Vorbild: Die Junkers Ju 52 genießt als „Tante Ju“ einen legendären Ruf. Sie begann ihren Weg als einmotorige Konstruktion (Ju 52/1m) mit einem 800 PS-Motor. Diese war kein Erfolg. Es folgte die bekannte erfolgreiche Umkonstruktion. Diese Ju 52/3m flog am 07. März 1932 erstmals. Damit begann eine Erfolgsgeschichte.
In den 1930er Jahren war die Ju 52/3m nicht nur das erfolgreichste Verkehrsflugzeug in Deutschland. Schnell geriet dieses in den Fokus der Militärs. So gehörte sie zur Erstausstattung der noch geheimen Luftwaffe als Transporter und Behelfsbomber. In der ersteren Rolle war sie bis 1944 in der Produktion. Nach dem WW II lief diese in Frankreich wieder an. Selbst in Indochina wurde die robuste Konstruktion wieder eingesetzt.
Bausatz: Der vorliegende, 1964 entstandene Kit war bekanntlich die erste Umsetzung des legendären Vorbilds im Standardmaßstab. Da er immer noch lieferbar ist, wäre es höchste Zeit ihn einmal vorzustellen, zumal er nicht gerade so häufig in Erscheinung tritt. Dennoch stellt aber auch er das Original noch hinreichend authentisch dar bietet ferner Teile für verschiedene Ausführungen, und kann zudem manchmal auch für einen annehmbaren Preis erworben werden, womit er eigentlich alle Anforderungen an einen Basis-Bausatz erfüllen sollte.
Wie gut ist aber sein konkreter Stellenwert? Dazu gilt es, zunächst einmal die Bausatz-Konzeption zu beleuchten. Airfix entschloss sich einst, eine eher universelle Nachbildung anzubieten. Grundsätzlich keine schlechte Idee, wenn auch nicht gerade einfach umsetzbar! Wegen der früher geringeren Ansprüche der Kunden an die Vorbildtreue glaubte man, dies zudem generell noch nicht so genau nehmen zu müssen. Die äußerlich erkennbaren Baureihen-Unterschiede innerhalb der Ju 52-Fertigungsperiode konnten andererseits letztlich jedoch nicht völlig vernachlässigt werden. Airfix‘ Lösungsansatz musste hierbei bedauerlicherweise dann aber zwangsläufig also zu faulen Kompromissen führen, weshalb die Tante Ju des britischen Traditionsherstellers einer genaueren Begutachtung lediglich mit viel Toleranz bzw. großer Nachsicht standhalten kann.
Die Unzulänglichkeiten bzw. Fehlleistungen sind nämlich schon ärgerlich. Zumindest hat man aber nie versucht, das Resultat als etwas außergewöhnlich Gelungenes anzupreisen, geschweige einen Hype zu erwecken. Dies glückte später Italeri weit besser, obwohl sie de facto vieles einfach nur von den Engländern übernahmen! Aufgrund einiger zuvor erschienenen guten Modelle hatte deren Ju 52 aus der Nähe von Bologna somit schon von Beginn an irgendwie quasi Vorschusslorbeeren ernten können. Daraus entwickelte sich eine bis heute anhaltende Akzeptanz der nunmehrigen Italeri, die den Absatz von Airfix wie auch Heller kontinuierlich gehörig schmälert.
Airfix hingegen offerierte in aller Bescheidenheit keinesfalls stets nur eine Luftwaffenmaschine. Die BA bot (wenn auch nur im Kleingedruckten) nämlich auch noch Hinweise zum Bau eines Airliners, als auch Wasserflugzeug-Varianten beider. Während die Realisation des Verkehrs- als auch des Militärflugzeugs wie gesagt nicht ganz authentisch gelang, wären die Teile der Schwimmer-Ausführung bzw. die der „Ju 52/3m See“ überraschend passabel. Nur die zwei vorne angebrachten Leitern sind hier nicht korrekt, da dort in Wirklichkeit stets nur einholmige Steigleitern montiert wurden.
Allein aus Platzgründen kann ich leider nicht auf alle signifikanten Baureihen-Merkmale eingehen, welche hätten noch umgesetzt werden müssen, bzw. fehlen. Oder aber, falls vorhanden, unzutreffend sind. Das größte Problemfeld bilden jedoch Fenster und Türen an beiden Rumpfseiten! Den Vogel schossen die Engländer eindeutig damit ab, auf der rechten Rumpfhälfte das Ju 52-typische, letzte hintere, trapezförmige Fenster spiegelverkehrt in das Formenwerkzeug zu gravieren! Das ist natürlich unverzeihlich, wohingegen bedarfsweise variabel einzubauende Passagier- oder Cockpitzugangs-Türen (als auch jene für den Gepäckraum) vlt. lediglich eingespart wurden? Zumal es tatsächlich durchaus auch einige Militär-Baureihen gab, die auf einiges davon verzichteten. Hierdurch wird eine authentische Verkehrs- sowie insbesondere Wasserflugzeug-Nachbildung allerdings verhindert! Während die Abdeckplatte für den B-Stand auf den Rumpfrücken zwar vorhanden wäre, aufgrund der nicht bis an ihre Kanten ausgebildeten Riffelung jedoch für unnötigen Ärger sorgt. Eine umlaufende Fuge gab es am originalen Passagierflugzeug nämlich nicht! (Es sollte aber nicht allzu schwer sein, diese zu verspachteln und dann mit der Feile entsprechend nachzuarbeiten.)
Ein Schleifsporn als Alternativteil der frühen Ausführungen zum Spornrad wäre andererseits wieder vorhanden. Doch muss hierbei wie auch bei der Verwendung der großen, seitlich versetzt, oben installierten, Ringantenne auf die konkrete Baureihenkonformität mit all deren weiteren Merkmalen geachtet werden! Diesbezüglich wären dann streng genommen u.a. aber zusätzlich noch unter dem Rumpfbug eingebaute Auspuffrohre des Mittelmotors usw. nötig. Aber auch die Verwendung des am Rumpfdach zu montierenden Dynamos gelte es zu prüfen. Somit bleibt für den ambitionierten Kaufinteressenten ein anschließendes Recherchieren also nicht aus. Denn nur so lässt sich ein annehmbarer Grad der Authentizität erreichen. Die einzige Maßnahme des Herstellers hingegen, ein klein wenig etwas verbessern zu wollen, bestand ja wie man weiß nur darin, den späteren Auflagen neuere Pilotenfiguren zu spendieren.
Wie sah es indes mit den Decaloptionen aus? Auch dabei lief leider einiges schief! Doch wären die Begleitumstände hierbei nicht ganz so einfach. Eigentlich sollte die vorgegebene Maschine mit der Kennung 1Z+LK eine Tante Ju darstellen, die bei der Eroberung Kretas 1941 Fallschirmjäger/oder Truppen von Milos zum hart umkämpften Flugplatz Malemes flog. Dies wurde zumindest auch recht actionreich auf der Boxart festgehalten, welche genau den Zeitpunkt des Absetzens darstellt. Der für Roy Cross typische Glanz des hier fälschlicherweise nur einfarbig dunkelgrün getarnten Flugzeugs ist allerdings einmal mehr unzutreffend! Auch die vollledernen Overalls der Besatzung wären für daran beteiligte Luftwaffenangehörige so eigentlich nicht authentisch wiedergegeben. Zu allem Übel hatte jene Szene mit den gerade abspringenden Fallschirmjägern früher auch schon der Amerikaner Ray Gaedecke für das Lindberg-Boxing des (ursprünglich deutschen) Busch-Bausatzes verwendet. Interessanterweise existiert jedoch auch ein Foto, das die besagte 1Z+LK mit einem zusätzlichem „P 7“ am Seitenleitwerk zeigt. In beiden Fällen war aber ein vom Schachspiel gekannter Springer-/Schütze als Gruppenwappen aufgemalt gewesen! Hierin hat sich Airfix jedoch vertan und stattdessen das Städtewappen von Berlin auf den Decalbogen abgedruckt! Tatsächlich ist das Abbild der Figur des Brettspiels auf den zwei bekanntesten Fotos aber kaum richtig zu erkennen. Das Emblem der III. Gruppe des KGzbV1 ist hingegen aber auf sehr vielen Bildern zu sehen. Abhilfe hierfür bot bereits schon ab den Siebzigern das Abziehbild-Set von ESCI, das die korrekten Decals lieferte. Airfix‘ Markierungen der Schweizer Luftwaffe waren demgegenüber aber völlig in Ordnung. Warum es aber nicht auch noch Nassschiebbilder für das Wasserflugzeug gab, bleibt ein Rätsel. Beseitigt wurde dieser Missstand erst nach Jahrzehnten, mit der aktuellen Auflage von Hornby, welche nun endlich auch den Bau einer Ju 52/ See der Luftwaffe ermöglicht.
Fazit: Am Ende des Tages kann man bei der Airfix-Ju also am besten wohl höchstens von einem soliden Einstiegs-Kit reden. Ich denke, dasd er aber immer noch baubar ist, und evtl. eine ordentliche Basis darstellen kann, freilich nur, falls man das eine Fenster korrigiert! Danach wäre äußerlich zumindest beinah schon fast der Standard der Italiener erreichbar. Innendetails gibt es aber natürlich keine, und die Klarsichtteile wären heute bereits als ungenügend zu bezeichnen.
Inzwischen hat Airfix einen neuen Bausatz der Junkers Ju 52 in 1/72 angekündigt. Da sind wir gespannt.
N. (März 2026)








