Vorbild: Der S-64E Skycrane ist die zivile Version des schon Anfang der 1960er Jahre für die US Army entwickelten CH-54 Tarhe. 1992 kaufte der Hersteller Erickson Inc. die Fertigungsrechte des CH-54 von Sikorsky ab, um eine weiterentwickelte zivile Version des Schwerlasthubschraubers zu bauen. Dafür überarbeitete Erickson mehr als 1.350 Komponenten und modernisierte zahlreiche Systeme.
Der Skycrane wird heute weltweit für unterschiedlichste Arbeiten genutzt, darunter die Bekämpfung von Busch- und Waldbränden mit Hilfe eines rund 2500 bis 2650 Gallonen fassenden Tanks, was etwa 9.500 bis 10.000 l entspricht. Dieser Tank kann über einen Hover-Schnorchel in etwa 45 Sekunden gefüllt werden. Auch beim Bau von Hochspannungsleitungen, bei schweren Montagearbeiten oder im Transport großer Lasten kommt der Hubschrauber zum Einsatz. Jeder von Erickson gefertigte S-64 erhält zudem einen individuellen Namen.
Der Hubschrauber besitzt einen Sechs-Blatt-Hauptrotor mit einem Durchmesser von über 21 m. Angetrieben wird er von zwei Pratt & Whitney JFTD12A-4A Triebwerken, die jeweils rund 4.500 PS leisten. Damit kann der S-64E eine externe Last von bis zu etwa 9 t transportieren.

Bausatz: ICM brachte die militärische Version des S-64E, die CH-54A, bereits 2023 als New Tool auf den Markt und veröffentlichte seither verschiedene Versionen mit diversem Zubehör bzw. Lasten. 2025 bekommen wir nun die doch in vielen Details geänderte S-64E. Die auffälligsten Unterschiede sind wohl die fehlenden Luftfilter vor den Triebwerkseinlässen, die Bubble-Scheiben sowie diverse Abdeckungen von Leitungen oder die markante Treppe hoch zum Heckrotor.
Das Modell kommt in einem sehr großen Karton. Unter dem Deckel mit wirklich sehr schönem Coverbild findet man einen unglaublich stabilen Klappkarton. In diesem findet man die in Tüten verpackten Gussrahmen.






Wie bei ICM schon des Öfteren sind diese Änderungen auf einem neuen Gussrahmen zu finden. Alle „alten“ Teile sind jedoch weiterhin vorhanden also wäre es theoretisch möglich auch die anderen Versionen der US Army zu bauen.
Die neuen Teile findet man alle auf zwei neuen Gussrahmen, L und M, sowie die neuen Türen auf dem klaren Rahmen N.

Begonnen wird mit dem Cockpit, welches durchaus schön anzusehen ist. Die Instrumente sind detailliert dargestellt, die Pitch- bzw. Collective-Hebel gut umgesetzt. Wie schon beim Blackhawk finde ich die Decals für die Instrumente allerdings nicht gelungen. Diese sind sehr simpel gehalten, da ist selber lackieren, denke ich, die bessere Wahl. Leider gibt es auch keine Gurte für die Sitze, Drittanbieter haben jedoch welche im Angebot.



Danach widmet man sich der „Wirbelsäule“. Aus mehreren Streben wird Stabilität für das lange Ungetüm gebildet. Diese Versteifung kommt in das Innere des Hubschraubers und wird dann mit der Außenhaut verkleidet, die Struktur und Niete der großen Paneele sind wirklich next level. Diese sind ausnahmslos wunderschön anzusehen. Während des Baus muss man Löcher bohren für Leitungen oder kleine Anbauteile wie Haken.

Was als Kritikpunkt zu sehen ist, ist das Fahrwerk aus Plastik. Dieses soll die gesamte Last des Modells nicht so gut tragen und sich etwas biegen. Diverse Hersteller bieten hier Metallteile an, schön wäre eine ICM eigene Lösung gewesen. Ansonsten sehen die Teile optisch wieder einmal fantastisch aus. Fehler im Guss oder Fischhäute konnte ich nicht feststellen. Die großen Oberflächen mit den hunderten Nieten sind ein echter Augenschmaus und machen große Freude.



Nachdem man den Rumpf soweit komplettiert hat mit seinen unglaublich vielen Leitungen, Fahrwerk und diversen anderen Kleinteilen, widmet man sich dem Hauptrotor bzw. Heckrotor sowie den beiden Triebwerken. Wie man immer so schön sagt, sind Triebwerke und Rotorköpfe ein Bausatz im Bausatz. So hat ein Triebwerk ca. 30 Bauschritte, das ist mehr als bei so manch anderem Modell komplett. Hier sollte man schon Erfahrung mitbringen. Beides ist wirklich sehr schön detailliert und super umgesetzt. Natürlich kann man im Aftermarket-Angebot 3D-gedruckte Teile kaufen, aber der Preis dafür steht kaum im Verhältnis. Die Teile OOB sind wirklich sehr schön.
Die Klarsichtteile sehen sehr gut aus, auch die neuen Bubble-Scheiben sind super. Bei so großen klaren Flächen ist es auch wichtig, dass die Teile qualitativ hochwertig sind.
In der Anleitung gibt es wie schon beim ICM-Bausatz des Black Hawk eine Schablone, um die Scheiben zu maskieren, was mich nur wundert, in diesem Fall jedoch nur für eines der Seitenfenster. Warum nicht für alle?




Anleitung: ICM-typisch ist die Anleitung ein kleines nettes Heft, welches farbig gedruckt ist. Auf der ersten Seite bekommt man einige nette Informationen über den Hubschrauber und folgend, welche Gussrahmen sich im Karton befinden sollten. Dort werden auch mit roten Markierungen die nicht gebrauchten Bauteile angezeigt.
Die Anleitung an sich ist gut und verständlich, was jedoch nicht beachtet wurde, ist, dass man die Teile auch noch bemalen muss. Die Anleitung ist einfach eins nach dem anderen, aber dass man unter den Triebwerken z.B. auch noch den Helikopter orange bzw. schwarz lackieren muss, wird nicht beachtet. Also sollte man sich als Modellbauer definitiv vorher einen Plan zurechtlegen und den Bau selbstständig in einzelne Bauphasen unterteilen.
Ebenfalls ist mir aufgefallen, dass es immer wieder vor und zurück geht. Man baut ein wenig an der Front des Helikopters, dann an den Triebwerken, dann wieder ein paar Streben an der Front und dann erneut an den Triebwerken. Dieses Durcheinander ist vielleicht nur für mich persönlich ein Problem, aber ich baue gern etwas fertig und nicht halb.




Was ich bei ICM ebenfalls sehr positiv finde, ist, dass man bei den neuen Releases einen QR-Code auf der Anleitung findet, welcher einen zu einer Videoanleitung auf YouTube bringt. Hier bekommt man ein sehr schönes Video, was eventuelle Unklarheiten beim Bau definitiv ausmerzt.
Decals und Lackierung


Designvorschläge gibt es zwei bzw. drei, wobei sich bei einem lediglich der Schriftzug mit dem Namen des Hubschraubers ändert. So haben wir einmal den italienischen Hubschrauber von Protezione Civile mit dem Namen Delilah sowie die Georgia Peach von Erickson Air-Crane, wobei der Schriftzug Georgia Peach einmal in weiß und einmal in grün zur Verfügung steht. Wann welche Variante zur Anwendung kam, wird leider nicht erläutert. Beide Versionen sind in dem knalligen Orange gehalten. Eine weitere Version in Grün oder Gelb wäre vielleicht noch sehr schön gewesen, aber dafür muss man wohl warten oder Aftermarket-Decals kaufen.
Für die Farbvorschläge bietet ICM nur die hausinternen Farben an. Farben anderer Hersteller sucht man vergebens.



Bei den Decals kann man nicht meckern, die Qualität ist gut, und es lassen sich keine Fehler im Druck finden. Wie oben schon erwähnt hätte sich ICM die Instrumenten-Decals jedoch auch sparen können, diese halten der restlichen Qualität des Bausatzes nicht stand.
Fazit: Ein fantastisches Modell, viele Details und sehr gute Plastikqualität, jedoch muss man klar sagen, dass es definitiv kein Modell für Anfänger ist und selbst fortgeschrittene Modellbauer womöglich an die Grenzen bringt. Man sollte sich vorher auf jeden Fall einen Plan machen und im Kopf durchgehen, was man wann baut. Der Preis ist eine Hausnummer, mit 100–140 € ist dieser Bausatz wirklich sehr teuer, und man bekommt „leider“ nur den Hubschrauber, keine Wassertanks oder ähnliche Frachtgüter. Das muss man wollen.
Der Bausatz ist eine absolute Empfehlung.
Florian Schuster, Berlin (Januar 2026)

