Vorbild: Die De Havilland DH 82 war eine Entwicklung der De Havilland Aircraft Company aus den 30er Jahren. Sie galt als hervorragender Anfangstrainer und wurde als solcher von der RAF und praktisch sämtlichen Luftwaffen der Alliierten eingesetzt. Insgesamt wurden über 7000 Exemplare gebaut. Nach Kriegsende wurden zahlreiche Maschinen ausgemustert und diese fliegen teils bis heute für zivile Aeroclubs, wurden Darsteller in zahlreichen Fliegerfilmen und landeten in Museen wie z.B. dem Imperial War Museum und dem RAF-Cosford-Museum.

Bausatz: Im großen Maßstab 1/32 existierte bis vor kurzem nur der Oldie-Kit von Matchbox. Dann brachte ICM ein völlig neues Modell auf den Markt, das Revell nunmehr mit neuen Decals übernommen hat. In der viel zu großen und weichen Schüttbox mit einem dekorativen Deckelbild finden sich in einem wieder verschließbaren Beutel an vier grauen und einem klaren Gießrahmen nur 89 Teile in mittelgrau und 2 Klarteile. Die Teile bestehen aus einem recht weichen Material mit leicht rauer Oberfläche. Die Strukturen der bespannten Flugzeugteile sind subtil abgesenkt, Gravuren und erhabenen Strukturen sind sauber und konsistent ausgeführt. Der für den Maßstab ziemlich kleine Decalbogen ist glänzend bedruckt auf hellblauem Papier und stammt von Revell selbst, ist aber „Made in Italy“.

Die Bauanleitung ist wie bei Revell üblich als 28-seitiges DINA4-Heft in Farbe ausgeführt, bietet zunächst einen Teileplan und führt anschließend in 53 Abschnitten zum fertigen Modell. Die letzten vier Seiten sind der Bemalungsanleitung mit farbigen Vierseiten-Rissen gewidmet.

Gebaut entspricht das Modell, wenn man nach den Fotos in der Bauanleitung und eines Bauberichtes aus Model Airplane International geht, in den Umrissen, Maßen und Formen recht genau dem Vorbild. Woran es ein wenig zu mangeln scheint, sind die Details im Cockpit und im Motorbereich, die entweder gänzlich fehlen oder zu wenig ausgeprägt sind. Der Autor des Bauberichtes Spencer Pollard empfiehlt einiges an Scratchbau in diesen Bereichen, doch auch wenn ich ihm, was z.B. die Cockpitseitenbereiche angeht zustimmen muss, so bleibt es dem Modellbauer natürlich selbst überlassen, ob er mit dem Vorgegebenen zufrieden ist, oder ob er nacharbeiten möchte. Beim Motor kann man z.B. abkürzen, indem man die Motorhaube geschlossen darstellt, bei der fünfteiligen Verkleidung ist aber sehr genaues Arbeiten wichtig, da sonst Passprobleme beim Verkleben auftreten können. Vor allem sollten die von Revell als Decals angebotenen Gurte durch solche aus Fotoätzteilen, 3D-Druck oder Gewebe von Anbietern wie Eduard, Kits World oder HGW ersetzt werden. Wer dies nicht möchte, kann ersatzweise die Decals randscharf mitsamt dem Papier ausschneiden, die Schnittkanten einfärben und das Ganze so aufkleben. Für die Instrumente liegen gute Einzeldecals bei. Zu bedenken ist, dass beide im Kit angebotenen Vorbilder aktuell noch fliegen und somit wahrscheinlich mit einigen modernen Instrumenten z.B. für GPS ausgerüstet sind. Hier helfen nur gute Vorbildfotos. Einer der kniffligsten Bereiche für mich ist bei meinen seltenen Doppeldeckerbauten immer die Verspannung gewesen. Die Revell/ICM-Teile sind auf den Innenseiten mit angesenkten Löchern für die Spanndrähte versehen, in der Bauanleitung werden die benötigten Bohrerstärken und Längen der einzusetzenden Fäden genau angegeben. In den Baustufen 38 und 51 wird dann die Fadenführung aufgezeigt, wobei für Backbord- und Steuerbordtragfläche dankenswerterweise jeweils nur ein Faden benötigt wird. Weitere Fäden sind zur Darstellung der Verspannung über dem Motor und für die Steuerseile vonnöten. Als Fadenstärke wird 0,1 mm angegeben. Ich verwende hierfür entweder Angelleine in dieser Stärke, die man dann noch mit Edding schwarz einfärben kann, oder Rigging Line von Mig oder Uschi-van-der-Rosten, die bereits schwarz eingefärbt sind. Letztere sind hochelastisch, was einerseits das Nachspannen z.B. mittels über einer Kerze erhitztem Schraubenzieher o.ä. überflüssig macht, aber auch leicht zum Wegrutschen des Fadens führen kann, wenn man ihn nicht sofort mit Klebeband in der gewünschten Position fixiert.

Die angebotenen zwei Bemalungsvarianten sind einerseits die De Havilland DH.82A, K82A, 500 Jahre Royal Mail, aus Großbritannien, 2016, und andererseits die De Havilland DH.82A, HB-UBC aus der Schweiz, ebenfalls 2016. Erstere ist ganz in Silber-Dope mit gelben Bädern auf den Flügeln und dem Rumpf ausgeführt, letztere hat ebenfalls silberne Flügel mit braunen Streben und einen rot-weißen Rumpf.

Fazit: Diese Neuauflage von Revell bietet, von der etwas mageren Detaillierung im Inneren mal abgesehen, eine solide Grundlage für eine gute Nachbildung des attraktiven Vorbildes im großen Maßstab. Auf die Verspannung kann, wer will, verzichten, da die Löcher nur von innen angedeutet sind. Damit kann der Kit auch Modellbauern mit noch nicht so viel Erfahrung durchaus empfohlen werden. Schade ist, dass Revell wieder einmal beim Decalangebot etwas sparsam war und auch nur neuzeitliche Vorbilder ausgewählt hat.

Empfehlenswert!

Utz Schißau (Berlin, April 2022)

Quellen:

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