Luftwaffenmuseum Bundeswehr - Flugzeugbergung November 2009

Das Luftwaffenmuseum der Bundeswehr hat Ende des vergangenen Jahres, in Zusammenarbeit mit Pioniertauchern der Bundsweswehr und Polizeitauchern, eine Flugzeugbergung im Kleinen Jasmunder Bodden (Insel Rügen) durchgeführt.

Die Anregung für einen Bergungsversuch gab der Bürgermeister der Gemeinde Baabe, Dieter Mathis. Für ein solches Unternehmen gab es zwei Probleme: Zum einen fehlten zuverlässige Positionsangaben zur Lage des Wracks, zum anderen herrschen in dem relativ seichten, schlammigen Gewässer sehr schlechte Sichtverhältnisse. Die Lösung des ersten Problems brachte eine Befragung von Boddenfischern, die sich in der Vergangenheit am Wrack ihre Netze zerrissen hatten; sie konnten die ungefähre Lage angeben. Der Einsatz eines Echolotgerätes von einem Schlauchboot aus brachte dann Ge­wiß­heit über den Absturzort der Maschine. Die Bergung konnte beginnen…

Nachdem die Tragflächen mit Kabinenteil an Land waren, zeigte sich, dass der obere Bereich total zerstört war: Kabinentüren und Windschutz fehlten. Zur Absturzursache ergibt sich aus Indizien folgendes Bild: Der Rumpf des Flugzeuges wies einen Durchschuss hinter dem Kraftstoff-Einfüllstutzen auf, auch der Zusatztank war getroffen worden. An der Wand der Zelle waren Brandspuren zu erkennen. Aus dem Trefferbild ergibt sich ein Angriff auf die »Taifun« von oben.
Am Triebwerk befanden sich die hölzernen Reste der starren Luftschraube, wie sie bei frühen Varianten der Bf 108B eingesetzt wurde. Auf diese Einordnung deutet auch der noch gut erhaltene dunkelblaue Lack hin, der bis etwa 1940 bei Messerschmitt verwendet worden war, aber auch am Wrack vorgefundene Bauteilschilder, die auf Produktion der Maschine im Jahr 1939 in Regensburg hinweisen. Beide Blattseiten waren offenbar bei laufendem Triebwerk aufgeschlagen und die Enden dabei abgerissen.

Die beschriebenen Beschädigungen könnten bedeuten, dass die Maschine nach Beschuss mit laufendem Triebwerk über die linke Tragfläche Wasserbe­rührung bekommen hatte und dabei das Heckteil abbrach. Dafür sprechen die Beschädigungen der linken Tragfläche und des linken Tragflächenanschlusses im Bereich der Kabine.
Interessant ist der Fund eines an das Bordnetz angeschlossenen Reflexvisiers Revi C 12D im Innern des Kabinenbereichs. Vielleicht war die Maschine zu Zielanflugübungen unterwegs. Das würde im Übrigen die Ergebnisse vorläufiger Recherchen stützen, nach denen die Bf 108 zum Jagdgeschwader JG 103 gehörte und im Dezember 1944 in Parow stationiert gewesen sein könnte.

Alle Teile wurden zwecks Abtransport ins Luftwaffenmuseum der Bundeswehr in Berlin auf bereitstehende Lastwagen verladen und gesichert. Die Verriegelungen zwischen Tragflächen und Kabinenteil hatten sich problemlos öffnen lassen, so dass die Zerlegung des sperrigen Fundstückes in ‚handliche‘ Teile möglich war. Im Museum sind die Wrackteile zunächst sorgfältig gereinigt und anschließend konserviert worden. Leider förderten die dabei durchgeführten Untersuchungen nicht das Werknum­mern­schild des Flugzeuges zutage. Seitens des Luftwaffenmuseums ist zunächst geplant, die Wrackteile im Fundzustand zu belassen und in den Ausstellungsräumen zu präsentieren. Ein späterer Wiederaufbau bleibt zu klären, die Basis für ein solches Projekt ist jedenfalls nicht schlecht.

Hintergrundinformation: 1934 unter der Kurzbezeichnung Me 108 als viersitziges Reiseflugzeug für zwei (drei) Passagiere und zwei (einen) Piloten für den Europa-Rundflug von den Bayerischen Flugzeug­werken konstruiert, erwies sie sich in der Folgezeit als leicht zu fliegende Maschine mit exzellenter Bodensicht für die Besatzung und Spitzengeschwindigkeit von bis zu 300 km/h. Im Juli 1939 wurde mit ihr ein Höhenrekord von 9075 m aufgestellt. Von der Bf 108 wurden – alle Versionen zusammengenommen – ca. 900 Stück gebaut. Zunächst für zivile Nutzung vorgesehen, wurde die Bf 108B im 2. Weltkrieg als Verbin­dungs- und Schulflugzeug bei der Luftwaffe eingesetzt.

Das "Wrack" ist z.Zt. im Ausstellungshangar 3 (Eingangsbereich Museums-Shop) besichtbar, bis es seinen endgültigen Ausstellungsbereich im Luftwaffenmuseum bekommt.

Förderverein des Luftwaffenmuseums der Bundeswehr, Februar 2010