Vorbild: Im Sommer 2008 gab das US Department of Defense bekannt, ein neues, leichteres und minengeschütztes All-Terrain-Fahrzeug entwickeln zu wollen. Hintergrund war unter anderem die Erfahrung mit den schweren MRAP-Fahrzeugen, die zwar einen sehr guten Schutz gegen Minen und IEDs boten, für den Einsatz in schwierigem Gelände, insbesondere in Afghanistan aber teilweise zu schwer und unhandlich waren. Das neue Fahrzeug sollte daher einen besseren Kompromiss zwischen Schutz, Gewicht und Geländegängigkeit bieten.
Daraufhin gingen Angebote von mehr als zwanzig Firmen ein. Am Ende setzte sich jedoch Oshkosh mit dem M-ATV durch und begann bereits im Juli 2009 mit der Auslieferung der ersten Fahrzeuge. Im November hatte Oshkosh bereits 1.000 Fahrzeuge ausgeliefert.
Vom M-ATV entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche Varianten und Ausführungen. Für die US Special Operations Command (SOCOM) wurde ab 2010 eine spezielle Variante entwickelt, die als M1245 M-ATV Special Forces Vehicle (SFV) bezeichnet wird.
Auf den ersten Blick ähnelt die M1245 zwar dem normalen M-ATV, bei genauerem Hinsehen zeigen sich jedoch einige deutliche Unterschiede. Dazu gehören unter anderem die größeren vorderen Panzerglasscheiben für eine verbesserte Sicht, eine angepasste Ladefläche sowie ein gepanzerter Zugang vom geschützten Mannschaftsraum zum hinteren Laderaum. Auch die Ausstattung wurde auf die besonderen Anforderungen der Special Operations Forces abgestimmt.
Eine Besonderheit ist dabei die Möglichkeit, eine CROWS (Common Remotely Operated Weapon Station) zu verwenden. Die ferngesteuerte Waffenstation ermöglicht es dem Bediener, die Bewaffnung aus dem geschützten Innenraum heraus zu bedienen. Je nach Einsatz und Konfiguration konnten unterschiedliche Waffenstationen und Bewaffnungen verwendet werden.
Zusammen mit der auf den Einsatz abgestimmten Missionsausrüstung, den IR-Fahrleuchten und der speziellen Auslegung des Laderaums entstand so ein Fahrzeug, das deutlich stärker auf die Anforderungen von Spezialkräften zugeschnitten war als der ursprüngliche M-ATV.
Bausatz: I Love Kit hat den Bausatz des SOCOM M1245 in der A1-Variante bereits 2025 auf den Markt gebracht und legt nun mit dieser Variante nach. In typischer Trumpeter-/Hobby-Boss-Manier ist der Bausatz in einem sehr stabilen Stülpkarton verpackt. Jeder einzelne Gussrahmen ist zusätzlich in einer eigenen Folie eingeschweißt. Besonders zerbrechliche Teile sind darüber hinaus noch einmal in Schaumstofffolie eingewickelt. Da gibt es, wie man es von diesen Herstellern gewohnt ist, nichts zu meckern.
Die Teile sind in einem Sandton gehalten und machen bereits auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Fischhaut sucht man vergebens und selbst kleinste Details sind sauber und scharf ausgegossen. Einzig die Oberfläche der Teile wirkt stellenweise, wie soll ich sagen, nicht ganz glatt. Sie erinnert ein wenig an eine sehr feine Orangenhaut, allerdings wirklich nur im Mikrometerbereich und damit kaum auffällig.
Die hier angebotene Variante kommt mit der O-GPK-Turret-Konfiguration, also dem Objective Gunner Protection Kit.

Dieses Modell bietet eine komplette Innenausstattung, eine detaillierte Waffenstation sowie sehr detailliert dargestellte Achsen, Differentiale und einen ebenso detaillierten Unterboden. Daher ist es kaum verwunderlich, dass man im Karton insgesamt 14 Gussrahmen sowie drei PE-Platinen vorfindet. Dieses Modell ist also definitiv kein Wochenendprojekt und überzeugt durch seine Vielzahl an Details. Was jedoch, beispielsweise im Vergleich zum M-ATV von RFM, nicht enthalten ist, ist der Motor. Auf dessen Darstellung wurde hier komplett verzichtet.
Die Bauabschnitte sind recht modular aufgebaut, was dem Bau eines derart komplexen Modells natürlich ungemein zugutekommt. So startet man mit dem Leiterrahmen sowie dem Getriebe und den Antriebswellen. Anschließend werden die unglaublich komplexen Einzelradaufhängungen angebracht, von denen jede einzelne bereits fast als eigener kleiner Bausatz durchgehen könnte.



Was mich in der Anleitung allerdings etwas gewundert hat und bei dem ich davon ausgehe, dass es schlichtweg übersehen wurde, betrifft die Station zur Bedienung der ferngesteuerten Waffenstation. Über diese verfügt dieser Bausatz nämlich nicht, während sie bei einem zuvor erschienenen Bausatz von I Live Kit noch enthalten war.
So wird der Innenraum nach und nach aufgebaut, ebenso wie der Fahrersitz, dessen Rückseite in diesem Bausatz keine Displays oder Bedienelemente aufweist. Bei einem späteren Bauabschnitt, in dem der Sitz eingebaut wird, ist die Bedieneinheit der Waffenstation in der Anleitung jedoch plötzlich abgebildet.
Ich gehe daher davon aus, dass hier schlicht ein Fehler in der Anleitung übernommen wurde und die entsprechende Darstellung aus einem vorherigen Bausatz stammt. Vermutlich wurde darauf verzichtet, die Anleitung aus Kostengründen entsprechend anzupassen.




Die PE-Teile sind meines Erachtens nach gut ausgewählt und kommen dort zum Einsatz, wo sie auch tatsächlich sinnvoll sind, Gurte fehlen jedoch leider. Ein weiteres nettes Zubehör sind die beiliegenden Masken für die Scheiben. Diese wären in meinen Augen allerdings nicht unbedingt notwendig gewesen, da die wirklich unglaublich dicken Klarsichtteile auch problemlos erst nach dem Bemalen und Altern des Modells eingesetzt werden könnten.
Natürlich hat die Verwendung der Masken auch einen Vorteil, man muss sich während der Lackierung und Alterung der Außenseite keine Gedanken darüber machen, den bereits fertiggestellten Innenraum vor Farbe oder Verschmutzungen schützen zu müssen.








Anleitung: Die Anleitung ist klassisch Hobby Boss/Trumpeter gehalten, ein A4-Heft aus Recyclingpapier, welches komplett ohne Farbe auskommt. Positiv finde ich, dass die einzelnen Bereiche des Fahrzeugs sinnvoll voneinander getrennt sind und man das Fahrzeug Schritt für Schritt zusammensetzt. Wie bei diesen Anleitungen üblich, sind jedoch auf jeder Seite zahlreiche Bauschritte untergebracht, sodass man genau darauf achten muss, keine kleinen Teile oder Hinweise zu übersehen. Gerade gegen Ende, wenn immer mehr kleine Details und Anbauteile ihren Platz am Fahrzeug finden, kann es teilweise etwas unübersichtlich werden. Insgesamt umfasst die Anleitung 32 Seiten mit unzähligen Bauschritten.
Eine deutliche Verbesserung gegenüber älteren Anleitungen ist jedoch, dass dieses Mal tatsächlich Detailansichten und Vergrößerungen vorhanden sind, die deutlich zeigen, wo bestimmte Teile angebracht werden müssen. Bei früheren Bausätzen musste man hier teilweise noch regelrecht raten.






Bemalung: Die Bemalung gestaltet sich erfreulich einfach, da lediglich eine Farbvariante zur Auswahl steht, Sandfarben. Einige Details erfordern zwar andere Farbtöne, dabei handelt es sich jedoch hauptsächlich um Silber, Gelb, Rot und ähnliche Farben, die wohl ohnehin jeder Modellbauer in seinem Bestand haben dürfte.
Die Decals für die Instrumente sind eher einfach gehalten. Bei den kleineren Anzeigen lässt sich kaum noch etwas erkennen oder lesen. Farbvorschläge gibt es hauptsächlich vom Hersteller Mr. Hobby, während andere Hersteller wie beispielsweise Tamiya eher sporadisch berücksichtigt werden.



Fazit: Ein solider Bausatz, der grundsätzlich nichts falsch macht, aber auch kein besonderes Highlight darstellt. Allerdings muss ich sagen, dass man bei einem Preis von knapp 50 € auch zum Bausatz von Rye Field Model greifen kann. Dieser bietet zusätzlich einen vollständig dargestellten Motor und insgesamt noch einmal etwas mehr Detailtiefe und das für vielleicht 5 € mehr.
Wem der Rye Field Model-Bausatz jedoch zu aufwendig ist und wer nicht unbedingt einen vollständig dargestellten Motor benötigt, bekommt hier eine etwas vereinfachte Version desselben Fahrzeugs. Der Bausatz ist dadurch vermutlich etwas zugänglicher und lässt sich mit weniger Aufwand zu einem ansehnlichen Modell bauen.
Florian Schuster, Berlin (Sept.2026)

