Ein Besuch bei Peter Hartmanns „Modell – Portraits Museum“ in Blankenese ist eine kleine Zeitreise – und gleichzeitig ein sehr persönliches Erlebnis für jeden, der sich für Modellbau und Luftfahrtgeschichte interessiert.

Schon der Ort selbst ist ungewöhnlich: Das Museum befindet sich in einer ruhigen Seitenstraße in Blankenese, in einem ehemaligen Schlachthaus, das Peter Hartmann seit 2016 in Eigenregie Schritt für Schritt in ein liebevoll gestaltetes Modellbaumuseum verwandelt hat. Wo früher ganz andere Dinge stattfanden, stehen heute zahlreiche Vitrinen, in denen Flugzeuge und Luftfahrtdioramen im Maßstab 1:72 und 1:48 ausgestellt sind. Ergänzt werden die Vitrinenmodelle durch einige Flugzeuge im Großmaßstab 1:32 und 1:24, die als „Eyecatcher“ auf separaten Stehtischen präsentiert werden.

Die Sammlung besteht überwiegend aus Militärflugzeugen, doch wer hier nur eine Reihe sauber gebauter Modelle erwartet, wird schnell merken: Die Präsentation ist weit mehr als eine reine Modellschau. Jede Vitrine erzählt ihre eigene kleine Geschichte. Neben den Flugzeugen finden sich historische Zeitdokumente, alte Filmplakate, Kragenspiegel der Luftwaffe, Fliegermützen, Abzeichen und weitere zeittypische Utensilien. Diese Details ordnen die Modelle in ihren historischen Kontext ein und schaffen eine Atmosphäre, die eher an ein kleines Geschichtskabinett als an eine klassische Modellbauausstellung erinnert.

Besonders interessant sind auch einige originale Filmplakate zu bekannten Fliegerfilmen der 1950er-Jahre und historische Illustrierten. Darunter finden sich Materialien zu „Der Stern von Afrika“ mit Joachim Hansen als „Leutnant Marseille“, zu „Einer kam durch“ mit dem jungen Hardy Krüger in seiner Rolle als „Franz von Werra“ sowie zu „Des Teufels General“ mit dem unvergessenen Kurt Jürgens. Diese Stücke ergänzen die ausgestellten Modelle auf besonders stimmige Weise und spiegeln zugleich den Zeitgeist der Nachkriegsjahre wider, in denen Luftfahrtgeschichten auch auf der Kinoleinwand eine große Rolle spielten.

Besonders beeindruckend ist die Detailarbeit an den Flugzeugen selbst. Viele Modellbauer greifen bei Hoheitszeichen oder Markierungen auf die beiliegenden Decals zurück oder verwenden Maskenschablonen zum Lackieren – nicht so Peter Hartmann. Er hat sämtliche Hoheitszeichen bis hin zu kleinsten Stencils mit dem Pinsel selbst aufgemalt. Was zunächst nach einer kleinen Anekdote klingt, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als echte Meisterleistung. Die Linien sind präzise, die Proportionen stimmen, und selbst kleinste Abzeichen wirken wie gedruckt. Hier sieht man, dass Peter Hartmann als Graphiker und Werbefachmann diese Fertigkeiten von der Pike aus gelernt hat.

Auch die berühmten „Nose Arts“ amerikanischer Schlachtflugzeuge fehlt natürlich nicht. Die kleinen Illustrationen an den Flugzeugnasen – oft humorvoll, manchmal frech – hat Hartmann ebenfalls von Hand gemalt. In dieser Größe wirken sie fast wie Miniaturgemälde und gehören zu den besonderen Blickfängen der Ausstellung.

Neben all den Modellen und historischen Objekten bleibt aber vor allem eines in Erinnerung: die persönliche Atmosphäre. Bei einer Tasse Kaffee ergab sich schnell ein angeregtes Gespräch über das gemeinsame Modellbau-Hobby. Den Kaffee konnten wir in einer kleinen Sitzecke genießen, die perfekt zum Thema des Museums passt: Der Tisch war als nachgebildete, genietete Tragfläche gestaltet, während die leichten Aluminiumstühle an das Material und die Formensprache klassischer Flugzeuge erinnerten.

Wer das Museum besuchen möchte, sollte vorher kurz zum Telefon greifen: Das Modellbaumuseum ist täglich geöffnet, allerdings nur nach telefonischer Absprache. So bleibt genug Zeit für persönliche Gespräche und einen entspannten Rundgang durch diese außergewöhnliche Sammlung.

Die Zeit vergeht wie im Fluge und so verlässt man das Modellbaumuseum nicht nur mit vielen neuen Eindrücken, sondern auch mit dem Gefühl, einen Ort besucht zu haben, der mit viel Leidenschaft, Geduld und Liebe zum Detail entstanden ist. Ein kleines Museum, das zeigt, wie groß ein Hobby werden kann, wenn jemand ihm mit echter Hingabe nachgeht.

Wer nun Interesse bekommen hat, sich einmal selbst im Modell-Portraits-Museum in Blankenese umzuschauen, kann einen Termin mit Herrn Hartmann vereinbaren und erreicht Ihn unter 0160 – 544 4045. Der Eintritt in die Modellbauwelt ist frei, aber Spenden sind willkommen.

RH & AS (09.03.2026)

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