Vorbild: Eduard hat nach der Tempest Mk. II early jetzt eine late Version herausgebracht. Die Mk. II erschien nach der Mk. V und war mit dem Bristol Centaurus Sternmotor mit rund 2500 PS ausgerüstet, dessen enganliegende Verkleidung von der Konstruktion der deutschen Focke Wulf 190 inspiriert worden sein soll. Der Vergaser-Lufteinlauf und der Ölkühler wurden vom “Kinn” in die linke respektive rechte Flügelwurzel verlegt. Der Motorwechsel gab der Tempest II deutlich verbesserte Leistungen als ihr Vorgänger, diese Version kam aber für den Kriegseinsatz zu spät, denn die geplante Tiger-Force zur Bekämpfung der Japaner wurde nach dem Abwurf der amerikanischen Atombomben nicht mehr benötigt. Stattdessen wurden die Tempest Mk. II bei den British Airforces Of Occupation in Deutschland und bei der Royal Indian Airforce eingesetzt, die später nach der Unabhängigkeit Indiens in die Luftwaffen Indiens und Pakistans aufgespalten wurde. Sie kämpften u.a. im Kashmir-Konflikt und in Malaysia und wurden in Deutschland 1949 von den ersten D.H. Vampire-Jets abgelöst.

Zum Bausatz: der stabile schwarz-beige Stülpkarton in Eduards etabliertem Standardmaß für ProfiPack Editions wird von einer Abbildung von zwei Tempest beim Verschießen ihrer Luft-Boden-Raketen geziert. Darunter findet man fünf Rahmen mit 208 graublauen und zwei klaren mit 22 Teilen, einen riesigen Decalbogen aus eigener Produktion für die Kokarden und die individuellen Abzeichen, einen kleineren für die Wartungshinweise sowie die zwanzigseitige Bauanleitung auf farbigem Glanzpapier. Insgesamt 55 Teile davon wandern in die Restekiste. Die Klarsichtteile an Rahmen A sind dünn und klar und an einem runden Ast untergebracht. Am eckigen Rahmen G finden sich noch einmal sechs Klarteile für die Zusatztanks und ihre klaren Aufhängungen, eine Besonderheit der Tempest. Auch die Qualität der grauen Teile ist wie erwartet makellos, es gibt keine Grate oder Sinkstellen und nur wenige Auswerfermarkierungen an unauffälligen Stellen. Die Oberflächen sind mit fein versenkten Gravuren und hauchfeinen Nietenreihen übersät. Rahmen J stellt den dreiteiligen Flügel, Rahmen K die Rumpfhälften dar. Von Rahmen D landen die meisten Teile bis auf die Räder (zwei verschiedene Größen mit Dunlop-Logo) und die Instrumentenrahmen für die Cockpitseiten in der Restekiste, er enthält außerdem die Raketenbewaffnung. Rahmen E enthält die Kleinteile für das Cockpit, und das Fahrwerk und zum Schluss liefert Rahmen F noch die separaten Leitwerksflächen und die Cockpitrückwand sowie die Fahrwerksklappen. Rahmen L liefert spezifische Teile für die Tempest Mk. II.

Die Kunststoffteile werden ergänzt von einem umfangreichen Ätzteilebogen mit ca. 50 farbig bedruckten Teilen und einem Bogen mit Kabuki-Maskierfolien für die Haube und die Räder.

Die farbige, auf Glanzpapier gedruckte Bauanleitung führt, zählt man alle Einschübe mit, in mehr als 70 Schritten zum Vitrinen-Platz. Dabei fällt auf, dass für das hoch detaillierte Cockpit und die komplexen Fahrwerksschächte alleine jeweils 13 bzw. zehn Baustufen entfallen! Der Pilotensitz setzt sich aus vier Teilen plus Decal-Gurten zusammen, womit auch ohne ein Resin-Zurüstteil die komplexe Form samt Sitzpolster gut hervortreten dürfte. Leider ist der Cockpitboden als massives Bauteil ausgelegt, während er in Wirklichkeit offen war. Ein weiterer, wenn auch winziger Wermutstropfen sind die leider massiv gegossenen Auspuffrohre. Aber für beides ist bereits Abhilfe aus Resin zu haben! Der riesige Sternmotor ist nur als Relief angelegt, was aber bei der engen Auslegung der Motorhaube und dem breiten Spinner nicht negativ ins Gewicht fallen dürfte. Wer mehr Motor möchte, sollte den Kit von Special Hobby wählen, der neben dem Eduard-Plastik eine detaillierte Motordarstellung aus Resin bietet. Am Ende der Anleitung gibt es für die Platzierung der Wartungshinweise noch eine Extraseite. Eine Neuheit bei den Bemalungshinweisen stellt die Nennung neben denen von Gunze auch die von Mission-Models-Farben dar. Die sechs Bemalungsschemata umfassen drei britische Varianten, zwei indische und eine pakistanische Version in europäischen Tarnschemen, Wüstentarnung, und in Silber. Die Maschinen vom indischen Subkontinent flogen bis zu ihrer Ablösung im Jahre 1949.

Fazit: Ein weiterer Spitzenbausatz der Tschechen, komplett ausgestattet, aber eher für fortgeschrittene Modellbauer! Erhältlich ist der Kit auf der Website von Eduard, sowie bei den bekannten Onlinehändlern und -auktionshäusern.

Utz Schißau, Berlin (Februar 2022)

Quellen:
– Bauanleitung
– Franks, R. A., The Hawker Tempest, Airframe & Miniature No.4, Valiant Wings 2012
– Scutts, J, Typhoon/Tempest in action, Aircraft Number 102, squadron/signal publications, 1990
– Green, B., Kit Build Special Hobby Tempest Mk.II, Model Airplane International October 2021, S.16f

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