Original: In der Welt der frühen Hot Rods gilt der 1932er Ford als das absolute Kultmodell. Ob als Roadster, Coupé, Limousine, Phaeton oder Pickup – der 1932er Ford ist ein Fahrzeug, das sich viele, wenn nicht sogar die meisten Hot-Rod-Enthusiasten sehnlichst wünschen. So erhielt er den Spitznamen „Deuce“ was übersetzt Teufel heißt. Über Jahrzehnte hinweg hat der „Deuce“ nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Woran liegt das? Es gibt viele Gründe, doch das exklusiv für dieses eine Modelljahr entworfene Design ist einfach fantastisch, und auch die Einführung des Flathead-V8-Motors hat zum legendären Ruf des Deuce beigetragen. Im Jahr 1932 fertigte Ford rund 275.000 Exemplare. Während dieses Produktionszeitraums baute Ford mehr als 400 „Tudor“-Personenwagen zu sogenannten „Sedan Deliveries“ um – einer Art leichtem Lieferwagen. Berichten zufolge waren 58 dieser Lieferwagen mit dem neuen Flathead-V8-Motor ausgestattet, während die übrigen mehr als 340 Exemplare über einen Vierzylindermotor verfügten. Heute geht man davon aus, dass weniger als 20 dieser Fahrzeuge bis in die Gegenwart erhalten geblieben sind.

Bausatz: Der 32er Ford Sedan Delivery hatte 1974 sein Debut in der Street Rod-Version „Keep on Truckin‘ ’32“ und 1978 in der Version „Truckin’ on down ‘32“. Hier wurden lediglich die Decals ausgetauscht. Danach wurde es um den 32er Ford ruhig, es folgte noch eine Sedan / Phaeton Variante bis man ihm 2019 Coca-Cola Decals verpasste und das Fahrzeug zum Werbeträger wurde. Ob ein kontinuierlicher Bezug dieser Coca-Cola Variante bis in das Jahr 2026 möglich war, ist mir allerdings nicht bekannt.





Der Bausatz besteht aus ca. 135 Bauteilen. Diese verteilen sich auf 7 Spritzäste, der Karosserie und Innenraumwanne als Einzelteile, 4 Vinylreifen, eine Metallachse, Decalbogen sowie der Bauanleitung. Der Bausatz wirkt auf den ersten Eindruck recht grob bzw. in einigen Bereichen rudimentär. Fangen wir mit der Karosserie an. Sie weist trotz des hohen Alters erstmal gute Oberflächenstrukturen auf. Am Dach- und Heckbereich fallen gleich die formbedingten Trennlinien auf. Fischhaut findet sich im unteren Bereich. Die dazugehörige Innenraumwanne scheint nicht richtig in die aufgesetzte Karosserie zu passen. Es bilden sich Abstände. Kurioser Weise findet sich auf der Unterseite der Wanne das Firmenlogo von Ertl. Wie es zu dieser Hilfestellung gekommen ist, bleibt scheinbar unklar. Die Wanne selbst weist innen eine feine rautenförmige Verkleidung auf. Die Türinnenverkleidungen und Türöffner sind nur schwach erkennbar. Die Wanne nimmt die zweigeteilten Sitze auf. Diese weisen feine Oberflächenstrukturen mit aufgeprägten Beckengurten auf. Das Armaturenbrett ist einfach gehalten. Die Instrumentierung wird durch eine Bemalung per Hand betont. Das Lenkrad ist neueren Datums. Die Lenksäule ist in der Formgebung authentisch. Die Karosseriescheiben fallen in der Materialstärke rechts massiv aus, weisen aber keine Schlieren oder sonstige Unregelmäßigkeiten auf. Ein „Lupeneffekt“ ist nicht feststellbar.








Widmet man sich nun dem unter der Karosserie liegenden Rahmen zu, erkennt man seitliche Unregelmäßigkeiten an den Längsträgern. Ebenso die seitlich angesetzten Kotflügel vertragen Nacharbeiten. Hier finden sich Fischhäute und relativ große Auswurfmarkierungen. Jede Menge Nacharbeiten finden sich jedoch an den Chromteilen. Als erstes fällt auf, dass die Chrombeschichtung sehr unnatürlich „fett“ ausfällt und dadurch Details „verschwimmen“. Dazu kommt, dass die Teile sehr unsauber reproduziert wurden. Formenversatz, massive Trennlinien, megastarke Angüsse die sich u.a. besonders ärgerlich an filigranen Bauteilen, Beschlägen, Achsträgern, an den Felgenrändern und Scheinwerfern bemerkbar machen. Dazu kommen noch verchromte Auswurfmarkierungen, die später sichtbar sind. Hier wartet auf den Modellbauer jede Menge Arbeit.








Der V8-Motor fällt von der Detailierung relativ vernünftig aus. Mehrteilig gehalten erscheint der Motor dann durch die Chromteile etwas klobig. Eine leichte Verkabelung des Motors wirkt oftmals Wunder. Die dazugehörige Motorhaube weist seitlich etwas ungleichmäßige Kühlrippen auf.



Die Bereifung wiederrum fällt in Qualität und Aussehen hervorragend aus. Seitlich finden sich an den Flanken die weißen Good Year Logos und auf der Lauffläche ein einwandfreies Profil. Die Hinterräder werden mit einer Metallachse verbunden. Vorn werden die Felgen auf einen Achszapfen geschoben.


Bauanleitung / Bemalung: Ein typisch amerikanisches Faltblatt führt einfach und übersichtlich durch 14 Bauabschnitte und ist natürlich nur in englisch gehalten. Bei der Bemalung greift der Hersteller auf die Farbezeichnungen schwarz, weiß, rot usw. zurück. Der Decalbogen ist als hervorragend zu bewerten. Jede Menge Coca-Cola Werbung in teilweiser Retro-Werbebedruckung, sauber und randscharf gedruckt.





Fazit: Eine Licht- und Schatten-Wiederauflage eines Hot Rod Klassikers. Punkten kann der Bausatz in der Form als Coca-Cola Werbeträger und in seiner Einzigartigkeit. Es gibt meines Wissens keinen weiteren Hersteller, der einen `32 Ford Sedan Delivery in seinem Sortiment hat. Der in die Jahre gekommene Bausatz reicht aber an die heutigen Qualitätsansprüche kaum ran. Ein Hardcorebastler könnte mit viel Kreativität, Geduld und Spucke aus dem Bausatz noch einiges rausholen.
Erhältlich ist der Bausatz bei gut sortierten Modellbauhändlern.
Alexander Hilbig, Berlin (August 2026)

