Vorbild: Der sowjetische Raketenkomplex 9K72 Elbrus wird bei der NATO als SCUD-B bzw. SS-1c bezeichnet. Die Entwicklung der Rakete begann im OKB-1 mit der Kurzstreckenrakete R-11. Diese befriedigte allerdings nicht und so wurde ab 1958 eine verbesserte Ausführung dieser Basis im SKB-385 entwickelt. Erste Ergebnisse wurden bereits 1959 vorgestellt. Die neue Rakete hatte nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit dem Vorgänger. Die nun als R-17 bezeichnete Rakete wurde erstmals am 12. Dezember 1959 gestartet und die ersten Raketenkomplexe 1962 an die Sowjetarmee ausgeliefert. Eine genaue Anzahl der produzierten Raketen ist nicht bekannt. Die Angaben schwanken von 7.000 bis 10.000 Exemplaren.

Diese typischen Raketenkomplexe mit dem MAZ 543 8-Rad-Transportfahrzeug wurden ab 1966 auch in die damaligen Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages exportiert. Später erfolgte auch die Belieferung an Verbündete sowie befreundete Staaten wie Nordkorea und der Nahe Osten. Der Iran erhielt 1985 seine ersten Exemplare. Dieser Waffenkomplex wurde weltweit in Konflikten eingesetzt. Selbst im Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan 2020 kam die R-17 noch zum Einsatz.

Mit einer Reichweite von 250 bis 300 km fiel diese Waffe unter die Rüstungskontrollvereinbarungen Ende der 1980er Jahre. Die Weiterentwicklung erfolgte dann in Nordkorea und vermutlich auch im Iran. Im Irak waren die Versuche zur Reichweitensteigerung nicht von Erfolg gekrönt. Die SCUD-B gilt als die am häufigsten eingesetzte ballistische Rakete.

Bausatz: Dieser Revell-Bausatz basiert auf einem Toxso Model Kit. Dieser war nur vereinzelt in Europa erhältlich. In der etwas wabbeligen Schüttbox von Revell befinden sich vier hellgraue Spritzgussrahmen mit 154 Teilen, eine Klarsichtfolie, ein kleiner Decalbogen und die mehrfarbige Bau- sowie Bemalungsanleitung.

Die Abspritzung der Bauteile ist tadellos. Allerdings sind die Details nicht so fein, wie man sie von einem 2020 erschienenen Bausatz erwartet. Ich persönlich mag die Gummireifen anderer Hersteller im gleichem Maßstab nicht, aber sie sind auf jeden Fall detaillierter und realistischer. Hier werden die Räder aus zwei Hälften zusammengefügt, wobei diese dann mit den Achsschenkeln verbunden werden.

Der massive Fahrzeugrahmen wird aus zwei Teilen erstellt. Darauf setzt man dann die komplexe Kabine mit der Motorsektion. Hier sind zwar alle Türen einzeln vorhanden, aber entsprechend den Vorgaben können sie nur geschlossen angeklebt werden. Nicht so einfach ist das Verglasen der runden Fenster in den Türen sowie der anderen Scheiben. Diese sollen passend selbst aus der Klarsichtfolie geschnitten und von innen eingeklebt werden. Immerhin gibt es in der Bauanleitung die entsprechenden Vorlagen. Vielleicht sollte man in Bünde ein passendes Klarsichtteil entwickeln.

Die Kabine ist auch von innen recht ordentlich detailliert. Man muss die vorhandenen Geräte dann selbst entsprechend bemalen. Die auf dem Fahrerdach vorhandene Rundumleuchte besteht leider nicht aus Klarsichtmaterial und muss demzufolge entsprechend bemalt werden. Die Stempel der Stützen können beweglich zusammengesteckt werden.

Danach folgt die Montage der kleinen R-17 samt Starteinrichtung. Hier kann man alles so bauen, dass die Rakete auch in die Startstellung aufgerichtet werden kann. Allerdings muss man beim Zusammenbau darauf achten, den Klebstoff gezielt und sparsam einzusetzen.

Der kleine Decalbogen ist tadellos gedruckt. Die Farbangaben beziehen sich auf das hauseigene System.

Bemalungen:

SCUD-B der irakischen Armee;

SCUD-B der NVA (DDR);

SCUD-B der Sowjetarmee in „Paradebemalung“.

Fazit: Leider fehlen für die Vorbilder die Zeit- und Ortsangaben. Ansonsten findet man hier bei Revell einen soliden Bausatz der SCUD-B in 1/72 für den fortgeschrittenen Modellbauer. Für diesen kann er dann auch vorbehaltlos empfohlen werden.

Volker Helms, Godern (März 2022)

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