Messerschmitt Me 410 Hornisse

Italeri 074 - 1/72

Dieses Italeri-Modell, welches sich derzeit nicht im Lieferprogramm des größten italienischen Plastikmodell-Herstellers befindet, ist gerade einmal das fünfte Modell des gleich in mehrerer Hinsicht bemerkenswerten letzten Zerstörers der ehemaligen Luftwaffe in zweiundsiebzigfacher Verkleinerung. Das zeigt, dass dieser Typ bedauerlicherweise nicht für bedeutend genug gehalten wird, um etwas anspruchsvoller bzw. überhaupt repräsentiert zu werden. Was auch immer diese Entscheidung verursacht haben mag, führt das Resultat zwangsläufig dazu, dass man als Plastikmodellbauer dankbar sein muss, dass es die „Hornisse“ überhaupt von der Fa. Italeri gegeben hat.

Der aus zwei im verbreiteten Hellgrau gehaltenen Gussrahmen bestehende Baukasten ist wirklich nicht schlecht. Er repräsentiert den gewohnten Standard des Unternehmens, das als erstes europäisches überhaupt die Notwendigkeit einsah, endlich mal einen ausreichend zeitgemäßen Me 410-Kit in „Recessed-Panels Bauart“ zu schaffen. Das man dann dort (einmal mehr) leider nicht der lukrativen Versuchung, mittels mehrfach nutzbaren Formen-Material gleich zwei Baukästen bestücken zu können, widerstehen hat können, bzw. erneut wieder aus nur einer Form gleich zwei separate Artikel schuf, ist allerdings eine andere Geschichte.

Der Spritzling der die beiden Rumpfschalen wie auch alle weiteren Teile zur dessen Komplettierung enthält, ist völlig identisch mit demjenigen aus dem ebenfalls bereits nicht mehr angebotenen Me 210-Bausatz, welcher übrigens auch einige Zeit von Bünde aus in Lizenz angeboten worden war. Die Verwendung gleicher Teile bei diesen Messerschmitts wäre diesmal aber nicht ganz so problematisch. Weil es innerhalb der durchaus reichhaltigen Fachliteratur nirgends überzeugend glaubhafte oder besser ausgedrückt wirklich stichhaltige Hinweise dafür gibt, was denn am Hornissen-Rumpf konkret anders als am den der (nachträglich verlängerten) 210er war. Daher muss man fast davon ausgehen, dass seinerzeit tatsächlich fast identische Rümpfe Verwendung fanden. Schließlich soll es vom zuvor eingestellten Me 210-Bauprogram noch etliche auf Halde liegend gegeben haben.

Im Zuge seiner Rationalisierungsmaßname liefert Italeri folgerichtig gleich auch die selben Klarsichteile für die recht auffällige Kabinenverglasung dieser Maschinen mit. Was aber in Ordnung geht, nachdem es wie gesagt beim Rumpfaufbau, aufgrund der immer weniger werdenden letzten Zeitzeugen, heute beinahe unmöglich sein dürfte in Erfahrung zu bringen, was es denn konkret an Unterschieden gab, wäre dies bei der Cockpitverglasung dann sicherlich noch weit schwieriger.

Lediglich Tragflächenform und Anordnung von Klappen sowie Rudern ist bei den beiden Bausätzen aus Italien dann, völlig korrekt, etwas unterschiedlich. Was zumindest den guten Willen zur ansonsten erwartet guten Detailtreue von Italeri bezeugt. Allerdings sind die Motorengondeln bei beiden Kits identisch. Daher fehlen bei beiden die zwei kleinen Luftansaug-Hutzen unten vorne. Das ist schon etwas peinlich, da sowohl Frog als auch der sehr zaghaft gravierte Matchboxkit jene Details berücksichtigt hatten! Auch gibt es mittlerweile ein Zubehörset für die Italeri Me410, worin man eine Seitenruderfinne mit authentischer ausgeformten Oberflächendetails der Kontrollflächen findet. Diese eher kleine Abweichung würde ich vernachlässigen wollen.

Auch sonst sind die Bauteile wie Räder, Fahrwerksbeine, Barbetten etc. sehr gut gelungen. Insbesondere das ausgezeichnete Cockpitinnere fällt hier auf! Was Da stört es kaum, das der Fine Molds-Bausatz auch dort noch etwas filigraner ausgestattet ist, da er sogar separate Konsolennachbildungen für die Cockpitseitenwände und auch eine noch besser getroffene Waffenanlage für den Funker, worin sogar der pistolenartige Knauf des Auslösemechanismus der ferngesteuerten MGs sichtbar wird, beinhaltet. Solche Details bleiben bedauerlicherweise nur der Spitzenklasse (auch preislich) vorbehalten. Diese könnten aber individuell durch etwas Eigenaufwand beim italienischen Kit herausgearbeitet werden.

Der Guss ist in Ordnung, obwohl es bei meinem Exemplar einige Schwachstellen gab, da der Rand einer Motorengondel etwas „angeschwollen“ war und es ein paar Einsinkmulden im Bereich der Passstifte zu beklagen gibt.

Der größte Minuspunkt ist die Bauanleitung. Vom leider bei allen deutschen Luftwaffeflugzeugen dieser Firma durchgehend angegebenen, lächerlichen „Resedagrün“ anstatt RLM 02-Grau abgesehen, finden sich diesmal noch einige weitere Fehler. Die schlampig oder lustlos abgefasste Vorbild-Beschreibung die schon sachlich hinkt ist da noch das kleinste übel. Was mich vielmehr ärgert sind die Schnitzer bei den Bemalungsvorschlägen, die man leicht vermieden hätte, wenn man nur ein klein wenig Sorgfalt hätte walten lassen!

Sicherlich kann es mal beim Arbeiten mit dem CAD-Program dazu kommen das im Layout die Unterseiten-Skizze seitenverkehrt ausgegeben wird. Das man darüber hinaus vergisst das weiße Rumpfband an der „Gelbe Sieben“ als weiß zu streichende Fläche zu deklarieren, will ich zähneknirschend auch noch nachsehen. Die tadellos gedruckten Stencils am erstaunlich kleinen aber feinen Decalbogen auszudrucken, aber dann deren Position auf einer ausgesprochenen Mini-Skizze (im 1/144er Maßstab, sic!) mit deshalb nur noch recht undeutlich, vage weisenden Pfeilen anzugeben, ist dann aber echt nicht mehr fair. Da hätte Italeri wirklich besser und genauer sein müssen. Die Bemalungsvorschläge sind ansonsten authentisch, auch wenn es nicht gerade originell ist, das eine Vorbild eins-zu-eins von Fine Molds bzw. Matchbox zu übernehmen.

So haben wir es im Fazit diesmal mit einem leider nur mittelmäßigen Italeri-Bausatz zu tun, der aufgrund vermeidbaren Fehlern, nicht auf dem Stand ist wie die andere Bausätze vergleichbarer Luftwaffen-Maschinen der Firma aus der Nähe von Bologna. Etwas schade aber keine Katastrophe, da man auch hieraus immer noch ein sehr gutes Modell schaffen kann, welches selbst dem Fine Molds Bausatz recht nahe kommen kann. Und das auch noch gerade mal zum halben Kaufpreis des raren japanischen Kits, der übrigens auch nicht ohne Fehler ist. Italeri's ordentliche Hornisse ist allerdings derzeit leider nur in antiquarisch zu erwerben.

Zdenek Nevole (Oktober 2011)

Peter Fritz von der IPMS Steiermark hat einige Anmerkungen zum Modell, die wir euch nicht vorenthalten möchten:

"[...] was die Zweifel am Aussehen der Me 410 betrifft, kann ich vielleicht ein wenig aushelfen. Auch ich bin zwar kein "Zeitzeuge", aber meine langandauernden Recherchen zur Me 410 haben mir folgendes erbracht:
Die Rumpflänge war tatsächlich jene der Me 210, nachdem dieser nach den A-0 und ersten A-1-Mustern (aufgrund mangelnder Längsstabilität im Fluge) verlängert worden war. Es wude damals lediglich "ein Spant" - also ein Rumpfsegment mehr - eingefügt, allerdings geben die spärlich vorhandenen Quellen nicht preis, ob dies gleich hinter dem Besatzungsraum oder erst vor dem Leitwerk geschah. Der puren Logik zufolge, müßte es gleich hinter dem Besatzungsraum gemacht worden sein, denn der doch deutliche Knick (hinter der Haube) in der Silhoutte der Me210 war bei der 410 deutlich gemildert.

Auch sonst dürfte es beim Aussehen des Rumpfes und Leitwerkes kaum Unterschiede zur Me 210 B und der in Ungarn in Lizenz gebauten Me 210 Ca gegeben haben. Weitere wesentliche Unterscheidungsmerkmale waren die längeren Motorgondeln der Me 410, welche mit dem baugrößeren DB 603 ausgerüstet war (die Me 210 hatten den DB 601 oder DB 605 eingebaut) die gleichbleibende Pfeilung der Flügelvorderkanten an der Me 410 (Me 210 hatten außerhalb der Motorgondeln eine stärkere Pfeilung, als innerhalb) Ich bitte um Nachsicht, daß ich hier nicht alle mir zur Verfügung gestandenen Quellen angeben kann; ich habe einen ca. 40cm hohen Stoß Kopien (aus der Zeit, als PC und Scanner für Privatpersonen noch beinahe unerschwinglich waren), Fachbücher, sowie ein EDV-Archiv auf meinem PC das ca. 4,13 GB umfaßt.

Mein "Bestand" an ungebauten Bausätzen zur Me 210 und 410 umfaßt derzeit je 2 Stück Me 210 und 2 Stück 410 von Revell bzw. Italeri und einen wirklich hervorragenden 410er-Bausatz von Fine Molds. Die auf meiner Website (www.pmf.at) gezeigten Me 210 und Me 410 sind uralte Matchbox-Bausätze, wobei für die Gestaltung der Me 210 A-0 etliche "chirurgische" Korrekturen notwendig waren, denn die Matchbox-Bausätze hatten generell eine einheitliche Pfeilung der Tragflächenvorderkanten sowie den langen Rumpf - es waren ja 410er-Bausätze." -- Peter Fritz