Vorbild: Der Millennium Falcon ist ein ikonisches Raumschiff der Star Wars-Sag a und in fast allen Episoden spielt er eine prominente Rolle. Ursprünglich sollte Han Solos Schiff eher wie die Corellianische Korvette aus der berühmten Eröffnungsszene von Episode 4 aussehen. Doch als während der laufenden Dreharbeiten die Serie “Space: 1999” (auf deutsch Mondbasis Alpha 1) mit einem ähnlichen Schiff herauskam, wollte George Lucas nicht als Nachahmer erscheinen. So wurde das Schiff in kürzester Zeit umgeplant. Bedingung für das neue Design war: Die beiden von den Modellbauern schon für das alte Design erstellten Bauteile – das Cockpit und die Sensorschüssel – mussten einen Platz am neuen Falcon finden. So entstand das unverwechselbare, asymmetrische Design, das heute fester Bestandteil der Popkultur ist.

Bausatz: Seit der Übernahme der Star Wars-Lizenz hat uns Bandai eine ganze Reihe von exzellenten Kits aus dem Star Wars-Universum beschert. Den “The Last Jedi”-Falken aus der neuen Trilogie, erkennbar an der rechteckigen Sensorschüssel, gibt es bereits seit 2017. Revell bringt diesen Bausatz nun als Re-Box auf den deutschen Markt.

Der Bausatz ist von gewohnter, unvergleichlicher Qualität. Feinste Details, präzise Kanten, der Einsatz von Slide-Molding-Technologie oder auch einfach mehrere Plastikfarben an einem Gießast zeigen, dass Bandai derzeit niemand das Wasser reichen kann. Nicht mal Tamiya. Ja, ich hab es gesagt.

Der kleine Bruder des Perfect Grade Falcon in 1/72 lässt sich genau wie dieser auf Wunsch ohne Klebstoff zusammenbauen, auch wenn man für eine verbesserte Stabilität und Haltbarkeit doch zu etwas Extra Thin greifen sollte. Ebenfalls wie beim großen Bruder sind kleine Figuren von Rey, Chewie, Fin, Han Solo und BB-8 mit an Bord, auch wenn die Anleitung filmgerecht nur die Anwesenheit von Rey und Chewie vorsieht. Alle Figuren hocken in langweilig braven Posen da. Hier sollte man sich nach 3D-gedruckten Alternativen umsehen.

Viele Details sind bereits sauber auf die Teile aufmodelliert, so dass die eigentliche Teileanzahl und damit der Bauaufwand überschaubar bleiben. Man darf wählen zwischen einem transparenten (Flug/Beleuchtung) oder einem undurchsichtigen (Boden/unbeleuchtet) Triebwerksauslass. Ebenso gibt es die Kanzel und die Scheiben der Geschützstellungen wahlweise mit Glas oder ohne (wie beim tatsächlichen Filmmodell – das verhinderte ungewollte Lichtreflexe).

Das Fahrwerk (auch wenn es gar nicht fährt) kann ausgefahren oder eingezogen dargestellt werden. Die sechs Lüfter in der Triebwerkssektion sind schön detailliert dargestellt, werden dann aber mit massiven Plastikscheiben abgedeckt. Das deutet darauf hin, dass Fotätzgitter aus dem Zubehörhandel hier den Durchblick erlauben könnten.

Der transparent-blaue Triebwerksauslass schreit nach Beleuchtung. Ein Beleuchtung ist bereits vom Hersteller vorgesehen und wird separat verkauft. Passende LED-Halter sind im Kit enthalten. Auf dieser Grundlage ist es aber auch kein Problem, selbst eine Beleuchtung einzubauen, ob mit Batterie oder Kabelanschluss.

Mit dabei ist auch ein Display-Ständer mit einer neutralen Bodenoberfläche für alle, die kein Diorama um den Falcon herum bauen wollen.

Anleitung/Bemalung: Die Anleitung führt klar strukturiert durch den Bau. Am Ende finden sich farbige Fotos vom Modell von allen Seiten als Grundlage für die Positionierung der Decals und für die Bemalung. Die Decals liegen in zwei Varianten bei: einmal als selbstklebende Sticker für den etwas jüngeren Erbauer und einmal als klassiche wasserlösliche Decals. Alle farbigen Panels sind auch als Abziehbilder vorhanden, falls man das nicht maskieren und selbst lackieren möchte.

Tipp für die Selbstlackierer: Pobiert mal aus, ob die Umrandungen der Sticker als präzise Lackiermasken für die Panels herhalten können. Da könnte man sich viel Maskierarbeit sparen …

Fazit: Respekt für Revell für den Mut, mit diesem Joint Venture auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszusehen. Der Bausatz von Bandai ist sauber gefertigt, sehr detailreich und baut sich aufgrund des beeindruckenden Engineerings fast von selbst. Empfohlen sei er jüngeren Neulingen, die mit Stecken und Stickern einen schnellen Bauerfolg erhalten, wie auch Profis, die mit präzisem Weathering und Beleuchtung die fantastischen Details dieses Kits herausarbeiten.

Christian Höcherl, Berlin (September 2022)

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