Vorbild:
Dieses – auf den ersten Blick etwas unscheinbare – Fluggerät wird durch das historische Vorbild zu einem richtig interessanten Modell: In der Kurzform handelt sich dabei um nicht weniger als den Versuch der japanischen Seite, die Kamikaze-Einsätze gegen die erwartete US-amerikanische Invasion des Heimatlands durch die Nutzung von Einweg-Flugzeugen so ökonomisch wie möglich auszugestalten. Da Japan aufgrund der fortdauernden Luftangriffe und des Rohstoffmangels im letzten Kriegsjahr nicht mehr in der Lage war, die immensen Verluste an Flugzeugen auszugleichen, entwickelte der am Luftfahrttechnischen Institut der Armee angestellte Hauptmann Yoshiyuki Mizuyama die Idee, ein Flugzeug speziell für Kamikaze-Einsätze zu entwickeln, welches a) unter Verwendung möglichst geringer Mengen an strategischen Rohstoffen und b) auch in kleinen Betrieben gefertigt werden konnte. Mit viel Eigeninitiative und zunächst ohne offiziellen Auftrag gelang es Mizuyama und seinem Team, einen Prototyp herstellen zu lassen, der aus Holz mit Sperrholzverkleidung bzw. Stoffbespannung und einem Hitachi Ha-13 Sternmotor mit 450 PS konstruiert war. Diese fliegende Höllenmaschine sollte aufgrund ihrer Leistungsdaten eine einzelne 500kg-Bombe mit sich selbst ins Ziel bringen können. Sie fiel im Februar 1945 fast fertigestellt allerdings einem alliierten Luftangriff zum Opfer.

Und nun kommen wir zum eigentlichen Vorbild für unser Modell: Unbeirrrt von diesem Rückschlag ging Mizuyama daraufhin auf die Firma Nippon Kokusai zu, die sowohl Erfahrung im Bau von leichten Flugzeugen hatte und auch noch über freie Kapazitäten verfügte. Im Zuge dessen wurde die Konstruktion nochmals vereinfacht und verkleinert, sodass nun ein luftgekühlter Hitachi Ha-47 Hatsukaze 11 mit 80 PS für den Vortrieb genügen sollte. Kraftstofftank und Ölkühler wurden mittels Metallstreifen auf der Motorabdeckung montiert, die stoffbespannten Tragflächen konnten aus Gründen der Platzersparnis nach oben eingeklappt werden, und dem Piloten wurde für die Erfüllung seines Auftrags neben einer fest montierten 100kg-Bombe ein offenes und rudimentär instrumentiertes Cockpit zugestanden. Der Protyp des neuen, kleineren Entwurfs absolvierte seinen Erstflug am 25. Juni 1945. Aus diesem Flug resultierten noch einige Änderungen, bevor im Anschluss die Konstruktionspläne für den Beginn der Serienproduktion gefertigt wurden. Den endgültigen Schlusstrich unter das Projekt zog die japanische Kapitulation am 25. September.

Die Einsätze mit der Ta-Go – was aufgrund der verwendeten Materialien und dem militärischen Nutzwert treffend „Bambusspeer“ bedeutet – sollten durch Zivilisten wie Schüler und Studenten geflogen werden, die dafür mit Trockenübungen am Boden sowie ein oder zwei Schulungsflüge vorbereitet werden sollten. Aus der Sicht der Armee und Marineführung musste dies genügen, da die Piloten dicht an der Front starten und sich mit ihren Maschinen direkt auf feindliche Panzer und anderes Gerät stürzen sollten. Man geht heute davon aus, dass in einem scharfen Einsatz lediglich fünf Prozent der Ta-Go ein Ziel überhaupt erreicht hätten.

Das Modell:
Die Qualität der ca. 50 zu verarbeitenden Teile ist trotz Short-Run-Kunststoffspritzguss gut, lediglich an den Fahrwerksbeinen sind zwei kleine Sinkstellen, die aber ohne viel Aufwand mit Spachtelmasse geschlossen werden können, ohne dass die Struktur darunter leidet. Der einzige Kritikpunkt betrifft die meiner Meinung nach etwas zu prominent ausgeformten Spanten unterhalb der beim Original stoffbespannten Flächen. Das Klarsichtteil für die Kanzel ist durchsichtig und noch dazu sorgfältig verpackt. Die Bauanleitung führt in schlanken elf Baustufen mittels übersichtlicher Explosionszeichnungen zum fertigen Modell.

Markierungsvariante und Abziehbilder:
BRENGUN bietet auf der Rückseite der Verpackung einen Bemalungsvorschlag an, der dem auch bei Wikipedia enthalten Schwarzweißbild des Prototypen entspricht. Der Bogen mit den Abziehbildern ist sauber gedruckt. Als Farbangabe wird – ohne Hinweis auf einen konkreten Farbenhersteller – Imperial Japanese Army 43 Olivgrün angegeben.

Fazit:
Ein reizvolles Modell eines historisch interessanten Fluggeräts in guter Qualität, welches sich aufgrund seiner Übersichtlichkeit insbesondere für ein kleines Zwischendurchprojekt oder eine Vignette anbieten dürfte. Für Freunde der japanischen Luftfahrt und alle anderen Interessierten eine Kaufempfehlung! Im Handel ist der Bausatz derzeit für ca. 30 € erhältlich. Wer möchte, der kann sich auf Basis dieses Bausatzes auch noch etwas intensiver austoben, denn der Hersteller bietet dazu noch unter der Artikelnummer BRL 48180 ein kleines Zurüstset mit Ätz- und Resinteilen an.

BRENGUN gebührt an dieser Stelle noch Dank für das Besprechungsmuster.

Literatur:
Englischsprachiger Artikel zur Ta-Go auf Wikipedia
flugrevue.de: „Japans letztes Aufgebot – Kamikaze-Flugzeuge: Entwickelt für den Opfergang“ vom 11.05.2019

Matthias Böcking, Februar 2026

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