Geschichte: Als der Zweite Weltkrieg voranschritt, erwies sich die Umstellung neuer Piloten von langsamen Doppeldecker-Schulflugzeugen auf die an Frontlinien eingesetzten schnellen und geschlossenen Eindecker-Jagdflugzeuge als schwierig. Obwohl im Kriegsverlauf mehrere Spitfires an ihren Einsatzorten in zweisitzige Trainingsversionen umgebaut wurden, begann Vickers erst 1946 mit der Herstellung der ersten „offiziellen“ zweisitzigen Spitfire durch den Umbau einer Mk. VIII mit Kennzeichen MT818 in eine T.Mk.VIII mit der Nummer G-AIDN. Dazu war es nötig, das vordere Cockpit um 34 cm nach vorn zu verschieben. Damit wurde ausreichender Raum für den Einbau eines Fluglehrersitzes hinter und über der Sitzanordnung des Flugschülers geschaffen. Bei Tests zeigte sich dann, dass die umgebaute Maschine zwar gut flog, die Sicht durch die tropfenförmige hintere Kabinenhaube jedoch hochgradig verzerrt war. Zwei in den Flügeln angeordnete 7,7 mm-Maschinengewehre wurden zur Schießausbildung beibehalten. Nach Kriegsende waren viele zur Verschrottung bestimmte Flugzeuge der Mk. IX vorhanden. Im Umbau der Mk. VIII auf die bei der TMk. VIII gemachte Erfahrungen konnten nun für die Mk. IX angewandt werden. Vickers kaufte deshalb mehrere nicht mehr benötigte Spitfires für die geplante Umrüstung. Als G-AIDN wurde die Umbauversion der RAF demonstriert, doch die erhofften Aufträge blieben aus. Kleinere Bestellungen für aus umgebauten Flugzeugen der Mk. IX hergestellte zweisitzige Trainerversionen gingen jedoch ein, zwei für die Niederlande, zehn für Indien, sechs für das Irish Air Corps und eine für Ägypten. Insgesamt wurden zwischen 1948 und 1952 zwanzig solcher Umbauten fertiggestellt. Seit einiger Zeit ist es nun nach Änderung von Regelungen durch die britische Zivilluftfahrtbehörde CAA möglich, Passagiere in Flugzeugen wie etwa solchen Spitfires zu befördern. Das führte dazu, dass mehrere moderne Tr.9-Umbauten vorgenommen wurden. Damit können nun mehr Menschen das einzigartige Abenteuer eines Fluges in einer Spitfire hautnah erleben. (Quelle Bauanleitung, Text korrigiert)



Der Bausatz wird im typischen roten Hornby Hobbies-Stülpkarton ausgeliefert mit einer computergenerierten Darstellung zweier Maschinen des Irish Air Corps im Flug über den Wolken.
Der Kit basiert laut Scalemates auf älteren Spitfire-Kits von Airfix. Er besteht aus fünf Gießästen in einem mittelgrauen Kunststoff, vier großen und einem kleinen mit insgesamt 119 Teilen sowie einem klaren Gießast mit sieben Teilen. Die Oberfläche ist von zahlreichen Schlieren durchzogen und weist stellenweise eine leichte Rauigkeit auf. Alle grauen Gießäste finden sich in einem gemeinsamen Kunststoffbeutel, den noch ein weiterer kleiner Beutel mit dem Rahmen für die Klarteile besiedelt. Die Oberflächendetails der grauen Teile sind durch feine, allerdings gleichmäßige Gravuren, zahlreiche versenkte Niete, Schnellverschlüsse und ein paar erhabene Details dargestellt. Die Auswerfermarkierungen finden sich im Inneren der Bauteile. Ein wenig Fischhaut findet sich an den sehr kleinen Teilen. Die Glasteile sind dünn und klar. Die Bauanleitung ist im bekannten Stil verfasst und führt auf 12 Seiten über 77 Baustufen zum fertigen Modell. Leider fehlt wie immer bei den Briten ein Teileplan, dafür sind die zwei Bemalungs- und Decal-Platzierungshinweise farbig und in Vierseitenansichten ausgeführt.



Der Zusammenbau beginnt wie zu erwarten mit dem Cockpitinneren. Beide Instrumentenbretter zeigen erhabene Instrumente und einige Skalendetails, Instrumenten-Decals ergänzen das Ganze. Der Cockpitboden ist realistisch „bodenlos“ dargestellt, die in die Innenseiten der Rumpfhälften gravierten Geräte und Instrumente wirken etwas vereinfacht. Die Öffnungen an den Spanten und den unteren Teilen des Instrumentenbrettes muss man selbst aufbohren, wenn man die Lightningholes realistisch darstellen will. Der Gashebel und die Fahrwerksteuerung sind separate kleine Teile, die an den Innenseiten des Cockpits angebracht werden müssen. Die Sitze bestehen jeweils aus fünf Teilen, für Gurte muss der Modellbauer selbst sorgen, es sei denn er verbaut die zwei mitgelieferten Pilotenfiguren. Wer will, kann die Einstiegsklappen aussägen, hinten im Rumpf verschwinden die Sauerstoffflaschen auf nimmer Wiedersehen. Positiv ist die Tatsache zu werten, dass die obere Motorhaube einteilig ausgeführt ist, was Schleifarbeiten erspart (erinnert sei hier nur an Eduards Mk. IX, für die man ein extra Resinteil für diesen Zweck erwerben muss). Wie heutzutage zu erwarten, sind alle Ruder separat und nach Geschmack zu positionieren, ebenso wie die Kühlerklappen. Drei Paar Räder sind entweder bei geschlossenem Fahrwerk direkt in den Fahrwerkschächten zu befestigen oder wahlweise mit oder ohne Profil an das ausgefahrene Fahrwerk zu montieren. Die ausgefahrenen Räder sind leicht abgeplattet. Das Spornrad ist anders als sonst bei Spitfires Mk. VIII nicht einfahrbar und daher nur schlicht anzukleben. Wer seinen Propeller drehbar halten möchte, kann ihn nach dem Schließen von vorn mit Rückhalteplatte und Retainer einsetzen, so wie es Revell schon in den Sechzigern bei seinen 1/72-Kits vorgemacht hat. Wie so was modern geht lernt man bei Tamiya, die Ihre drehbaren Teile mit Weichplastik-Manschetten aufsteck- und abnehmbar halten. Die Auspufföffnungen sind leider nicht aufgebohrt. Für die vordere Cockpithaube liegen für die geöffnete Version eine separate Haube und ein hinteres Klarteil vor, für den geschlossenen Zustand gibt es ein Kombiteil, die hintere Haube besteht aus der extrem kurzen Windschutzscheibe und einer Schiebehaube, nach deren Anbringung der Bau bereits beendet ist.



Der kleine Decalbogen ohne erkennbare Herkunft ist randscharf und seidenmatt glänzend auf hellblauem Papier bedruckt, die Farbe ist deckend, und auch die zahlreichen kleinen Wartungshinweise sind lesbar. Airfix weist bei den Farbempfehlungen nur auf die Humbrol-Farbreihen hin und verwendet überwiegend generische Namen wie „Matt Beige Green“ statt „Sky“. Das geht besser!
Variante A: schwarze „161“, B-Flight, Irish Air Corps, Baldonnel Airodrome, Dublin, Republik Irland, 1951, in Matt Cockpit Green über alles mit rotem Spinner und irischen Fahnen auf den Unterseiten der Flügelspitzen;
Variante B: sky „CD o K“, Iver, Buckinghamshire, England, 1969, mit schwarzem Spinner in Dark Green und Dark Earth über Sky;
Wem diese zwei Decalvarianten nicht zusagen, dem sei die Spitfire T9 Collections Pt. 1 und Pt. 2 von Xtradecal als Alternative empfohlen!
Fazit: Airfix hat in letzter Zeit auf seinem angestammten Gebiet, Modelle für Anfänger und Fortgeschrittene zum kleinen Preis anzubieten viel Boden gut gemacht, wobei der Schwerpunkt auf Nachbildungen britischer Vorbilder liegt. Diesem Vorsatz ist man auch mit diesem Vorbild treu geblieben und hat hier ein interessantes Modell geschaffen, das man bisher nur als Umbausatz kaufen konnte. Wegen der zahlreichen kleinen und kleinsten Teile nur für Modellbauer mit etwas Erfahrung sehr empfehlenswert!
Literatur (Auswahl):
Scutts, J. Spitfire in action, Aircraft Number 39, Squadron/Signal Publication
Humphreys, R., Supermarine Spitfire Merlin-Powered, Pt.1, MDF 23, A comprehensive Guide for the Modeller
https://de.wikipedia.org/wiki/Supermarine_Spitfire
Bauanleitung
Utz Schißau (Berlin, Dezember 2025)

