Eduard hat aus seinem Fundus seine Ki-115 Tsurugi von 2004 wieder neu aufgelegt.
Zur Geschichte: Die Nakajima Ki-115 Tsurugi (Säbel), war ein japanischer einsitziger Kamikaze-Sturzbomber während des Zweiten Weltkrieges. Die Kaiserlich-Japanische Armee beauftragte 1945 Nakajima mit der Entwicklung eines Kamikaze-Bombers, der eine 800-kg-Bombe tragen konnte. Da das Oberkommando befürchtete, dass es nicht genügend veraltete Kampfflugzeuge für die Bekämpfung der erwarteten alliierten Invasion der Hauptinseln geben würde, sollten Massen von einem einfachen, billig herzustellenden Flugzeug die alliierten Schiffe mit Selbstmordattacken bekämpfen. In den entsprechenden Plänen war von einer Fertigungsrate von 8000 Stück pro Monat die Rede. Das Flugzeug war eine sehr simple Konstruktion und bestand aus »nicht-strategisch-wichtigen Werkstoffen«; vor allem Holz und Stahl. Das Fahrgestell wurde nach dem Start abgeworfen; der Rumpfquerschnitt war rund und nicht, wie üblich, elliptisch (so war der Rumpf einfacher zu fertigen). An Triebwerken sollte zum Einsatz kommen, was gerade verfügbar war. Außerdem waren zwei zusätzliche Raketenantriebe vorgesehen, für den Start und den finalen Sturzflug. Die einzige Bewaffnung des Flugzeugs bestand aus einer 800-kg-Bombe (manchmal auch aus mehreren kleineren). Mit der mäßigen Höchstgeschwindigkeit und wirklich miserablen Flugeigenschaften wäre die Ki-115 eine leichte Beute für die alliierten Jäger gewesen; im Gegensatz zur Yokosuka MXY-7 (Anm. „Oka“) gab es jedoch keinen einzigen Einsatz des Musters. (Quelle Wikipedia)




Vom Vorbild existierte in 1/48 bis 2004 nur einen Bausatz einer Firma namens DR001(?)aus den 90er Jahren. Dann brachte Eduard den vorliegenden Kit erstmals heraus. Auf der stabilen blauen Stülpbox prangt eine Ki-115 während des Startes. Die 80 grauen und zwei klaren Teile an drei grauen und einem klaren Gussast sind in einem wieder verschließbaren Beutel verpackt, die Klarteile haben einen eigenen Clipsbeutel. Ein kleiner farbig bedruckter Ätzteilerahmen bietet ein Instrumentenbrett, eine Seitenkonsole, Gurte und Leitbleche für die Bomben sowie einen Kabelbaum für den Sternmotor. Außerdem gibt es einen Bogen Maskierfolie für die Räder und die Cockpithaube. Beschrieben wird der Zusammenbau in einer zwölfseitigen Bauanleitung, die nach einem historischen Abriss und einem Teileplan sechs Seiten Montageanleitung und drei Bemalungsvorschläge enthält. Die Oberflächen des glänzenden dunkelgrauen Plastiks sind mit feinen Gravuren und zahlreichen kleinen Nieten überzogen, es gibt nur wenig Fischhaut und einige Auswerfermarkierungen, die aber an unauffälligen Stellen liegen. Die Klarteile gehen auch als solche durch und sind dünn und nur wenig verzogen.



Die Montage beginnt wie zu erwarten mit dem Cockpit, was mit vielen kleinen Kunststoff- und Ätzteilen dekoriert wird. Für den Sitz gibt es die bereits erwähnten Bauchgurte, das Instrumentenbrett kann zweilagig durch bedruckte Ätzteile oder alternativ mit einem Decal dargestellt werden. Der nächste Schritt, der Motor, wird aus zwei 7-Zylinder-Reihen, zwei Kränzen mit Stößeln und dem Kabelbaum plus Propellerachse auf der Motorraum-Rückwand erstellt. Dazu gesellen sich zwölf kleine einzelne Auspuffrohre und am Ende umschließen zwei halbe Motorhauben den Antrieb. Der Propeller ist mit seiner Rückwand zusammengegossen und erhält nur noch einen Spinner. Alle Ruder sind in neutraler Stellung dargestellt, es gibt jedoch separate Sturz- oder Manöverklappen, die wie auch andere Außendetails jeweils mit drei kleinen Scharnierteilen am Flügel befestigt werden müssen. Das Fahrwerk wird aus je zwei Radhälften und je zwei fragilen Streben pro Seite erstellt, am Heck kommt ein Schleifsporn dazu. Hinter dem Piloten ist aus sechs Teilen etwas aufzubauen, das mich an eine komplexe Kopfpanzerung erinnert. Dazu passt vielleicht auch, dass das Schiebeteil der Kabinenhaube bis auf kleine seitliche Fenster aus Metall zu bestehen scheint. Sollte hierdurch dem Kamikaze-Piloten ein möglichst langes Überleben bis zum Sturz auf sein Ziel ermöglicht werden, falls er von feindlichen Jagdflugzeugen angegriffen worden wäre? Für den Angriff kann man dem Piloten eine von zwei Bombengrößen von 500 bzw. 800 kg zur Verfügung stellen, für die wiederum vier kleine Aufhängeblöcke anzubauen sind. Dazu hätte der bedauernswerte Selbstmordflieger dann das Zielfernrohr nutzen müssen, das in der allerletzten Bauphase vor der Windschutzscheibe zu montieren ist. Die drei Decal-Optionen sind eigentlich nicht solche im engeren Sinne. Eduard hat die Ki-115 so dargestellt, wie sie den Alliierten in die Hände fielen, nämlich in verschieden Stadien der Lackierung:



A: Naturmetall über alles, Antiglarepanel in „Cowling Color“ und Hinimarus sind aufgetragen, Holzteile (Leitwerk und Ruder) in „Light Gray“ bemalt, Propeller in „Red Brown“ mit gelben Warnlinien;
B: wie A, aber der Hinumaru hat bereits einen weißen Rand und angrenzende grüne Tarnfarbe erhalten;
C: wie B, jetzt komplette Tarnbemalung in „Green“ über „Gray“, die Bombe in „Cowling Color“ mit rotem Zünder und einer gelben und einer weißen Linie;
Die Farbtöne sind nicht genauer definiert, was wahrscheinlich an der Entstehungszeit des Vorbildes gegen Kriegsende liegt. Eduard empfiehlt die Farbsysteme von Gunze.
Fazit: Eine spannende Wiederauflage bei Eduard von einem extrem seltenen Vorbildes, das nie einen Einsatz geflogen ist. Wegen zahlreicher kleiner und Ätzteile eher etwas für Modellbauer mit etwas Erfahrung zu empfehlen.
Utz Schißau (Berlin, November 2025)
Quellen (Auswahl):
- Bauanleitung
- https://de.wikipedia.org/wiki/Nakajima_K115

