Das Vorbild: Die Heinkel He 59 war das erste zweimotorige Doppeldecker-Kampfflugzeug mit Schwimmern aus deutscher Produktion, das nach dem Ersten Weltkrieg gebaut wurde.

Konzipiert als hochseefähiger Aufklärer und Bomber, wurde die Entwicklung noch unter der Bezeichnung HD 59 (für Heinkel Doppeldecker) durchgeführt, ehe dem Muster bei Einführung die Bezeichnung He 59 zugewiesen wurde. Der Erstflug erfolgte im September 1931. Um den Versailler Vertrag zu umgehen, fand die Erprobung im russischen Lipezk statt, wobei das Muster mit einem Radfahrwerk ausgestattet war. Im Januar 1932 folgte der Erstflug als Wasserflugzeug mit Doppelschwimmern. In dieser Form ging das Flugzeug als He 59 B-1 in die Serienfertigung. Ihr folgte die He 59 B-2 mit Metallbug, verglaster Kanzel für den Bombenschützen und einem unter dem Rumpf angebrachten Waffenstand mit MG 15. Die Version B-3 verzichtete auf Bewaffnung um durch zusätzliche Kraftstofftanks eine größere Reichweite zu erzielen. Die Version C-1 war als Fernaufklärer, die Version C-2 als Seenotrettungsflugzeug konzipiert. Es folgten eine Reihe von Schulflugzeugen: Für das Training von Flugzeugbesatzungen wurde die He 59 D-1 hergestellt, die E-1 diente der Ausbildung für Torpedoeinsätze und die N-1 zur Navigationsschulung.

Die He 59 wurde von 1934 bis April 1939 in monatlich geringen Stückzahlen gebaut. Mit den drei Prototypen wurden insgesamt 166 He 59 produziert. Das Flugzeug besaß sehr gute Flugeigenschaften, war aber nicht einmotorenflugfähig. Zwar waren Reichweite, Zuladung und Bewaffnung für damalige Verhältnisse ausreichend, insgesamt gesehen aber war die He 59 zu langsam.

Wie seinerzeit viele andere deutsche Flugzeugtypen kam auch die He 59 (spanischer Spitzname „Zapatones“) während des Spanischen Bürgerkrieges bei der Seefliegerstaffel 88 der Legion Condor zum Einsatz, die Flugzeuge waren unter anderem in Cadiz-Puntales, Melilla-El Atalayón und Port de Pllenca auf Mallorca stationiert und wurden mit einer Solothurn 20-mm-Maschinenkanone im Bug bewaffnet.
(Auszug aus Wikipedia)

Der Bausatz: Als ich wieder einmal in den Regalen des Modellbauladens meines Vertrauens stöberte bemerkte ich, dass der Bereich, in dem man die Bausätze von Special Hobby findet, um einige Bausätze aufgestockt wurde. Beim genaueren Hinsehen fiel mir dann der Bausatz einer He 59B in 1:72 auf. Von diesem Typ hatte ich noch nie gehört! Sieht auf jeden Fall interessant aus. Eigentlich ist beim Thema Flugzeuge der Maßstab 1:48 eher mein Ding, als ich dann aber den Bausatz in den Händen hielt und die Kennungen der Legion Condor auf den Tragflächen sah, wurde es schwierig, denn genau das ist genau das, was mich momentan extrem interessiert. Eine kurze Diskussion mit dem extrem freundlichen und kompetenten Mitarbeiter bestärkte die Kaufentscheidung und meine Sammlung war um einen weiteren Bausatz angewachsen.

Bei einem Kaufpreis von unter 20 Euro erwartete ich nicht viel und habe mir dann die Neuerwerbung zuhause sofort näher angesehen. Die Boxart sieht schon einmal sehr gelungen aus und stellt das Schwimmflugzeug bei einer Aufklärungsmission an einer Küste dar. Nach dem Öffnen des Stülpkartons wurden meine Augen groß und größer, denn darin enthalten waren nicht nur vier Spritzlinge aus grauem Plastik, sauber und scharf gedruckte Abziehbilder und die Bauanleitung, sondern auch zwei Beutel mit Resinteilen, ein Ätzteilebogen sowie ein Schutzrahmen mit feinst gedruckten Kleinteilen. Ein echter und beeindruckender Multimedia Bausatz also – und das für diesen Preis! Das hatte ich so nicht erwartet. Bei der Überprüfung von Hintergrundinformationen in Scalemates fand ich dann heraus, dass der von mir gekaufte Bausatz relativ neu und aus dem Jahr 2024 ist. Die Erstauaflage fand bereits 2002 statt und nach weiteren drei Wiederauflagen hat Special Hobby dem aktuellsten Bausatz noch Zusatzteile (wahrscheinlich die im 3D Druckverfahren hergestellten Kleinteile) spendiert.

Die Plastikbauteile zeigen klar, dass es sich um einen Short-Run Bausatz handelt, denn Passbohrungen und Stifte an den entsprechenden Gegenstücken fehlen gänzlich. Man muss hier also sehr genau und sorgfältig arbeiten, wenn man die Teile zusammenbaut.. Die Gravuren sehen allerdings sehr sauber und überzeugend aus. Weniger schön finde ich die vergleichsweise dick wirkenden Flügelteile, womit man nach dem Zusammenkleben von Ober- und Unterteil richtige Bretter erhält. Eventuell waren die Flügel beim Original aber tatsächlich extrem dick, oder das Ganze ist mit Schleifpapier etwas anzupassen – was nicht so schwierig sein sollte. Die Schwimmer maachen auch einen guten eindruck, allerdings wird die Realisierung der Strebenkonstruktion wahrscheinlich eine Herausforderung, denn man erhält dafür nur etliche einzelne Streben ohne klare Kontakt- und Verbindungspunkte.


Teile für die Inneneinrichtung und die Motoren sucht man vergeblich auf den Gußästen. All das ist nämlich mittels sehr schöner Resin- und Ätzteile darzustellen. Das Cockpit besteht aus insgesamt 33 Teilen – und das für den Maßstab 1:72! Wow! Alle Resinteile sehen wirklich toll aus und besonders schön dabei ist das Armaturenbrett mit kleinsten Instrumentenanzeigen.

Unklar für mich war, wo die zwei kleinen Hutze zu verbauen sind, die zusätzlich noch als im 3D Druckverfahren hergestellten Kleinteile in einem separaten Beutel beilagen. Die Bauanleitung wies diese Teile dann als Hutzen aus, die seitlich an den Motorverkleidungen anzubringen sind.

Der absolute Höhepunkt bei diesem Bausatz sind allerdings die weiteren 3D Druckteile. Darunter befinden sich filigranste MG 15 und die für den Einsatz bei der Legion Condor typische 2cm Bugwaffe, deren Lafettenringe sowie weitere Kleinstteile für das Cockpit.

Im Ätzteilbogen enthalten sind zwei Leitern und weitere Kleinteile, die man in Plastiksprizguss nicht angemessen maßstabsgetreu umsetzen kann. Also eine echte und sinnvolle Ergänzung.


Bei den Klarsichtteilen gibt es auch nichts zu meckern. Alle sehen klar und schlierenfrei aus. Ob sie allerdings problemlos passen, wird sich erst beim Bau zeiegen. Leider ist das of ein unschönes Thema gerade bei Short-Run Bausätzen.

Die Bauanleitung: Als Anleitung für das Zusammenbauen der Teile liegt ein 16seitiges Heftchen im Format DIN A4 bei in dem man auf farbigen Abbildungen klar durch die insgesamt 51 Baustufen geführt wird. Die jeweils neu zu ergänzenden Teile sind dabei in der Regel farbig hervorgehoben. Außerdem findet man bereits in jedem einzelnen Abschnitt Farbangaben zur Bemalungen der Teile, die auf das Sortiment von Gunze verweisen.

Für die für Doppeldecker typischen Spannseile findet man eine entsprechende Zeichnung, die aber nicht alles genau zeigt und daher ein paar Fragen offen lässt.

Die Abziehbilder sind sauber und versatzfrei gedruckt und liefern Markierungen zu Bau von zwei verschiedenen Varianten.

  1. He-59B-2, AS-88 Legion Condor, Spanien 1936
  2. He-59B-2, TH+HM, Seenotflugkommando 3, Frankreich 1940

Fazit: Für diesen Bausatz von Special Hobby kann ich mich absolut begeistern, denn obwohl es sich um einen Short-Run Kit handelt, erhält man für vergleichsweise wenig Geld einen wirklich toll gestalteten Multi-Media Kit mit allem, was man für ein schönes Ergebnis benötigt. Es fehlt zwar ein Satz mit Abdeckmasken, der aber lediglich für die Fenster am Rumpf unten benötigt wird.


Sehr empfehlenswert! Jedoch sollte man bereits über Erfahrung mit Short-Run Bausätzen verfügen

Erhältlich im gut sortierten Fachhandel

Gert Brandl, Berlin (Oktober 2026)

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