Vorbild: Die Fairey Albacore entstand als Nachfolgemuster der schon Mitte der 1930er Jahre antiquiert wirkenden Swordfish vom gleichen Hersteller. Sie wirkte insgesamt moderner und hatte ein durchaus komfortables Cockpit und hydraulisch angetriebene Ruder. Grundlage war die Ausschreibung S.41/36. Der Erstflug war im Dezember 1938, und der Serienbau lief 1939 an.
Die Albacore wirkte als Doppeldecker schon bei der Indienststellung überholt, und der Vorgänger Swordfish sollte sie im Dienst auch überleben. Angetrieben wurde der Torpedobomber von einem Bristol Taurus Sternmotor zunächst in der Variante II und später in der leistungsstärkeren Version XII mit 1065 PS. Ab 1943 lief bei der Royal Navy die Ablösung durch die Fairey Barracuda. Einige Maschinen flogen bei der Kanadischen Luftwaffe noch bis 1944 in Europa. Insgesamt entstanden bis 1943 803 Exemplare in zwei Varianten.
Bausatz: 2001 erschien bei MPM, dem Markenvorläufer von Special Hobby, die Fairey Albacore in 1/72 erstmals als braubarer Spritzgussbausatz. Es war allerdings ein Short-Run-Kit seiner Zeit und sehr anspruchsvoll zu bauen. Nun gibt es bei Special Hobby die Fairey Albacore Mk.I aus neuen Formen.
In dem typischen praktischen Stülpkarton befinden sich gut verpackt vier graue Spritzgussrahmen mit 133 Teilen, ein klarer Spritzling mit vier Teilen, ein einzelnes klares Teil, ein Decalbogen und die jetzt in A4-Format gehaltene Bau- sowie Bemalungsanleitung.
Die Abspritzung der Bauteile ist tadellos. So sind die Tragflächen aus jeweils einem Stück gefertigt. Dabei hat man die Stoffbespannung sehr realistisch nachgebildet. Auch die vielen Kleinstteile sind scharf abgespritzt. Ein paar Teile sind für die Restekiste und werden nicht benötigt.

Der Bau beginnt mit dem sehr detaillierten Cockpit. Dieses entsteht auch nicht weniger als 21 Teilen. Die Sitzgurte und das Instrumentenbrett werden mittels Decals dargestellt. Für die Seitenwände des Cockpits liefert Special Hobby separate Teile. Bei dem Bau des Abwehr-MGs muss man sich für die einfache oder doppelte Variante entscheiden. Die Seitenfenster im Rumpf werden von innen eingeklebt. Die große klare Cockpitverglasung ist leider nur einteilig. Leider bleibt so der Abwehrstand geschlossen.
Das zweiteilige Seitenruder ergänzt den Zusammenbau des Rumpfes. Dieser wird danach auf die unteres Tragfläche geklebt. Dort muss zuvor noch das Klarsichtteil 8 samt Rahmen eingebaut werden. Positionsleuchten für die Tragfläche liefert Special Hobby aus Klarsichtmaterial.
Der kleine Bristol Taurus entsteht aus zwei Teilen und verschwindet hinter einer vierteiligen Motorverkleidung. Danach wird das Triebwerk an den Rumpf angeklebt, und diese bekommt noch sein aus zwei Teilen bestehendes Höhenleitwerk. Die Ruder haben hier scharfe Hinterkanten.
Bei der Montage des Oberflügels muss man sich schon für eine Bemalungsvariante entscheiden, denn hier sind unterschiedliche Stiele anzukleben. Toll finde ich die Beigabe einer Lehre (Bauteil C13) für die Montage der beiden Hauptfahrwerksbeine. Die Lufteinläufe unterm Motor sind auch je nach Variante unterschiedlich. Die Hauptfahrwerksräder besitzen eine separate Felge. Das Spornrad ist einteilig.
Special Hobby hat eine Vielzahl von Antennen aus Spritzgussmaterial hergestellt. Diese sehen gut aus aber man sieht deutlich die Grenzen des Spritzgusses. Diese werden im Bauabschnitt 18 montiert. Die Drei-Blatt-Luftschraube ist einteilig.
In einem letzten Schritt erfolgt der Zusammenbau der Abwurfwaffen. Hier hat man die Wahl zwischen Bomben oder Torpedo. Allerdings vermisse ich in der Bauanleitung einen Plan für die Verspannung der Tragfläche und die Antennen.


Der Decalbogen ist tadellos auf hellblauen Trägerpapier gedruckt und enthält auch Wartungshinweise. Die Farbangaben sind für die Systeme von GUNZE.
Bemalungen:
- Albacore, X9053/weiße 5C, 817. Squadron FAA, HMS Indomitable, Mittelmeer 1943/44;
- Albacore, N4424/schwarze 4K, 826. Squadron FAA, westliches Mittelmeer, Malta 1942;
- Albacore, L7105/schwarze 4R, 826. Squadron FAA, HMS Formidable, Mittelmeer, 1940/41;
- Albacore, BF653/weiße ØL, 820. Squadron FAA, HMS Formidable, Mittelmeer, Operation “Torch”, November 1942.




Literatur:
Fazit: Special Hobby liefert hiermit einen zeitgemäßen Bausatz der Fairey Albacore im Maßstab 1/72. Einen Plan für die Verspannung des Doppeldeckers hätte ich mir gewünscht. Vielleicht opfert man in der nächsten Auflage dafür eine Seite Werbung. Das A4-Format der Bauanleitung ist zu begrüßen. Für fortgeschrittene Modellbauer ist diese Albacore sehr zu empfehlen.
Volker Helms, Godern (September 2026)













