Trumpeter Buccaneer S.2D

Vorbild: Die Buccaneer war ein trägerfähiges Angriffsflugzeug, das Ende der Fünfziger Jahre für die Royal Navy entwickelt wurde. Grund für ihre Existenz war die Einführung einer neuen Klasse von extrem schnellen und sehr gut bewaffneten leichten Kreuzern der Soviet-Marine, die Sverdlov Klasse, die primär für die Bekämpfung von Geleitzügen im Atlantik ausgelegt war. Anstatt mit einer ähnlichen Klasse von (teuren) Schiffen zu antworten, entschied sich die britische Seite für die Einführung eines neuen Angriffsflugzeug für die Durchführung von (nuklearen) Tiefangriffen gegen diese Bedrohung. Die entsprechende Spezifikation M.148T wurde im August 1952 herausgegeben. Blackburn Aircraft Ltd., u. a. bekannt für einige eher skurrile Trägerflugzeuge im 2. Weltkrieg, wie Skua und Roc, erhielt den Zuschlag im Juli 1955 und baute daraufhin ein extrem robustes zweisitziges und zweistrahliges Flugzeug für extreme Tiefflüge über dem Nordatlantik. Der Erstflug erfolgte am 30. April 1958 und die operative Einführung der ersten Produktionsversion S.1 in eine Squadron der FAA fand im Januar 1963 statt.

Die mit zwei de Havilland Gyron Junior Turbojets deutlich untermotorisierte S.1 erwies sich im harten Einsatz auf den, im Vergleich zu damaligen US Trägern, überschaubar großen britischen Flottenträgern als echte Herausforderung. Trägerstarts mit voller Zuladung waren nicht möglich, und der Ausfall eines Triebwerks bei Starts oder Landungen auf dem Träger konnte schnell zu katastrophalen Folgen führen. Dies wurde schließlich mit der Einführung der neuen S.2 Version behoben, die mit zwei Rolls-Royce Spey Turbofans ausgerüstet war, die nicht nur 40% mehr Leistung lieferten sondern auch noch deutlich weniger Treibstoff verbrauchten, was die Reichweite erheblich erhöhte. Bis Ende 1966 waren schließlich alle FAA Squadrons auf den neuen Typ umgerüstet. Die in dem Bausatz dargestellte S.2D ist schließlich die finale Buccaneer Version für die FAA, die u. a. die Fähigkeit zum Tragen von Martel Anti-Schiffsraketen erhielt. Sie wurden, parallel zur Außerdienststellung der HMS Ark Royal, des letzten Flottenträgers der Royal Navy, im Februar 1979 an die RAF übergeben, die den Typ noch bis März 1994 weiterverwendete. Insgesamt wurden 211 Maschinen für FAA, RAF und die SAAF (dem einzigen Export-Kunden) gebaut.

Buccaneers waren allgemein bekannt für ihre extreme Robustheit unter widrigsten Einsatzbedingungen und waren bei den Besatzungen sehr beliebt. Insbesondere ihre Tiefstflugfähigkeit war legendär und die Stabilität der Plattform bei Einsätzen mit 500-550 Knoten in 50 Fuß Höhe war mehr als bemerkenswert. Mein Lieblingszitat dazu: „Die Buccaneer ist das einzige Flugzeug, welches das Fahrwerk einziehen muss, damit es auf seine Einsatzhöhe sinken kann.“

Bausatz: Der Bausatz wurde nach langer Vorankündigung durch Trumpeter schließlich Mitte 2026 auf den Markt gebracht und basiert auf völlig neuen Formen. Insgesamt hinterließ diese Veröffentlichung aber bei nicht Wenigen ein kleines Stirnrunzeln, hatte doch Airfix erst in 2022 eine Buccaneer S.2C/D mit ebenfalls neuen Formen im gleichen Maßstab auf den Markt gebracht, der 2023 noch eine S.2B (die RAF-Version) nachfolgte. Und diese Bausätze haben wirklich nur extrem wenig, was daran auszusetzen wäre, wobei die Fokussierung auf die Bedürfnisse von Modellbauern an ihnen besonders hervorzuheben ist. Nichtsdestotrotz ist der neue Bausatz jetzt verfügbar und muss sich nun dem Vergleich stellen.

Der Trumpeter Bausatz 05845 kommt in einem sehr stabilen, 42 x 26 x 10 cm großen Karton, der nach oben geöffnet wird. Der Inhalt füllt die ganze Kiste sehr gut aus und die einzelnen Rahmen sind auf verschiedene Plastiktüten verteilt, wobei manche Teile nochmal zusätzlich mit dünnem Schaumstoff geschützt sind. Die Klarsichtteile und einige andere Kleinteile befinden sich in einem abgeteilten Bereich an der Seite. Insgesamt ist für mich die gegenwärtige Verpackung neuer Trumpeter-Bausätze ein echtes Vorbild für alle anderen Hersteller, wie man empfindliche Teile sicher schützen sollte.

Insgesamt umfasst der Bausatz über 200 Teile in acht verschieden großen Spritzgussrahmen aus mittelgrauem Plastik, sowie einen weiteren für die Klarsichtteile, alles sicher verpackt in den oben genannten Plastiktüten. Hinzu kommen eine kleine PE-Platine für die Sitzgurte und ein paar andere Details, ein vorgeschnittenes Maskenset, die Bauanleitung, ein vollfarbiges Blatt mit den beiden baubaren Varianten, die Decals und ein farbiges Werbe-/Infoblatt, dessen Sinnhaftigkeit sich mir ehrlich gesagt nicht erschließt.

Die Spritzgussrahmen entsprechen den Erwartungen an einen Bausatz aus brandneuen Formen. Sie sind präzise und haben (bis auf eine kleinere Stelle bei mir) keine Gussgrate. Die Auswerfer sind an unproblematischen Stellen platziert und ich konnte nirgends Sinkmarks entdecken. Die Oberflächen sind im Allgemeinen sauber und gleichmäßig, an einigen Stellen (z. B. dem geschlossenen Bombenschacht) ein wenig schlierig, was aber nach der Grundierung keine Problem mehr darstellen sollte. Es gibt nur relativ wenige Angusspunkte an den einzelnen Teilen, die darüber hinaus auch noch gut platziert sind. Die Klarsichtteile verzerren kaum, sind relativ dünn und aus meiner Sicht sehr ordentlich.

Die Oberflächen sind mit feinen Gravuren der Panellines versehen und zeigen zahlreiche Nieten und andere Oberflächendetails in realistischer Ausprägung. Inwiefern sie dem echten Fluggerät entsprechen, kann ich nicht beurteilen (ein Vergleich mit den Airfix-Bausätzen lässt jedoch erhebliche Übereinstimmungen erkennen). Die Fahrwerkschächte und -klappen sowie andere innere Details, z. B. an klappbaren Komponenten, wie Tragflächen, Radom, Speedbrakes und Bombenschacht, sind gut detailliert, verständlicherweise nicht auf 3D-Druck- oder PE-Niveau, aber durchweg akzeptabel und ausreichend für ein schönes Modell ohne weitere AddOns. Das gleiche gilt für die beiden Cockpits mit erhabenen Instrumenten und Schaltern, die mit Decals weiter detailliert werden können. Der Realitätsgrad würde hier aber vermutlich keinen Preis gewinnen, insbesondere sind die beiden einfach nur gespiegelten Cockpit-Seitenteile ziemlich weit entfernt vom Original. Aber um das zu erkennen, muss man sich schon intensiv mit dem Original auseinandersetzen, insbesondere, wenn man die Enge der Cockpits in diesem Maßstab berücksichtigt. Die Schleudersitze bestehen aus jeweils 14 Teilen (inkl. PE) und wirken recht ansprechend. Sogar an die Darstellung des Scheibenwischers durch ein PE-Teil wurde gedacht. Die beiden Lufteinlässe und das Radom sind jeweils in einem Stück gegossen, so dass kein Versatz zu befürchten ist.
Alle im Trägerbetrieb weg- bzw. anklappbaren Elemente sind in beiden Stellungen darstellbar (Tragflächen, Speedbrakes, Radom, Fanghaken), die Flaps können in beiden Positionen gebaut werden, die Querruder und das Seitenruder sind getrennte Bauteile, nur die Höhenruder sind fest mit den Höhenleitwerken verbunden. Die Reifen sind im belasteten Zustand dargestellt, außerdem enthält das Kit noch zwei Einstiegsleitern.
Die Trennung des Rumpfes in drei Teile – Front, Mittelteil inkl. Flügeln bis zur Klappstelle und Heck – entspricht dem Vorgehen in den Airfix-Bausätzen. Wie gut hier die Passgenauigkeit ist, wird erst der Zusammenbau erweisen. Die beigelegten Nutzlasten wirken ein wenig willkürlich, jeweils zwei 1000 lb Bomben, Matra-Rocket-Pods, AS-37 Martel Raketen (die radargelenkten Versionen) und Zusatztanks lassen die Belegung der vier externen Aufhängepunkte nur in Kombinationen zu, wobei gerade vier 1000 lb Bomben durchaus eine gängige Variante darstellten. Ganz zu schweigen von vier weiteren Bomben im offenen Bombenschacht. Aber insgesamt eine ausreichende Auswahl.

Anleitung/Bemalung: Die Anleitung umfasst 16 Seiten im üblichen Trumpeter-Schwarz-Weiß-Stil und führt in insgesamt 28 Schritten hinreichend klar zum Ziel. Sie wirkt allerdings im Vergleich zu moderneren, oft mehrfarbigen, Anleitungen ein wenig in die Jahre gekommen.

Aus der Box können zwei Varianten gebaut werden, die leider wie häufiger bei Trumpeter, nicht näher spezifiziert werden. Diese sind jeweils auf einer vollfarbigen Seite abgebildet, die sowohl Bemalungshinweise gibt als auch die Positionierung der Decals zeigt. Gemäß den verwendeten Kennzeichen handelt es sich:

  • bei Variante A um eine Buccaneer der 809 NAS auf der HMS Ark Royal gegen Ende ihrer Dienstzeit ca. 1978
  • bei Variante B um eine Buccaneer der 736 NAS, die auf der RNAS Lossiemouth gegen 1971/1972 stationiert war

Die Bemalungshinweise enthalten in den Tabellen oben rechts jeweils einige Farben von mehreren Herstellern, wobei der Grund für die jeweilige Aufnahme der Farben in diese Tabellen unklar bleibt, da z. B. die Hauptfarben teils nicht enthalten sind. Die einzigen Farb-Codes, die konsistent sowohl in den Bemalungshinweisen als auch in der Bauanleitung angegeben werden, sind die Mr. Hobby Linien Aqueous und Mr. Color.

Die Decals machen einen ordentlichen Eindruck und vermeiden offensichtliche Fehler. Verschiebungen der Farbregister sind nicht zu erkennen. Stencils sind in ausreichender Zahl vorhanden, ohne zu übertreiben. Einzig die No-Step-Areas auf der Oberseite wirken etwas anspruchsvoll und sollten vielleicht besser in mehrere Teile zerschnitten werden. Ansonsten wirken die Decals selbst recht dünn mit ebenfalls dünnen Rändern.

Vergleich zum Airfix-Bausatz:

Folgende Vorteile sehe ich beim Trumpeter-Bausatz:

  • alle anklappbaren Komponenten können auch angeklappt dargestellt werden
  • Maskenset enthalten
  • PE-Teile für Gurte
  • Scheibenwischer als PE-Teil
  • relativ einfacher Gesamtaufbau

Im Vergleich dazu hat der Airfix-Bausatz aus meiner Sicht folgende Vorteile:

  • eine Triebwerksabdeckung kann geöffnet dargestellt werden, was den Blick auf das Triebwerk zulässt
  • die Zuladungen sind stimmiger (4x 1000 lb Bomben, 2x Matra-Pods, 2x Radar-Martels, 2x TV-Martels, 1x Martel-TV-Pod, 2x Slippertanks)
  • übersichtlichere Bauanleitung
  • zwei Versionen (S.2C und S.2D) mit vier Kennzeichenoptionen
  • Triebwerkabdeckungen sind beigelegt
  • Höhenruder sind bereits getrennt vorhanden
  • stimmigere Cockpits

Fazit: Die Passgenauigkeit kann in einem Review ohne irgendwelche baulichen Aktivitäten naturgemäß nicht überprüft werden, aber mit relativ überschaubarer Mühe lässt sich aus dem Trumpeter-Bausatz gewiss ein schönes Modell dieser letzten Buccaneer-Version für die Royal Navy bauen. Der Detailgrad ist ansprechend und die Möglichkeit, wirklich alle klappbaren Teile, inkl. Radom, auch angeklappt bauen zu können, ist bisher in dem Maßstab einmalig.

Ob der Airfix-Bausatz nun die bessere Alternative darstellt, könnte erst nach dem Bauen der beiden abschließend beurteilt werden. Insgesamt würden für mich allerdings auf dem Papier die Vorteile des Airfix-Bausatzes, insbesondere bei gleichem Preis, überwiegen. Wenn, ja wenn nicht bei der Trumpeter-Ausführung das Radom problemlos anklappbar dargestellt werden könnte und sie dafür die deutlich besser geeignete Variante für ein geplantes Diorama wäre, das eine Buccaneer auf dem vorderen Fahrstuhl der HMS Ark Royal zeigen soll, der so klein war, das wirklich nichts herausragen durfte…

Literatur:

  • Wings of Fame Band 14, Feature Artikel zur Buccaneer, Aerospace Publishing Ltd., 1998
  • Wings over the Fleet, British Naval Aircraft since 1945, James Jackson, Crecy Publishing, 2025

Michael Höft, Falkensee (Oktober 2026)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert