Bristol Beaufort

Frog F.229 - 1/72

Vorbild: Dieser aerodynamisch ausgereifte Mitteldecker bildet sozusagen das Bindeglied zwischen den Typen Blenheim und Beaufighter der traditionsreichen britischen Firma Bristol. Obwohl es niemals deren Bekanntheitsgrad erreichte, leistete dieses Kampfflugzeug bis 1943 nützliche Dienste für das Coastal Comand der RAF. Schließlich handelte es sich um den Standard-Torpedobomber jener Verbände, der bereits seit Kriegsbeginn zur Verfügung stand.

Obwohl ursprünglich geplant war noch eine Aufklärer-Variante zu schaffen, wurden Beauforts im zweiten Weltkrieg außerdem nur noch zum Minenlegen eingesetzt. Etliche Flugzeug fanden später noch als Trainer Verwendung. Den Höhepunkt ihre Einsatz-Karriere dürfte wohl die Teilnahme an der Verfolgung der deutschen Großkampfschiffe gebildet haben. Als jene während des "Kanaldurchbruchs" britische Küstengewässer passieren mussten, und dabei ständig Angriffen auch dieses Baumusters ausgesetzt waren.

Dieser Bausatz stellte bei seinem Erscheinen in den Sechzigern das einzige Modell einer Beaufort dar. Daran dürfte sich, zumindest im 72er-Maßstab - wenn ich mich nicht täusche - bis heute nicht viel geändert haben. Trotzdem oder gerade deshalb handelt es sich bei diesem alten Kit - insgesamt besehen - um einen der besseren Bausätze des untergegangenen englischen Herstellers.

So gibt es hier, neben einem Klarsichtteil für den Landescheinwerfer, diesmal zumindest auf den Außenseiten der einteiligen Räder ausgeformte Felgen-Details. Die in diesem Fall sogar weitgehend dem Original entsprechen. Auch die Doppel-Sternmotoren wurden, wie bei Frog üblich, mithilfe zweier Teile nachgebildet. Ferner entspricht hier der Aufbau der Hauptfahrwerksbeine ebenfalls im Großen und Ganzen dem Vorbild, was bekanntlich leider nicht auf alle Frog-Bausätze zutrifft.

Bei der Nachbildung der Luftschraubenkappen, für die es immerhin bereits separate Kegel gibt, gelangt man allerdings nicht zu einer annehmbaren Vorbildtreue, da die Propellernaben von einer Scheibe umgeben sind, die die Basis des Spinners darstellt. So hat man hier zwar jene für dieses Bristol-Triebwerk typische am Spinner bestehende Fuge gewonnen. Muss aber dennoch die Furche an der Austrittsöffnung der Propellerblätter, mit der Mini-Bohrmaschine selbst eingravieren, wenn man noch mehr Authentizität im Bereich der Luftschrauben wünscht.

Der Besatz mittels einiger Panellines, die die an den Blechstößen vorhandenen Fugen oder Ritzen des Originals darstellen, stellt diesmal keinen allzu schlechten Kompromiss dar. Es entsteht nämlich keine, bei alten Bausätzen so berüchtigte, willkürlich angebrachte Schraffur, sondern ein schon eher unauffälliges Verlauf-Muster. Dieses kann den Vergleich mit der Dreiseiten-Zeichnung aus der Fachliteratur dennoch schwerlich bestehen.

Anderseits heben sich die Linien aber so wenig aus der Oberfläche ab, dass man beim Bemalen sogar aufpassen muss, nicht alle zu überstreichen. Daher bleibt diese Art von Oberflächendetaillierung vielleicht gerade noch als vertretbar einzustufen. Die irgendwie unnatürlich gestreift wirkenden beweglichen Kontrollflächen des Seitenleitwerks, sind hingegen schon leicht störend, was auch für den nur wenig authentisch nachempfundenen Drehturm gilt.

Das was es damals von Frog an Cockpiteinrichtung gab, sollte man besser übergehen. Außenlasten wurde in den Baukasten keine beigefügt, dafür aber ein Klarsichtteil, das die Kuppel am "Kinn" der Mark II darstellt. Außerdem erlauben die beigefügten passablen Abziehbildersätze auch noch den Bau einer australischen Maschine, was man als weiteres Plus werten kann.

Da die Klarsichteile an vielen Stellen aufgrund schlechter Gussqualität schadhafte Stellen aufweisen, braucht man das Cockpitinnere nicht allzu sehr aufzuwerten. Das Resultat würde nämlich in wahrsten Sinne des Wortes eingetrübt. Mit ein paar selbst durchgeführten Gravuren kann selbstverständlich auch dieses Modell individuell aufgewertet werden. Genauso wie man mit der Verwendung einiger Teile aus der Restekiste, um beispielsweise die MGs besser darzustellen, ebenfalls viel erreichen kann. Schließlich ist es nach meiner Meinung immer noch besser, ein eher schlicht detailliertes Modell zur Verfügung zu haben, als gar keins. Unter diesem Aspekt ist dieser Bausatz noch als durchaus empfehlenswert einzustufen.

Zdenek Nevole (November 2011)

Anmerkung: Seit einigen Jahren gibt es das Modell der Beaufort von MPM/Special Hobby im Maßstab 1/72. --- VH