Douglas DC-3

Italeri 132 - 1/72

Hier lange Abhandlungen über die legendäre Douglas DC-3 zu schreiben, dürfte unnötig sein. Man würde es ja doch nicht besser auf den Punkt bringen können, als es das diesem Flugzeug bereits vor Jahrzehnten verliehene Attribut „The airplane that change the world“ tat. Dies gilt sicher auch für die vielen zivilen und militärischen Nutzer dieser einzigartigen Maschine. Einen Überblick aufzuzeigen, könnte man am besten, wenn man lediglich jene Fluggesellschaften und Luftstreitkräfte auflistet, bei denen sie nicht in Diensten stand.

Heutzutage existiert von der DC 3 gerade mal ein einziger Bausatz im 1/72er Maßstab. An diesem bedauerlichem Zustand dürfte selbst die Tatsache, dass er gleich von drei Firmen angeboten wird, nichts ändern. Offenbar scheint seitens der Hersteller derzeit kein allzu großes Interesse an diesem Typ zu bestehen. Das war früher anders. Neben dem allerersten Plastikmodell einer DC-3 von Monogram im Boxscale-Maßstab, und dem ersten Bausatz in 1/72 von Airfix erschien später auch noch ein ESCI-Baukasten mit bereits versenkten Oberflächendetails, der dem kurz zuvor (also noch unter dem „Italaerei“-Logo) herausgebrachten, hier besprochenem Kit aus den späten Siebzigern des letzten Jahrhunderts, sehr ähnlich war. Dieser ist heute auch von Revell und Airfix erhältlich. Italeri selbst bietet momentan nur einen C-47- Baukasten an, der allerdings mit jenem der DC- 3 zu 99% identisch ist.

Sowohl der Esci- als auch der Italeri-Kit sind immer noch als einigermaßen zeitgemäß einzustufen. Die wichtigsten Unterschiede sind eigentlich nur die fehlenden Pilotenfiguren bei Esci sowie die nicht vorhandenen Passagiersitze bei Italeri. Darüber hinaus weichen sie nur in einigen Kleinigkeiten voneinander ab, womit dann jedes Modell sowohl einige Vor- als auch Nachteile aufzuweisen hat. Mag sein, dass das etwas jüngere Esci-Modell, welches es allerdings seit über einem Jahrzehnt neu nicht mehr zu kaufen gibt, insgesamt betrachtet, vielleicht eine Nasenlänge anspruchsvoller ausgestaltet worden war.

Nichtsdestotrotz stellt der hier vorliegende, Jahrzehnte lang bewährte und offenbar ungebrochen beliebte Bausatz, eine vergleichbar gute Alternative dar. Ansonsten hätte er es schwerlich auf das halbe Dutzend Neuauflagen - die seit 1986 alleine von Bünde aus herausgebracht wurden - gebracht. Der Grund hierfür liegt offensichtlich darin, dass sowohl Detaillierung und Teileanzahl als auch Gussqualität beinahe ohne Einschränkung immer noch heutigen Maßstäben genügen.

Alle 96 Teile sind vorbildgerecht ausgeformt und frei von Grat. Lediglich die zahlreichen, Blechstöße symbolisierenden Fugen, wurden vielleicht etwas zu stark betont, was ein bisschen an Matchbox erinnert. Allerdings bedarf es hier lediglich einiger Pinselstriche oder einer Schicht Grundierung, um das Oberflächenfinish wieder auf heutigen Standard zu bringen. Puristen aber, werden gerade bei einem derart klassischen Flugzeug wie der DC 3 wohl nur schwerlich mit der Tatsache zurechtkommen, dass es hier keinerlei Nietennachbildungen gibt. Offensichtlich hat man in Italien bei beiden Kits sogar einige Nietenreihen als weitere Blechstoss-Fugen dargestellt! Da Italeri hierbei aber ein klein wenig zurückhaltender war, kommt das Gesamtergebnis einer authentischen Dakota dennoch sehr nahe, während die Alternative, also eine symmetrische Schraffur von erhabenen Nietenreihen, wie es sie bei Monogram und Airfix zuhauf gab, dann auch nicht das Wahre in Punkto Oberflächendetaillierung sein dürfte.

Die einzigen echten Minuspunkte des Modells dürfte die fehlende Notausstiegsluke im Cockpitdach und die eingravierte Trimmfläche am linken Querruderblatt sein, während man die etwas auffällige Oberflächenstruktur der Ruderflächen wohl tolerieren könnte. Nicht ausgehöhlt abgegossene Auspuffrohre sollten dann ebenfalls als ein verzeihliches Manko einzustufen sein. Etwas schwieriger dürfte es aber mit den bei vielen Exemplaren daran angebrachten kurzen Rohren für die Kabinenheizungsanlage sein. Die wurden hier, wie auch bei Esci, nicht berücksichtigt. Bei der ersten DC-3 von Airfix gab es sie aber, genauso wie es eigentlich auch keine schlechte Idee von Monogram war, die Enteisungsmatten an den Tragflächen- und Leitwerksvorderkanten etwas hervorzuheben. Auch ist Italeris Armaturenbrett nicht 100% stimmig. Da es aber von außen fast nicht einzusehen ist, macht das nichts. Scheibenwischer sind aber vorhanden. Die zwei - noch aus Supermodel-Zeiten stammenden - Pilotenfiguren mit ihren auffallend groß modellierten Köpfen sowie eher an Turbans anstatt Lederhauben oder Helme erinnernden Kopfbedeckungen stören da schon mehr, insbesondere bei einem zivilen Airliner!

In Punkto Variantenvielfalt sind Italeri und weitestgehend auch Esci dann wieder führend. So liegen dem aus der Nähe von Bologna stammenden DC-3 bzw. C-47-Baukästen alle notwendigen Alternativteile bei um wohl sämtliche Variationen an zivilen Transportern sowie Airlinern dieses Typs bauen zu können. Streng genommen wird dieses große Plus hauptsächlich durch das Vorhandensein eines einzigen, allerdings entscheidenden, Teils erreicht. Sein Fehlen im derzeit nur von Italeri angebotenen Bausatz, d.h. der militärischen C-47, wiegt da also recht schwer. Flogen ja bislang und selbst heute noch etliche Airliner mit der zweiflügeligen Frachttür anstatt der beim zivilen Verkehrsflugzeug verwendeten Kabinentür. Für die Darstellung einer reinen, d.h. ursprünglichen, Passagiermaschine wäre jene allerdings zwingend notwendig, wie es einst schon die Formenbauer von Monogram vormachten, als sie für die entsprechenden Typen jeweils auch unterschiedlich modellierte Rumpfhälften schufen. Airfix dagegen führte als Alternativteil zur Frachttür eine Kabinentür ein. Diesen Pluspunkt übernahmen dann bekanntlich auch die beiden italienischen Hersteller. Möchte heute jemand aber den originalen Airliner bauen, kann er dies nur tun, wenn er den Revell- oder den aktuellen Airfix -Bausatz kauft, bzw. den hier besprochenen Kit antiquarisch aufstöbert. Allerdings lässt sich das dem Militärtransporter fehlende Teil mittlerweile schon separat erwerben. Diverse Antennenmasten, eine Astrodome-Glaskuppel, die rote Signallampe für die Seitenleitwerk-Finne, zwei verkleidete Peilantennen, unterschiedliche Lufthutzen sowie ein variables Kabinenfenster und eine aerodynamische Heckkonusverkleidung liegen, wie zuvor angesprochen, ebenfalls bei. Somit lassen sich nahezu alle möglichen Unterscheidungsmerkmale realisieren, wie sie die Maschinen der einzelnen Luftfahrtsgesellschaften eben aufwiesen. Lediglich ein Paar etwas längerer Lufteinlassverkleidungen werden laut Bauanleitung nicht benötigt, könnten aber vielleicht für den Bau von noch weiteren zu Airlinern umgestalteten Militärtransportern bzw. „entmilitarisierten“ Frachtflugzeugen genutzt werden.

Leider lassen sich die hier laut rotem Aufdruck an der linken unteren Deckbildecke vorgeschlagenen acht Airliner mittels der mitgelieferten Abziehbilder aber nicht alle korrekt darstellen. Italeri-Kenner werden dieses Problem vielleicht auch schon von anderen Kits kennen. Hier ist es aber besonders arg, da man dem DC-3- Baukasten dieses Mal sogar unterschiedliche Abziehbilderbögen beilegte. Ich persönlich entdeckte bislang drei Variationen, worin zumindest noch zwei Decalsets für jeweils zwei Maschinen vollständig vorhanden waren, während den restlichen Decalsoptionen bereits nationale Kennungen bzw. auch noch Logos usw. fehlten. In meinem Baukasten aber lag ein noch weiter abgespeckter Abziehbilderbogen mit falschen roten anstatt schwarzen Swiss-Air-Schrifftzügen. Dieser einzig vollständige und aufgrund des Deckelbildes wohl zu favorisierende Bemalungsvorschlag ist allerdings generell nicht ganz astrein, da gerade die hier explizit ausgewählte HB-IRX in Wirklichkeit ein Frachter war, und somit zwangsläufig auch mit der zweiflügeligen Frachttür ausgestattet war! Zusätzlich werden dann bei den BEA- und ANA- Maschinen kurzerhand auch noch eben mal falsche Dekorfarben angegeben. Die KLM- und Sabena-Maschinen sind noch weniger zutreffend, da man hier offenbar Vorkriegstypen anvisiert hat, die noch mit Wright-Triebwerken ausgerüstet waren, sowie rechts angebrachter Einstiegstür und weiteren Abweichunge. Die LH-Maschine wäre bis auf fehlende Decals für die an den Flügeln angebrachten Kennungen korrekt, allerdings müssten speziell bei der hier vorbestimmten „D-CADI“, entgegen der Bauanleitung, die Heckkonusverkleidung sowie die kleinen Lufthutzen angeklebt werden, wie ein Foto des Originals beweist.



Die zwei anderen früher noch angebotenen Auflagen dieses Baukastens mit jeweils weißen bzw. blauen Diagonalaufdrucks sind leider auch nicht akkurat. Es handelte sich dabei u.a. um Versuche, einige restaurierte Veteranen, die vor einigen Jahrzehnten noch zu Schauflügen eingesetzt wurden, als gewöhnliche frühere Air-France und LH-Verkehrsflugzeuge darzustellen. In einer Variante gab es dann z.B. bereits sogar schon Dekorstreifen und Firmenlogos in Decalform. Leider entsprach aber die auch dort suggerierte D-CADI ebenfalls nicht dem Vorbild, weil sie in Wirklichkeit eben nicht das modifizierte, farbenfrohere LH-Livree führte. Das wäre nämlich die D-CADO, welche übrigens einst Revells allererstes DC-3- Plastikmodell überhaupt darstellte, während dem letztem, vor dem aktuell angebotenem Baukasten aus den späten Neunzigern, aber der alte Monogrambausatz zugrunde lag. Dabei scheute sich Revell seinerzeit aber nicht, das eigene Firmenlogo eingravieren zu lassen. Der vor der ersten Hälfte der Achtziger Jahre aus Bünde vertriebene ESCI-Kit ist daher also für LH-Freunde die bessere Wahl.

Mein persönliches Fazit mündet hier einmal mehr in persönliche Frustration ja Fassungslosigkeit, wie ein handwerklich überwiegend akkurat arbeitendes Weltunternehmen mit an sich durchweg soliden Kits aufgrund von mangelnder Recherche qualitativ hervorragende Decals schlagartig zu entwerten vermag.

Zdenek Nevole, Mai 2013