieren kann – dann macht Modellbau Freude!

Dies war mein Magnum-Opus-Bau, dieses eine Projekt, das ich in diesem Leben vollenden wollte. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden und habe viel für die nächsten Projekte gelernt. Jetzt muss ich mir einen neuen weißen Wal suchen, den ich erlegen kann. Ich hab da schon ein Idee …

Christian Höcherl, Berlin (Juli 2022)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.