Das Vorbild: Die italienische Fiat BR.20 „Cicogna“ (dt. „Storch“) war ein mittlerer zweimotoriger Bomber, der als freitragender Tiefdecker mit teileinziehbarem Fahrwerk und Doppelleitwerk ausgelegt war. Der Rumpf bestand aus geschweißtem Stahlrohr und war an Vorder- und Mittelteil mit Duraluminiumblech beplankt; der hintere Rumpfteil war mit Stoff bespannt.
Der Prototyp der Fiat BR.20 flog am 10. Februar 1936 zum ersten Mal und hinterließ sofort einen guten Eindruck. Die Serienmuster erhielten 1000 PS starke Fiat-A.80-RC41-Motoren und zahlreiche Detailverbesserungen. 85 Exemplare der militärischen Version wurden unter anderem nach Japan verkauft, wo sie von den Fliegerkräften der kaiserlichen japanischen Armee während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs eingesetzt wurden, sich jedoch nicht sonderlich bewährten und später von Mitsubishi Ki-21 Bombern abgelöst wurden.
Nachdem im September 1936 die ersten BR.20 an das 13. Stormo Bombardamento Terrestre ausgeliefert worden waren, setzten die Italiener das Muster im Spanischen Bürgerkrieg unter der Aviazione Legionaria ein. Haupteinsatzgebiet war der Mittelmeerraum in Nordafrika, Griechenland und Jugoslawien. Bald stellte sich jedoch heraus, dass das Flugzeug nicht mehr konkurrenzfähig war und nur noch zum Küstenschutz oder für die Ausbildung taugte. (Auszug aus Wikipedia)
Der Bausatz: Die Erstauflage der BR.20 als Bausatz im Maßstab 1:38 bei Special Hobby erfolgte bereits im Jahr 2010. Seit dieser Zeit folgten zwei weitere Veröffentlichungen mit zusätzlichen Teilen. Bei der vorliegenden vierten Wiederauflage erhalten wir nun neue und interessante Markierungsoptionen zum Bau eines Bombers, der sich im spanischen Bürgerkrieg im Einsatz befand, einer Maschine mit japanischen Markierungen (!!) sowie eine italienische Variante.
Special Hobby liefert uns den Bausatz in einem stabilen Stülpkarton mit ansprechender Boxart auf der zwei japanische Bomber im Luftkampf mit zwei chinesischen I-153 während das Japanisch-Chinesischen Krieges abgebildet sind.
Im Inneren des Kartons befinden sich insgesamt sieben Gussäste aus grauem Plastik, zwei transparente Teileträger, ein Beutel mit diversen Teilen zum Bau der Fiat A.80 RC 41 Triebwerke aus Resin und ein kleiner Ätzteilebogen. Komplettiert wird das Ganze natürlich noch durch den entsprechenden Bauplan.
Keines der Teile weist gravierende Mängel, Auswerfermarken oder Fehlstellen auf, aber die Gussäste zeigen sofort, dass es sich bei diesem Bausatz um einen Short-Run Kit handelt. Offensichtlich wird dies insbesondere durch vergleichsweise dicke Angussstellen der Teile mit den Gussrahmen und weniger ausgefeilte oder scharfe Details insbesondere in Bezug auf die Gestaltung des Innenraumes oder des Fahrwerks. Positiv anzumerken ist jedoch, dass das Gesamtdesign sehr gut mit dem Original übereinstimmt und auch die Gestaltung der Flügel und des Rumpfes absolut stimmig wirkt. Der Zusammenbau startet mit den Rumpfteilen, wobei man hier den Bugbereich als separate Teile erhält, die mit dem Hauptrumpf zu verbinden sind. Ähnlich modular sind die Bereiche am Rumpfrücken gehalten, um auch alternativen Varianten gerecht werden zu können. Der Innenbreich für die Crew ist vergleichsweise spartanisch umgesetzt, weshalb man auf den passenden Zurüstsatz von Eduard zugreifen sollte. Positiv ist dabei anzumerken, dass man sowohl den Bereich in der Mitte des Rumpfes, wie auch das Cockpit berücksichtigt hat. Wegen der transparenten Nase und den seitlichen Fenstern sind beide Bereiche einsehbar.
Die Spanten des Innenraums sind grob angedeutet und für die „Verkleidungen“ der Flügelansatzstellen liegen passende Abdeckungen als separate Teile bei. Die Waffenstände im Bug und auf dem Flugzeugrücken sind sauber, aber auch eher spartanisch umgesetzt. Besonders bei den beiden 7,7mm MGs sollte man zumindest bei den Rohren den Zubehörmarkt nutzen.
Als interessantes Konzept empfinde ich den Zusammenbau der Flügel, da diese aus den Ober- und Unterteilen und den separaten Abschlussprofilen mit separaten Befestigungszapfen zum Rumpf bestehen. Kann man so machen, muss man aber nicht. Die Teile des Heckleitwerkes müssen jeweils aus zwei separaten Flügelteilen zusammengeklebt werden. Die gilt sowohl für das Höhen- wie auch für das Seitenleitwerk. Interessant.

Weiter geht es dann mit dem absoluten Schmuckstück des Bausatzes. Die beiden Triebwerke. Diese kann man aus sehr schön abgeformten Resinteilen zusammenbauen, wobei 18 Zylinderköpfe pro Motor anzubauen sind. Hier ist wieder einmal eine ruhige Hand gefordert um alles korrekt anzubringen. Ebenfalls aus Resin sind die Abgasrohre und das Mittelsegment der Propeller. Sehr schön gemacht!




Wie bereits erwähnt, sind die Fahrwerksteile sehr einfach gehalten. Hier kann man sicherlich noch Bremsleitungen oder weitere kleine Details ergänzen.




Schließlich sind noch diverse Kleinteile anzubauen, wobei auch Ätzteile zum Einsatz gelangen.

Die Klarsichteile machen einen sehr guten Eindruck und hier ist man sehr gut beraten sich den passenden Maskensatz von Special Hobby zuzulegen, da es wirklich Vieles abzukleben gilt.


Ätzteile und Abziehbilder
Der Bauplan: Für den Zusammenbau liegt ein 12-seitiges Heft im Format DIN-A4 bei, das in gewohnter Weise sehr ausführlich und klar den Bau des Modells unterstützt. Bereits während der einzelnen Abschnitte erhält man darin Informationen zur Bemalung der nach dem Zusammenbau schwer zugänglichen Teile oder Bereiche. Für die Farben findet man Referenzen auf die Sortimente von Gunze.

Für die Markierungen liegt ein Bogen mit sauber gedruckten Abziehbildern bei.
Die Decals ermöglichen den Bau von drei unterschiedlichen Maschinen mit interessanten Farboptionen.
Im Detail handelt es sich dabei um:
– 23-23, Squadriglia 13 Stromo BT, Spanien, 1937
– No 104, 12. Sentai, Japan, 1939
– MM21719/235-2, 230° Squdriglia, Italien, 1939



Fazit: Ein absolut interessanter Bausatz eines vergleichsweise exotischen Flugzeuges. Besonders positiv zu erwähnen sind die extrem interessanten Markierungsoptionen.
Empfehlenswert für Modellbauer mit Erfahrung im Umgang mit Short Run Bausätzen!
Erhältlich im gut sortiertem Modellbaugeschäft oder direkt bei Glow2b.
Gert Brandl, Berlin (März 2025)