Wehrmachtslokomotive V188 ….

als ich das Bild mit dieser Beschriftung das erste Mal auf der Webseite von Trumpeter sah dachte ich nur – falscher Maßstab – und hoffe immer noch das dieses Model auch in 1/72 kommt ….

Mit einer Packungsgröße von rund 490x350x155 mm ist dies die bisher größte Verpackung eines Bausatzes, der mir in die Finger kam. Ein Leichtgewicht ist der Karton auch nicht gerade, kein Wunder er ist randvoll mit beigem Polystyrol gefüllt.

Für das Lok-Modell selbst sind die Spritzlinge A-G (A 2x, B 2x, C 2x, D 2x, E 8x, F 8x, G 4x), GP (2x) und der Ätzteilsatz PE (2x) gedacht, die Spritzlinge Road-A bis -C (A 2x, B 3x, C 3x) und SR (2x) bilden das beiliegende Gleisstück mit Schotterbett zur Präsentation des fertigen Modells. Dazu kommt noch ein Maskensatz für alle Fenster, der auch für die Maschinenraumtüren zu verwenden ist.

Die Zahl der Bausatzteile für das Lok-Modell alleine beläuft sich auf 742 und verspricht damit jede Menge an Modellbauspaß.

Doch vorher noch der Vergleich einiger Abmessungen des Originals mit den Bausatzteilen:

alle Maße in mmOriginal1/35Modell
Raddurchmesser125035,736
Achsstand200057,157
Kastenbreite291083,183
Kastenlänge10130289,4290
Länge über Puffer22510643,1tbd

Da gibt’s nix zu meckern.

Der Bau des Modells beginnt wie bei den meisten Flugzeugen auch hier wieder mit dem Bau des Cockpits …. äh, das ist hier ja kein Flugzeug, ein Cockpit gibt es also gar nicht. Aber zwei Führerstände – und mit den Stellpulten in den Führerständen wird der Bau dieses Modells einmal beginnen. Verglichen mit den wenigen bekannten Bildern scheinen die Führerstände recht vollständig wiedergegeben. Was fehlt, ist das auf der rechten Seite des Stellpultes eingebaute Führerbremsventil und einige zwischen den Fenstern eingebaute Instrumente, sowie eine Deckenlampe. Bleibt also für Pufferküsser durchaus noch was zu tun. Die anderen erhalten eine Inneneinrichtung, mit der man recht gut leben kann. Die Instrumente auf dem Schaltpult und dem Schaltkasten an der Führerstands-Rückwand sind flach und ohne Details aufgeprägt, liegen aber als Decals bei. Hier wird man sicher größere Mengen Decal-Softener oder Essig-Essenz brauchen um diese aufzubringen.

Über die Farbgebung der Führerstands-Innenseiten schweigt sich Trumpeter aus. Hier wird lediglich auf Mattschwarz für die Instrumente hingewiesen, ansonsten :-(.

Beginnen wir eine Expedition ins Unbekannte. Ich denke, wenn man sich an die für die E-Loks geltenden Anstrichvorgaben für Führerstände und Maschinenräume hält, liegt man nicht allzu verkehrt:

FührerstandFußbodenRAL9005 (schwarz)
Boden bis Unterkante FensterRAL9008 (gelb marmoriert)
Innenseite der ZugangstürenRAL9008 (gelb marmoriert)
darüber einschließlich DeckeRAL1000 (chamois)
MaschinenraumFußbodenRAL9005 (schwarz)
Boden bis Unterkante FensterRAL9005 (schwarz)
darüber einschließlich DeckeRAL1000 (chamois)

Der Maschinenraum und damit ca. 90 % des Lokgehäuses wird leider eine große leere und ziemlich dunkle Höhle mit großen Fenstern bleiben.

Dem diametral entgegenstehen wird die Detaillierung des Rahmens und seiner Einrichtungen. Alle Motoren, Sandkästen und das Bremsgestänge werden vollständig sein. Wer will kann hier noch die Starkstromkabel von den Motoren in Richtung Maschinenraum ergänzen. Auch für diesem Bereich hält sich Trumpeter mit Farbvorschlägen vornehm zurück. Die Vorschriften der Wehrmacht sahen für die Rahmeninnenseiten und Räder den Farbton RAL3000(feuerrot) vor. Ansonsten war die Farbgebung recht monoton – Rahmenaußenseiten, Trittstufen, Pufferbohlen, Lokkasten und Dach – RAL6007 (flaschengrün) über alles.

Womit das Thema Farbe zu Wehrmachts-Zeiten schon abgehakt ist. Der auf dem Deckelbild zu sehende Mäander-Tarnanstrich mit dem bekannten Schriftzug ‚Walli‘ liegt nicht bei. Was, zusammen mit den anderen beigefügten Decals, schlüssig ist.

Den Schriftzug ‚Walli‘ trugen entweder D311.01A/B oder D311.02A/B, welche mit der schw.Art.Abt.(E) 672 bei Sewastopol eingesetzt waren. Diese Diesel-Lokomotiven waren dazu bestimmt, das Geschütz in der Schießkurve zu verschieben. Das ist auch einer der Gründe warum diese Lokomotiven nicht den in Deutschland üblichen diesel-hydraulischen Antrieb besaßen, sondern mit diesel-elektrischem Antrieb gebaut wurden. Während des Transportes waren die Diesellokomotiven im Zug 3 (von 17) eingestellt. Gezogen wurden alle Transportzüge von Dampfloks der Baureihen 50, 52 oder 57.

Bleiben wir noch einen Moment bei den Decals und machen es kurz. Die als Option B beigefügten Decals lassen sich in dieser Form auf keinem mir bekannten Foto der D311 nachweisen. Sie könnten aber zu D311.03A/B aus der Zeit gehören, als sie zusammen mit dem Geschütz ‚schwerer Gustav 2‘ in Rügenwalde stand. Für diese Zeit fehlen aber wesentliche Aufschriften auf dem Decalbogen.

Die Decals für die Option A passen für D311.03A/B, in der Form wie sie ab 08/1949 als V 188 001a/b von der Deutschen Bundesbahn bei der BD Nürnberg, Bw Aschaffenburg eingesetzt wurde. Dazu paßt auch der im Bausatz nachgebildete Dachaufbau, welchen V188 001a/b von 09/1949 an bis zu ihrem Umbau 1958 getragen hat.

By the way …. Trumpeter hat dem Decalbogen viermal die Fabrik-Nummer 2469 beigefügt, da aber jede Lokhälfte eine eigene Fabrik-Nummer hatte, wäre je zwei Mal 2468 und 2469 richtig.

Von Peddighaus gibt es in der Zwischenzeit Decal-Sätze für alle D311, wobei zu beachten ist, dass D311.05A/B und D311.06A/B nie gebaut und die vorgesehenen Fabrik-Nummern anderweitig vergeben wurden.

Wer den Bausatz zusammen mit seinem 1/35Modell der DORA darstellen will, hat außer dem Platzproblem auch noch das Vergnügen die Lok umbauen zu dürfen, damit sie dem Erscheinungsbild von D311.01A/B oder D311.02A/B entspricht.

Jeder der einen frühen Exoten der Deutschen Bundesbahn in seine Vitrine stellen möchte, greift am besten sofort zu. Er kann alle bisher mir bekannten Waggonbausätze in 1/35 zusammen mit dieser Lok präsentieren, auch den SSyl von Thunder-Models. Mit einem M47 oder frühen M48 kann erst Mal keiner in das Reich der Fabel verweisen.

…. und wenn sie in die Systematik der Wehrmachts-Dieselloks eingereiht worden wäre, hätte sie wohl 2xWR940D oder so ähnlich geheißen.

Verwendete Quellen:

Die Diesellokomotiven der Wehrmacht

EK-Verlag 1999

ISBN 3-88255-236-0

von Stefan Lauscher

Deutsche Eisenbahn Geschütze

Motorbuch Verlag 2001

ISBN 3-613-01352-5

von Gerhard Taube

Diesellok-Archiv

transpress 1988

ISBN 3-344-00214-7

von Wolfgang Glatte

Anstrich und Bezeichnung von Lokomotiven

VGB Verlagsgruppe Bahn GmbH

ISBN 978-3-8375-0821-5

von Wolfgang Diener

Roland Schmidt, Kornwestheim (Mai 2022)

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