Berijew Be-4 (KOR-2)

Mars Models 48003 - 1/48

Vorbild: Die sowjetische Berijew Be-4 (auch KOR-2) ist ein einmotoriges, katapultierfähiges Flugboot aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die Be-4 besaß einen zweistufig gekielten Rumpf in Ganzmetallbauweise. Das Triebwerk M-62 befand sich auf einem Pylon oberhalb der Pilotenkanzel. Der Tragflügel war abgeknickt und besaß pro Seite einen einstufig gekielten Stützschwimmer. Sie fand Verwendung als Bordaufklärungsflugzeug bei den Kreuzern und Schlachtschiffen der sowjetischen Schwarzmeerflotte.

1939 erhielt Georgi Berijew den Auftrag, ein Nachfolgemuster für die KOR-1 zu entwickeln. Daraus entstand die KOR-2, deren erster Prototyp am 21. Oktober 1940 mit Pilot Kotjakow in Taganrog erstmals flog. Die Werkserprobung dauerte bis zum Januar 1941, danach ging das Flugzeug zur staatlichen Erprobung an das Forschungsinstitut der Marineflieger (LII). Diese wurde vom 2. bis zum 18. Februar von Pilot Malkow durchgeführt.

Die Serienfertigung wurde beschlossen und sollte unter der Bezeichnung Be-4 im Werk Nr. 288 Sawelowo bei Moskau aufgenommen werden. Bis zum Beginn des Großen Vaterländischen Krieges konnten aber nur zwei Flugzeuge fertiggestellt werden. Mit einem davon (Seriennummer 28802) fand ab 13. August mit Pilot Rejdel die Serienerprobung statt.

Im Oktober 1941 erfolgte die Evakuierung des Werkes nach Omsk aufgrund der Bedrohung durch deutsche Truppen. Dort konnten noch sechs Be-4 fertiggestellt werden. Im Werk Nr. 477 in Krasnojarsk, dessen Leiter Berijew ab Mai 1943 war, erhielten die Be-4 Unterflügelaufhängungen, um wahlweise Bomben, Raketen oder Wasserbomben mitführen zu können. Dort wurde auch 1944 die Serienproduktion fortgesetzt und es entstand bis zum Ende der Fertigung 1945 der größte Teil der gebauten Be-4 (38 Stück). Ab 1942 begann die Auslieferung der Be-4. Sie wurde unter anderem auf den Kreuzern Kirow und Maxim Gorki zur Küstenaufklärung, U-Boot-Abwehr und Transportaufgaben eingesetzt.

In ihrer Gewichtsklasse konnte sich die Be-4 mit allen in der Zeit eingesetzten Flugbooten messen; da der Schwerpunkt der sowjetischen Flugzeugindustrie aber auf der Produktion von Jagd- sowie Schlachtflugzeugen lag, wurden von ihr nur sehr wenige Exemplare hergestellt. Insgesamt entstanden einschließlich der Prototypen 47 Flugzeuge. Als Weiterentwicklung entstand 1947 die Be-8, die jedoch nicht in Serie ging.
Quelle: Wikipedia Berijew Be-4

Bausatz: Die noch recht junge Firma Mars Models aus der Ukraine hat gerade ein Modell dieses interessanten Flugbootes in 1/48 herausgebracht. Die Form des Originals hat es mir angetan und nachdem be die Qualität des Bausatzes lobte (was nicht sehr oft vorkommt) habe ich mir das Modell direkt vom Hersteller bestellt. Die Kaufabwicklung ist etwas seltsam, mit Überweisung ins Baltikum. Aber der Bausatz traf recht zügig bei mir ein. Leider ist der Karton nicht sehr stabil und für einen Transport im Luftpolsterumschlag ungeeignet. Somit hatte ich Bruch an zwei größeren Teilen. Dies ließ sich jedoch gut kleben und die Bruchstellen waren schnell vergessen.

Im arg geschundenen Karton finden sich 10 graue und ein klarer Gießrahmen, eine Platine Fotoätzteile, ein Fotofilm für die Instrumente, Masken und Decals für 8 Luftfahrzeuge aus den 1940er Jahren. Im ersten Moment denkt man natürlich "typisch osteuropäischer Shortrun", aber nach der Erfahrung mit Wingsy Kits warf ich einen näheren Blick und war angenehm überrascht. Die Gießrahmen sind alle vergleichsweise klein (22 x 10-12 cm), So einen kleinere Spritzgießmaschine ist eben in der Anschaffung nicht so teuer. Die Qualität der Abspritzung ist aber sehr gut. Die Oberflächen sind glatt uns zeigen feine versenkte und gleichmäßig tiefe Gravuren. Eine Nietendarstellung gibt es nicht. Die beim Original stoffbespannten Flächen machen einen ganz guten Eindruck, auch wenn ein Vergleich mit einem Original sicher zeigen würde, das diese dort fast eben sind. Das wird bei jedem Modell so sein, 100% Maßstabstreue gibt das Original nicht unbedingt besser wieder…

Der Rumpf hat im Cockpit und beim Abwehrstand eine komplette Inneneinrichtung. Wie gut diese wirklich ist, zeigt sich beim Bau. Die Materialstärken und Details gehören zum Feinsten, was ich in Spritzguss gesehen hab. Außerdem gibt es nur minimale Formtrennähte. Die Aufteilung ist ebenfalls wohl durchdacht. Das Cockpit wird auf der ersten Stufe des Bootsrumpfes aufgebaut, die Rumpfseitenteile haken in diese ein, so dass es einen wunderbaren Formschluss gibt. Der hintere Raum wird in die Rumpfhälften eingebaut. Diese bilden auch die zweite Stufe. Das Leitwerk ist separat auf den Rumpf zu kleben. Alle Steuerflächen sind ausgelenkt darstellbar!

Die vielteilige Tragfläche mit Triebwerk ruht auf einer zentralen Stütze und ist außerdem mit vier Streben gegen den Rumpf angestrebt. Den Rohbau dieser Baugruppe habe ich schon fertig und hier passte alles sehr gut. Man muss allerdings mit Augenmaß arbeiten, da es keine Passzapfen gibt. Beim Rumpf helfen die vielen einzuklebenden Spanten eine optimale Passung zu erzielen… wirklich gut gemacht!

An dieser Stelle möchte ich aber einwerfen, das dies kein "Tamigawa Shake‘n‘bake kit" ist. Man muss viele Teile verbauen. Diese sind zuvor vorsichtig aus dem Gießrahmen zu trennen (ich nehme meine erprobte 0,1mm Hypercut Säge) und zu versäubern. Viele der Teile sind klein und filigran! Die Rumpfinnenseiten haben nur die Stringer und einige Positionierungshilfen aufgeprägt, alle anderen Strukturen sind anzukleben. Die mehrfache Vergabe von Teilenummern (siehe Bild unten) und einige Änderungen, die nur in der Gießrahmenübersicht dokumentiert wurden, sind nicht gerade hilfreich. Man muss also konzentriert arbeiten und hier und da auch mal probepassen.

Bemalungsvarianten:

  1. KOR-2 1. und 2. Prototyp (jeweils rote Leitwerksnummer) Werk Nr. 31 Taganrog Herbst 1940 bzw. Sewastopol Winter-Frühling 1940-41
  2. Be-4 2. Serienflugzeug aus dem Werk 288 Sawjolowo September 1941
  3. Be-4 frühe Serie "weiße 2" Kreuzer "Molotow" Schwarzmeerflotte 1944
  4. Be-4 frühe Serie "weiße 08" Kreuzer "Kaganowitsch" Pazifikflotte 1945-47
  5. Be-4 späte Serie "weiße 02" Kreuzer "Kalinin" Pazifikflotte 1947
  6. Be-4 späte Serie "weiße 6" Kreuzer "Molotow" Schwarzmeerflotte 1944
  7. Be-4 späte Serie aus dem Werk 477 1943-45

Die Darstellung der Farben im Bemalplan ist irreführen. Insbesondere die Unterseitenfarbe Gunze H324 ist eher ein Grau, bei AKAN ist A-28M ebenfalls ein grau mit leichtem beige Stich. Ich hab mich für Bemalungsvariante 3 entschieden… da kann man nicht soo viel falsch machen. Die Abziehbilder sind typisch für osteuropäische Hersteller. Die sehen auf dem Papier ganz o.k. aus, können aber unangenehm in der Verarbeitung sein. Sie sind jedenfalls im Register, d.h. ohne Versatz, gedruckt. Auf die Masken würde ich nicht unbedingt setzen. Mein Eindruck ist, das diese im günstigeren steifen Material von Oracover ausgeführt sind, welches dazu noch zur Schrumpfung neigt. Für die ebenen Flächen kann man diese mal ausprobieren. Ansonsten würde ich lieber auf das gelbe "Kabuki"-Tape ausweichen, das gibt's inzwischen auch im Baumarkt.

Fazit: Mit diesem Modell hat man die Chance Modellbau wieder urspr√ľnglich zu erleben. Kein Zubehörwahn (es wir ohnehin sehr wenig geben), out of the box aber mit ein wenig Anspruch an Konzentration und Fleiß. Die Passgenauigkeit ist sehr gut, man darf nur keinen Anguss vergessen (z.B. dort wo die Rumpfseiten in den Bootsrumpf einhaken)

Wie oben geschrieben, habe ich das Modell beim Hersteller gekauft. Ob sich ein Importeur finden wird, hängt sicherlich auch von den weiteren Produkten ab, allerdings konzentriert man sich bei MARS Models offensichtlich auf die eher selteneren Vorbilder (in 1/48: Jak-2/4, La-15, MiG-9, R-10 und in 1/72 Do 23, Jak-40 usw.)

Steffen Arndt, Barsinghausen (September 2019)