Vorbild: Das United States Marine Corps hatte seinen UH-1N, auch „Twin Huey“ genannt, seit den 1970er Jahren im Einsatz. Gegen Ende der 1990er Jahre kam dieser jedoch zunehmend an seine Grenzen. Die immer schwerer werdende Ausrüstung, moderne Avionik und weitere Systeme führten dazu, dass der Hubschrauber immer weniger Leistungsreserven hatte und nur noch eingeschränkt flexibel eingesetzt werden konnte. Im übertragenen Sinne konnte er mit der zusätzlichen Last kaum noch richtig „abheben“. Es musste also Ersatz beschafft werden, und Bell begann Mitte der 1990er Jahre im Auftrag der Marines mit der Entwicklung eines Nachfolgers.
Anfangs wurden noch vorhandene UH-1N Zellen umgebaut und zu den ersten UH-1Y weiterentwickelt. Später stellte sich jedoch heraus, dass dieser Umbau wirtschaftlich kaum sinnvoll war, weshalb Bell ab 2005 die Freigabe erhielt, komplett neue Hubschrauber zu fertigen.
Das Konzept des neuen Hubschraubers ist besonders interessant, denn er teilt sich viele Komponenten mit dem Kampfhubschrauber AH-1Z Viper. Dazu gehören unter anderem Heckpartie, Triebwerke, Rotoraufbau, Getriebe, Avionik, Software sowie zahlreiche Bedienelemente im Cockpit. Insgesamt besitzen beide Muster eine Teilegleichheit von über 80 Prozent, was Wartung und Logistik deutlich vereinfacht.
Zu den wichtigsten Neuerungen des UH-1Y Venom zählen ein modernes Glass-Cockpit, ein FLIR System sowie deutlich leistungsstärkere Triebwerke. In Verbindung mit dem neuen Vierblattrotor ist der Hubschrauber wesentlich leistungsfähiger als sein Vorgänger und kann wieder deutlich flexibler eingesetzt werden. Der Rumpf wurde außerdem leicht verlängert, um mehr Platz im Innenraum zu schaffen.
Darüber hinaus verfügt der Hubschrauber über zusätzlichen ballistischen Schutz für Besatzung und wichtige Systeme und ist gegen Beschuss aus leichten und mittleren Waffen ausgelegt. Der Venom kann mit verschiedenen Waffensystemen ausgerüstet werden und bei Bedarf auch den AN/ALQ-231(V)3 Intrepid Tiger II tragen, einen modernen Pod zur elektronischen Kriegsführung.
Bausatz: Die Hubschrauberfreunde unter den Modellbauern freuen sich, endlich gibt es den UH-1Y Venom in 1/35, und dann direkt von zwei Herstellern, denn Academy hat ebenfalls 2025 diesen Hubschrauber auf den Markt gebracht. Welcher der bessere ist, kann ich hier nicht beurteilen, da ich nur den Trumpeter Bausatz habe, aber eine Sache kann ich direkt erwähnen.
Der UH-1Y hat im Original sehr viele Niete, und Academy hat diese offenbar gut umgesetzt. Bei Trumpeter vermisst man diese jedoch leider komplett. Dieser Bausatz hat keinen einzigen positiven Niet.
Bei der Verpackung bleibt sich Trumpeter treu, und so kommt der Hubschrauber im bekannten, robusten Stülpkarton. Die insgesamt acht Gussrahmen sind wie gewohnt jeweils in einer extra Folie verpackt, wobei besonders gefährdete Bauteile zusätzlich mit Schaumstoff umwickelt sind.

Das Plastik wirkt unglaublich stabil bzw. steif, Fehler konnte ich keine entdecken. Die Teile sind sehr sauber aus der Form gekommen. Oberflächendetails sind zwar vorhanden, aber gerade im Cockpit und bei den Nieten nicht mehr ganz up to date. Das Cockpit ist nach heutigen Maßstäben zu simpel gehalten, und auch die negativen Niete gewinnen heute keinen Pokal mehr.

Klassisch wird mit dem Innenraum gestartet. Man baut die innere Struktur auf dem Boden auf, welcher später als fertiger Innenraum von den beiden Außenschalen umhüllt wird. Hier kommt direkt eine der größten Neuheiten seit Langem bei Trumpeter: Sitzgurte für jeden vorhandenen Sitzplatz. Die Sitze sind grundsätzlich für Trumpeter ordentlich detailliert.
Der Laderaum mit den Sitzen für die Marines sieht auf den ersten Blick tatsächlich ganz nett aus, das Glasscockpit ist jedoch recht simpel gehalten. Die Knöpfe wirken etwas zu groß und sind nicht schön freigestellt. Insgesamt sehen sie irgendwie unscharf aus, gerade in dem Maßstab geht es besser. Dazu kommt, dass die Decals für die Displays nur laufenden Betrieb darstellen. Da wäre eine beiliegende Crew schön gewesen.


Ist der Innenraum fertig, baut man tatsächlich schon viele Teile der beiden äußeren Rumpfhälften zusammen, bevor diese miteinander verbunden werden. Wie bei Trumpeter üblich bekommt man auch hier die Turbinen zum Nachbauen inklusive. Allerdings gibt es keine Wartungsklappen, um diese später sichtbar zu zeigen.
Der Hubschrauber kann entweder normal gebaut werden oder mit gefaltetem Hauptrotor auf einem Transportwagen. Die Türen des Laderaums können ebenfalls offen oder geschlossen dargestellt werden, jedoch laut Anleitung nicht die der Piloten. Das müsste man beim Bau sehen, ob es vielleicht doch möglich ist, denn auf den ersten Blick sehe ich keinen direkten Grund, warum es nicht gehen sollte.

Das klare Plastik sieht sehr gut aus und hat im richtigen Licht sogar diesen Regenbogeneffekt, was ich sehr cool finde. Nun kommt auch die zweite große Innovation des Bausatzes: Man bekommt Masken für die Scheiben – wow!
Jedoch war bei meinem Satz wohl die Klinge stumpf. Die Masken sind so schlecht ausgeschnitten, dass ich zunächst dachte, es wäre nur eine Vorlage zum Selbst-Ausschneiden. Bei näherer Betrachtung und etwas Gefummel stellte sich dann heraus, dass sie doch vorgeschnitten sind, mehr oder weniger.
Es handelt sich auch nicht um das klassische Maskingtape-Material, sondern um ein strukturiertes, recht dickes Material. Interessant.


Nun ist man fast fertig. Diverse Antennen, Sensoren sowie Haupt- und Heckrotor müssen noch angebracht werden, dann ist man fast durch. Sensoren und Antennen gibt es mehr als genug, hier sollte man wirklich aufpassen, nichts zu vergessen.
Der Hauptrotor sieht im Modell, wie auch am realen Hubschrauber, recht unspektakulär aus. Der Heckrotor ist tatsächlich recht ordentlich wiedergegeben und wird aus vielen kleinen Teilen zusammengebaut.
Ein wenig Bewaffnung bekommt man ebenfalls noch dazu. So hat man die Möglichkeit auf der rechten Waffenstation eine M134 Minigun zu installieren, diese ist sehr schön umgesetzt, sogar mit PE-Teilen. Des Weiteren hat man auf jeder Seite die Möglichkeit, einen Rocket Pod zu installieren.






Bemalung: Trumpeter gibt Decals für zwei Varianten dazu. Wie üblich erfährt man jedoch nicht, zu welcher Einheit die jeweilige Variante gehört. Schade – insbesondere bei der einen Variante wäre das interessant gewesen, da es sich um eine Art Sonderlackierung handelt.
Dank Scalemates konnte ich zumindest herausfinden, dass die Version mit dem rot-schwarzen Heck zu den HMLA-167 „Warriors“ gehört und die Standardvariante zu den HMLAT-303 „Atlas“.
Als Farbangaben werden mehrere Hersteller angegeben, darunter Tamiya, Mr. Hobby, Vallejo und weitere.


Die Decals sind von guter Qualität. Sie sind scharf gedruckt und machen den Eindruck, nicht mehr ganz so dick zu sein wie früher bei Trumpeter. Schade ist, wie oben bereits erwähnt, dass die Displays nur im eingeschalteten Zustand dargestellt sind, aber man kann nicht alles haben. Selbst kleinste Schrift ist gut zu lesen. Sehr gut.



Anleitung: Die Anleitung ist ebenfalls in altbekannter Trumpeter-Manier ausgeführt: ein kleines Heft, in Schwarz-Weiß gedruckt. Auf 20 Seiten wird visuell dargestellt, wie man seinen Hubschrauber zusammengebaut bekommt. Wer zusätzliche Informationen sucht, sucht jedoch vergeblich – weitere Infos zum zu bauenden Modell gibt es nicht.
Leider wirkt auch bei diesem neuen Modell die Anleitung weiterhin sehr unaufgeräumt. Es gibt viele Kleinigkeiten, die irgendwie am Rand aufgeführt sind und leicht übersehen werden können. Hier empfiehlt es sich tatsächlich, erledigte Bauschritte abzuhaken oder wegzustreichen. Auch einzelne Optionen, wie zum Beispiel der gefaltete Rotor, tauchen mitten im Bauprozess auf und können daher leicht untergehen.





Fazit: Grundsätzlich ist es ein solider Bausatz, der in der heutigen Zeit jedoch nicht mehr ganz mithalten kann. Die fehlenden Niete und das recht einfache Cockpit sind nicht mehr zeitgemäß. Auch die Anleitung könnte dringend eine kleine Verjüngungskur vertragen.
Hubschrauber in 1/35 gehören ohnehin zu der teuersten Modellbaukategorie, aber hier sollte man sich schon fragen, ob der Bausatz seine über 50 € wirklich wert ist. Vor allem in Anbetracht des etwa gleich teuren Konkurrenten.
Ich mag Trumpeter, und sie ändern durchaus schon einige Kleinigkeiten, aber da geht noch mehr.
Florian Schuster, Berlin (März 2026)

