Vorbild:
Die Martin B-26 Marauder war ein vom amerikanischen Flugzeughersteller Glenn L. Martin Company entwickelter zweimotoriger mittlerer Bomber. Die Entwicklung begann 1939 als Reaktion auf eine Ausschreibung des United States Army Air Corps (USAAC). Der firmenintern als Modell 179 bezeichnete und letztlich als Sieger aus der Ausschreibung hervorgegangene Entwurf wies zahlreiche Neuerungen auf, darunter motorisierte Geschütztürme, selbstdichtende Treibstofftanks und eine vollständig aus Kunststoff gefertigte Nase.
Bis September 1940 waren fast 1000 Flugzeuge bestellt worden. Am 25. November 1940 absolvierte die erste B-26, die faktisch als Prototyp diente, ihren Erstflug; drei Monate später begann die Auslieferungen der Serienflugzeuge an die United States Army Air Force (USAAF). Insgesamt wurden zwischen Februar 1941 und März 1945 fast 5300 Flugzeuge produziert, wovon der Großteil an die USAAF ausgeliefert wurde. Die Marauder kam während des Zweiten Weltkriegs ausgiebig zum Einsatz und wurde erstmals Anfang 1942 im Pazifikkrieg eingesetzt. In den ersten Kampfeinsätzen erlitt das Flugzeug schwere Verluste, galt aber dennoch als einer der erfolgreichsten Mittelstreckenbomber der USAAF. Der Großteil der B-26 wurde jedoch auf dem europäischen Kriegsschauplatz eingesetzt, wo sie den vorrückenden alliierten Truppen taktische Unterstützung leisteten.
Zu Beginn ihrer Einsatzzeit erlangte die B-26 zunächst den Ruf eines „Witwenmachers“, da die frühen Modelle eine hohe Unfallrate bei Starts und Landungen aufwiesen. Dies lag daran, dass die Marauder mit präzisen Fluggeschwindigkeiten geflogen werden musste, insbesondere im Endanflug auf die Landebahn oder bei Ausfall eines Triebwerks. Die ungewöhnlich hohe Geschwindigkeit von 240 km/h im kurzen Endanflug schüchterte viele Piloten ein, die an wesentlich langsamere Anfluggeschwindigkeiten gewöhnt waren. Wenn sie auf Geschwindigkeiten unterhalb der im Handbuch vorgeschriebenen Werte verlangsamten, geriet das Flugzeug oft ins Trudeln und stürzte ab. Nachdem die Besatzungen nachgeschult und aerodynamische Modifikationen vorgenommen worden waren (u.a. Vergrößerung der Spannweite und Einführung eines größeren Seitenleitwerks und Ruders), wurde die B-26 zu einem sichereren Flugzeug. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatte die B-26 sogar die niedrigste Verlustrate aller von der USAAF eingesetzten Bomber erreicht.
Die B-26F, gebaut ab Februar 1944 als eine der letzten Varianten, wies folgende Modifikationen zu ihrer Vorgängerversion auf:
- Der Anstellwinkel der Tragflächen wurde um 3,5° erhöht
- Entfall des fest eingebauten Maschinengewehrs in der Nase
- Der Heckgeschützturm und die dazugehörige Panzerung wurden verbessert
- Nach den ersten 100 produzierten Maschinen (B-26F-1-MA) wurde ein überarbeiteter Ölkühler eingebaut, zusammen mit neu gestalteten Flügelunterseitenverkleidungen, die sich leichter entfernen ließen. (Anmerkung: Laut Bauanleitung sind alle drei enthaltenen Varianten B26F-1-MA)
- Insgesamt waren 200 der 300 Flugzeuge B-26F-2 und F-6, die alle von der RAF und der SAAF als Marauder Mk III eingesetzt wurden. Bei der F-2 wurde der Bell M-6-Geschützturm durch einen M-6A ersetzt, bei dem die Geschütze mit einer flexiblen Segeltuchabdeckung versehen waren. Anstelle des Visiers der M-Serie wurde das T-1-Bombenzielgerät eingebaut. Die Flugzeuge wurden zudem mit britischer Bombenzündtechnik und Funkausrüstung ausgestattet
Technische Daten für die nahezu baugleiche B-26G:
- Besatzung: Sieben (zwei Piloten, ein Bombenschützen/Funker, ein Navigator/Funker und drei Bordschützen
- Leergewicht: 10.886 kg
- Länge: 17,75 m, Spannweite 21,64 m, Höhe: 6,55 m
- Motorisierung: 2 × Pratt & Whitney R-2800-43 „Double Wasp“ mit einer Leistung von jeweils 1.500–1.600 kW
- Propeller: 4-flügelige Propeller mit konstanter Drehzahl und Verstellfunktion
- Höchstgeschwindigkeit: 462 km/h in 1500 m Höhe
- Reichweite: 4590 km (Leerflug)
- Dienstgipfelhöhe: 6400 m Höhe
- Bewaffnung: 11 x 12,7 mm M2-Browning-Maschinengewehre und bis zu 1800 kg Bombenlast
Das Modell:
Nach dem Auspacken der ICM-typischen Verpackung (Stülpschachtel und Innenkarton mit Klappdeckel) erwarten die Modellbauerin bzw. den Modellbauer zehn Spritzlinge mit insgesamt 380 Teilen. Diese sind allesamt schön ausgeformt, z.B. waren keine Sinkstellen erkennbar und die Klarsichtteile sind schlierenfrei sowie nochmals separat eingetütet. Besonders gut gefällt mir persönlich die Inneneinrichtung, die man nach dem Zusammenbau an manchen Stellen leider nur noch erahnen dürfte. Auch Triebwerke, Fahrwerkschächte und die Fahrwerke selbst sowie die Oberflächen als solche wissen zu gefallen.
Mein einziger Kritikpunkt an diesem guten und interessanten Bausatz ist das Fehlen von Sitzgurten; und seien es Decals, die man bei Nichtgefallen immer noch als Vorlage für eine Eigenanfertigung nutzen könnte. Vorgefertigte Maskierfolien zum Abkleben der Scheiben sind ebenfalls nicht erhalten, stattdessen hat ICM in der (übersichtlichen und gut strukturierten) Bauanleitung erneut eine Schablone für die benötigten Masken – in Summe 32 – abgedruckt. In Anbetracht der relativ wenigen Glasflächen halte ich das für machbar (vorausgesetzt, man hat a. ein ruhiges Händchen, b. eine nagelneue Skalpellklinge und c. einen Kurvenschneider), die Masse der Modellbauer dürfte jedoch zur vorgeschnittenen Alternative aus dem Handel greifen. Was man ebenfalls auch noch selber anschaffen muss, sind 90 g an Gewicht, damit das fertige Modell kein „Tailsitter“ wird.
















Markierungsvarianten und Abziehbilder:
Der kleine Bogen mit den Abziehbildern für drei Versionen ist sauber gedruckt. Das Gerätebrett ist ebenfalls als Decal enthalten:

Man muss allerdings mit Vorbildern in Naturmetall vorliebnehmen, denn ICM hat sich für folgende Vorbilder, immerhin mit schönen Nose-Arts, entschieden:
- B-26F-1-MA 42-96255 „Miss Manookie“, 586th Bombardment Squadron, 394th Bombardment Group, Holmsley South, August 1944
- B-26F-1-MA 42-96281 „Redlight Rosie“, 587th Bombardment Squadron, 394th Bombardment Group, 1944
- B-26F-1-MA 42-96323 „Zombie IV“, 587th Bombardment Squadron, 394th Bombardment Group, 1944



Fazit:
Ein gelungenes Modell eines sehr ästhetischen Flugzeuges in der typischen Qualität, die ICM mittlerweile auszeichnet. Lobenswert sind die generelle Detaillierung, insbesondere der Inneneinrichtung und der beiden Sternmotoren sowie die generelle Güte der Oberflächen. Mittlerweile bietet der Aftermarkt darüber hinaus eine Bandbreite an Zurüststeilen für die B-26 an, darunter auch die fehlenden Gurte. Derzeit liegt der Preis für das Modell zwischen 60 und 70 €, was ich persönlich für angemessen erachte.
Literatur:
Englischsprachiger Wikipedia-Artikel über die B-26
Matthias Böcking, September 2026

